Eine runde Sache

Von Merlin van Rissenbeck

Der treue Begleiter hat eine bewegte Geschichte: Patentiert, verbrannt, und als Spiegel der Körperbilder von Generationen.

Bild: bonnFM

Für die meisten Frauen ist er ein treuer Alltagsbegleiter: der BH. Er erleichtert das Leben, vor allem, wenn wir uns bewegen, und sieht oft ziemlich schick aus. Zu verdanken haben wir das offiziell der Amerikanerin Mary Phelps Jacob. Die ließ das Konzept Büstenhalter 1914 patentieren. Angeblich hatte sie ziemlich große Brüste und entwarf für diese ein Wäschestück aus zwei Tüchern und einigen Bändern. Für das verkaufte Patent bekam die Amerikanerin gerade einmal 1500 US-Dollar. Aber auch in Europa gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts Entwürfe für Büstenhalter, die den heutigen gar nicht so unähnlich sind. Und streng genommen gibt es Vorformen des BHs schon seit der Antike.

Vom ersten Weltkrieg zum Kampf der Geschlechter

Dafür, dass das BH-Patent von Mary Phelps Jacob so ein Erfolg wurde, gibt es noch einen weiteren Grund: den ersten Weltkrieg. Während dieser Zeit wurden die Frauen in Amerika dazu ermutigt, von Korsetts auf die sparsameren BHs umzusteigen. Es war bestimmt kein großes Opfer, auf das einengende Mieder zu verzichten. Dass man bei weniger Stoff geblieben ist, ist wohl vor allem eine Frage des Komforts und weniger der Vaterlandsliebe. Blütenrein ist der Ruf des BHs allerdings nicht geblieben. Ende der 1960er-Jahre wurde er von vielen Feministinnen als Symbol der Unterdrückung verpönt, ein Kleidungsstück, das vor allem Männern gefallen sollte. Am 7. September 1968 warfen Feministinnen in New Jersey BHs zusammen mit anderen Gegenständen wie Lockenwicklern und Stöckelschuhen in einen sogenannten „Freiheits-Mülleimer“. Der BH als „Instrument weiblicher Folter“, das der Geschlechter-Gleichberechtigung im Wege steht. Der Ruf des BHs erholte sich allmählich. Mit der Aerobic-Bewegung Ende der 1970er gehörte er unabdingbar zur Ausstattung der sportlichen Frau.

Dass wir das Korsett losgeworden sind, ist selbstredend ein großer Fortschritt. Wie es bei so manchem Kleidungsstück der Fall ist, spiegelt sich aber auch im BH das Körperbild der Gesellschaft. Dabei fällt zum Beispiel auf, dass die heutigen BHs meist stark wattiert sind. Die Brust wird gerundet und genormt, was das Zeug hält. Das sah in den 50ern bei Marylin Monroe und Co. noch ganz anders aus. Wer sich eine Folge des 90er-Jahre-Serienhits „Friends“ anguckt, staunt über die unübersehbare Präsenz von sich abzeichnenden Brustwarzen unter Sweatshirts. Die sind heute meist aus dem Blickfeld verschwunden. Zu denken, der BH-Kauf sei eine sehr individuelle Entscheidung, ist also ein möglicherweise täuschender Eindruck.

Der Bonner BH

Wer sich unter Bonner Studentinnen umhört, stellt fest, dass „der perfekte BH“ an sehr unterschiedlichen Kriterien festgemacht wird. Passform, Sitz und Komfort sind vielen wichtig. Andere legen vor allem Wert auf Ästhetik. Der Push-up-BH stellt sich als nach wie vor sehr beliebt heraus. Im Schnitt besitzen die befragten Bonner Studentinnen sechs BHs im Kleiderschrank. Die meistgewählten Begleiter für den Unterwäsche-Einkauf sind die beste Freundin, die Mutter oder der Freund. Der BH bietet dabei jede Menge Gesprächsstoff – im wahrsten Sinne des Wortes. Happy Birthday, Büstenhalter!

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