25 Jahre Speedfolk und kein Ende in Sicht

Von Thomas Frerix

Foto: Thomas Frerix / bonnFM

25 Jahre sind eine lange Zeit, die nicht jede Band schadlos übersteht. Grund genug also für Fiddler’s Green aus Erlangen ihr 25 jähriges Bestehen groß zu feiern. Dazu veröffentlichte die Folk Band nicht nur ihre Compilation 25 Blarney Roses, sondern ist aktuell auch bei 12 exklusiven Shows zu sehen. Wir waren im ausverkauften Kölner E-Werk dabei und haben auch mit der Band gesprochen.

Irish Folk aus Deutschland – kann das gut sein? Offenkundig, denn Fiddler’s Green haben mit ihrer Mischung aus Irish Folk, Folk Traditionals, Rock und Punk seit einem Vierteljahrhundert Erfolg, Tendenz steigend. Ihre Musik bezeichnet die Band aus Erlangen selbst als Speedfolk und entsprechend heizen Fiddler’s Green ihren Fans live auch richtig ein. Mehr als 14 Studioalben, einige Live-CDs und -DVDs und mehr als 1700 gespielte Konzerte sind das Ergebnis von 25 Jahren Musik. Das soll nun endlich gefeiert werden und daher bringen die Musiker Albi, Rainer, Stefan, Tobias, Frank und Pat dieses Jahr nicht nur eine Compilation heraus, sondern sind auch auf einer exklusiven Jubiläumstour unterwegs. Austragungsort der Party war in Köln das E-Werk, das zum Bersten gefüllt war mit treuen Anhängern der Band.

Wall of Folk

Der Abend wurde durch zweierlei eröffnet: Der Supportact Mr. Irisch Bastard, der eine ordentliche Show lieferte und gut und gerne einen Vorgeschmack auf die Folk-Party bot, die Fiddler’s Green entfesseln sollte – und: Der Eindruck, dass überall Videokameras im E-Werk verteilt waren. Offenbar sollte dieser denkwürdige Abend nicht nur ins Gedächtnis der Anwesenden gebannt werden, sondern auch auf Film.

Fiddler’s Green lieferten an diesem Abend das, was Fans von ihnen erwarten: Eine herzliche, wilde Show. Die Band gibt dabei auf der Bühne alles, scheut aber auch nicht vor Balladen wie „Dirty Old Town“ zurück, die vom Publikum inbrünstig mitgesungen werden. Für „Donkey Riding“ mischt sich die Band gerne auch unter die Menge, um mit den Fans zu tanzen und zu feiern. Natürlich durften auch die vielen Klassiker der Band nicht fehlen: „Rocky Road to Dublin“ mit der gewaltigen Wall of Folk (einer Wall of Death für Folk-Rock Fans) oder „Folk’s Not Dead“. Die Band bescherte den Fans ein riesiges Konzert mit 30 Songs, die alles von neu bis alt abdeckten und auch viele unplugged Stücke mischten sich in das Set. Mit dem Klassiker schlechthin – „Blarney Roses“ – der dieses Mal mit Fans auf der Bühne gefeiert wurde, schloss die Band diesen erinnerungswürdigen Abend ab. Fiddler’s Green haben auf der Bühne ebenso enthusiastisch gefeiert, wie ihre Fans davor. Diese blieben am Ende vollkommen erschöpft, aber glücklich zurück und stießen noch bei ein paar Bieren mit der Band auf die nächsten 25 Jahre an.

Das Compilation Album 25 Blarney Roses ist seit Februar im Handel erhältlich. Im Herbst soll dann eine neue Live DVD mit dem Kölner Konzert und einer umfangreichen Dokumentation folgen.


Foto: Thomas Frerix / bonnFM

Wir haben vor dem Konzert mit Rainer (Bass), Frank (Schlagzeug) und Pat (Gesang, Gitarre) über die letzten 25 Jahre gesprochen:

bonnFM: Hallo zusammen, danke für eure Zeit: 25 Jahre ist eine lange Zeit: Wie habt ihr 25 Jahre erlebt?

Rainer: Wir sind alle unterschiedlich lang dabei. Ich bin seit Anfang an dabei, habe die Band auch mitgegründet. Jeder von uns hat seine eigenen Phasen miterlebt, für mich waren das die albernen ersten Jahre mit viel auf und ab, wo wir auch absonderliche Konzerte gespielt haben.

bonnFM: Wie viele Konzerte habt ihr denn gespielt?

Rainer: Ich habe mal eine Liste gemacht, wir sind aktuell so bei 1700.

bonnFM: Wie war denn das erste Konzert im Vergleich zu heute?

Rainer: Da haben wir auf einem lokalen Newcomerwettbewerb gespielt, hauptsächlich um keinen Eintritt zu bezahlen und möglichst viele kostenlose Biermarken zu ergattern. Wir haben dann ein paar mal vorher in einer WG geübt und an dem Abend unser Maß auch schon vor dem Auftritt getrunken, recht bizarr…

Frank: Dann hat sich ja wenig geändert…

Rainer: Eigentlich ein Wunder, dass wir damit den zweiten Platz gemacht haben, der Auftritt war eigentlich eine Frechheit.

bonnFM: Wie kommt man dann von diesem Spaß zu 25 Jahren Bandgeschichte?

Rainer: Das hat sich so eigendynamisch entwickelt, jeder hatte auch andere musikalische Projekte, aber Fiddler’s Green ist als einziges geblieben

bonnFM: Was sind denn eure Highlights aus 25 Jahren Bandgeschichte?

Rainer: Klingt blöd, aber für mich ist die aktuelle Tour das richtige Highlight. Gab natürlich auch früher so Überraschungsdinger, wo man beispielsweise auf einem Festival war und nicht mit dem Anklang gerechnet hat, aber wie es sich jetzt anfühlt, ist für mich eigentlich das größte Highlight

Frank: Wir sind jetzt vermehrt im Ausland, da gab es viele persönliche Erlebnisse, die auch Highlights meines Lebens sind. Zum Beispiel letztens auf einer Tour in Russland: da hatten wir ‘ne Fahrt im Zug in einem Wagon, der nur für drei Bands reserviert war. Mehr muss man eigentlich gar nicht erzählen. Wir wurden mehrmals beinahe rausgeschmissen von der Zugbegleiterin, die uns mit Polizei usw. gedroht hat…

Pat: Die wollte uns komplett in der Pampa mitten in der Nacht aussetzen! Zwischen St. Petersburg und Moskau…

Frank: Da gibt’s sehr viele Geschichten und da wir die Clubs in Deutschland langsam sehr gut kennen, warten da im Ausland immer viele lustige Erlebnisse.

Pat: Auch die ein oder anderen großen Festivals: Wacken, Summerbreeze, Open Flair…

Frank: …aber auch die kleinen Festivals…

Pat: …ja auch die kleinen, das sind Highlights die man immer wieder gerne mitnimmt.

bonnFM: Wie viel könnt ihr denn überhaupt im Ausland touren? Habt ihr das Ziel auch mal über den großen Teich zu kommen oder reicht es euch in Deutschland zu spielen?

Frank: Weltherrschaft ist schon das Ziel…

Rainer: Wir haben jetzt ‘ne Bandpartnerschaft mit einer Kanadischen Band, die jetzt auf der Tour auch Support gemacht haben, BODH’AKTAN heißen die. Ich denk, auf kurz oder lang wird’s uns da nach Kanada verschlagen und auf dem Weg würden wir auch gerne dann in den USA spielen.

Frank: Oder in Japan, da haben wir auch sehr viele CDs verkauft. Wurden da auch zu einer Tour eingeladen, zusammen mit Flogging Molly. Leider ist kurz vor der Tour Fukushima passiert, das war uns dann doch zu heiß, aber da wird auf kurz oder lang auch was folgen.

bonnFM: Ihr macht ja auch Irish Folk: Habt ihr eigentlich schon mal in Irland gespielt?

Frank: Selbstverständlich…wobei so selbstverständlich ist das wohl nicht.

Pat: Wir waren da drüben und haben gespielt, war schon sehr lustig!

bonnFM: Wie nehmen denn die Iren es auf, wenn Deutsche deren Musik machen?

Pat: Amüsiert, interessiert… und es war schon durchaus positiv.

Frank: Aber es gibt auch sehr viele Deutsche dort, deutsche Auswanderer, die in Irland leben. Wir hatten ein sehr internationales Publikum.

Rainer: Wir hatten leider für das erste Konzert dort einen blöden Termin gewählt und haben dort am Tag nach Halloween gespielt. Das ist so, als wenn du in Köln am Aschermittwoch spielst und dich wunderst, dass keiner kommt.

Frank: Das war in Dublin…da waren glaube ich 100 Deutsche da und nach der Hälfte des Sets waren dann unsere Ansagen auch auf Deutsch.

bonnFM: Gab es denn in 25 Jahren Bandgeschichte auch Momente, wo ihr am liebsten aufgehört hättet?

Rainer: Es gab mal so ein bisschen so eine Phase, wir waren mal eine Zeitlang bei Universal und das lief so durch diese ganze Musikindustrieschiene recht scheiße. Da waren wir dann eine Zeitlang recht geknickt und haben uns überlegt „muss das denn so sein?“ und da haben wir uns überlegt, das ganze wieder im Independent-Rahmen zu stemmen, da kann man nämlich das selbe schaffen und hat keine komischen Nasen, die einem was vorschreiben wollen und am Ende selbst nichts machen. Aber das hatte nichts mit uns oder der Band zu tun, sondern mit diesem Businesskram, von dem wir jetzt auch die Finger lassen.

bonnFM: Was soll denn das aktuelle Compilation Album 25 Blarney Roses den Fans bieten?

Pat: Das sollte ein Status Quo sein, wie wir uns aktuell sehen als Band, wo wir musikalisch stehen und mit den zwei neuen Songs, wohin wir dann gehen werden, wie die Zukunft aussehen könnte.

Frank: Und zwei Klassiker, also die Rocky Road to Dublin und Blarney Roses, die live nie fehlen dürfen, die haben wir neu aufgenommen. Da gab es eigentlich nur live Aufnahmen und die haben wir auch noch mit draufgepackt, da es nie eine Studioaufnahme gab.

Und wie der Pat schon sagte: es ist der Stand, wo Fiddlers Green nach 25 Jahren stehen. Die Auswahl der Songs war nicht leicht. Wir waren 6 Köpfe und haben es auch auf Tour überlegt, wo noch Teile der Crew mit reinkamen mit ihren Visionen, die wir dann aber verwerfen mussten, denn sonst wäre es noch anstrengender gewesen. Wir wissen, dass wir es wohl keinem ganz recht machen können mit dieser Auswahl, aber letztlich war es das, was wir 6 für wichtig hielten an Songs.

Pat: Ja das war von vorn hinein klar, dass es Kritik geben würde von wem auch immer. Weil 25 Jahre und hunderte Songs in so eine Compilation unterzubringen ist eigentlich unmöglich. Daher war für uns das Hauptaugenmerk unseren aktuellen Stand abzubilden.

Frank: Es ist ja allgemein gefährlich so eine Art Best of Album rauszubringen, das ist ja immer so eine Art Geldmacherei, aber es war auch irgendwo ein Geschenk an uns selbst und es steht ja jedem frei, die CD zu kaufen oder nicht.

bonnFM: Die Tour verspricht 12 exklusive Jubiläumsshows: Was erwartet denn die Fans auf den Konzerten?

Frank: Jajaja…da fliegt dir heute noch der Vogel raus!

Rainer: Da fliegt die Sau aus dem Vogel raus!

Pat: Alles fliegt! Ja, was haben wir denn alles?

Frank: Wir haben ein mega Unplugged-Set in die Mitte gesetzt, wir haben ‘nen riesen LKW an Lichtshow dabei, selbst wenn wir keine Show machen, geht hier licht-mäßig das Silvester. Wir haben auch noch Gäste dabei…

Rainer: Und wir spielen ganz lang, fast 30 Stücke.

bonnFM: Und wie wird die Jubiläumstour bisher von den Fans aufgenommen? Ist es eure beste Tour?

Pat: Ja, das kriegen wir auch als Feedback von den Fans mit, die sagen: Woah, geil!

Frank: Dabei hat man aber immer regionale Unterschiede, die aber auch von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein können. Zum Beispiel in Berlin, war es letztes Jahr etwas eingeschlafen und dieses Jahr sind sie dort total ausgeflippt…es war der gleiche Laden und der gleiche Wochentag, aber die Stimmung war 10-mal so geil.

Pat: Es gibt aber auch Kritik von denen, die viele alte Songs hören wollen. Das haben wir auch mal ausgetestet, aber bei vielen alten Songs, stehen unsere heutigen Fans da und schauen uns fragend an. Daher haben wir uns dann auch erlaubt ein bisschen was von den alten Songs gegen neuere auszutauschen und dann hat es eigentlich super funktioniert, auch wenn einige natürlich immer nach bestimmten Songs fragen.

Frank: Und zur Tour noch allgemein: Wir haben erstmals ‘nen Praktikanten dabei. Der Timo übernimmt das Tourtagebuch und filmt hier alles, woraus er dann nachher eine umfangreiche Doku machen wird.

bonnFM: Wie seid ihr an einen Praktikanten gekommen?

Frank: Bisher habe ich ja immer per Videokamera ein Tourtagebuch gemacht, bis Timo mich auf Youtube angemacht hat, dass das Bild doch so verwackelt sei. Ich habe ihm gesagt, er soll es doch besser machen und das wollte er dann tun…jetzt sitzt er hier.

bonnFM: Also können wir auf die ultimative Fiddler’s Green Doku hoffen?

Rainer: Da kann man drauf hoffen! Wie durch einen Zufall nehmen wir auch das Konzert heute in Köln auf, mit ganz vielen Kameras und dann schauen wir mal, was wir daraus machen…

bonnFM: Wie findet ihr denn das Publikum im Rheinland und wo spielt ihr insgesamt am liebsten?

Rainer: …Im Rheinland natürlich!

Frank: Wobei die Frauen mir hier etwas zu direkt sind…ein bisschen mehr Zurückhaltung wäre mir da schon recht!

Rainer: …Köln, ja Köln ist echt immer ein Highlight. Die letzten Shows in Köln waren echt super.

Pat: Köln und München sind so die Orte, wo es echt abgeht.

bonnFM: Was sind denn eure kommenden Ziele? Wollt ihr auch mal das Palladium oder eine Arena füllen oder wird es euch auch irgendwann zu groß?

Rainer: Wir haben natürlich nix dagegen.

Pat: Palladium haben wir ja auch schon mit Schandmaul gespielt, das war schon schön.

Rainer: Wir sind ja heute auch ausverkauft, von daher ist eine Steigerung ja auch möglich und natürlich erwünscht.

bonnFM: Wie seid ihr denn eigentlich auf Irish Folk gekommen?

Rainer: Wir sind am Küchentisch da eigentlich zufällig als Spaßprojekt drauf gekommen. Das hätte damals auch Reggae oder was anderes werden können. Aber so unser anderer Teil waren schon die professionellen Irland-Urlaubsfreaks. Die haben da viel Zeit verbracht. Das hat sich dann irgendwie so ergeben.

bonnFM: Was glaubt ihr ist denn wohl euer Durchbruch gewesen?

Rainer: Vor allem in den Anfangstagen ging das eigentlich explosionsartig. Wir sind da überall hingefahren, wo man so hinfahren konnte. Die Unbekümmertheit, weil uns das auch irgendwie wurscht war, hat da den Charme ausgemacht. Das ging dann so weiter, eine Initialzündung gab es da nicht. Anfang 2000 hatte es sich aber etwas totgelaufen, da kam dann Pat dazu und da gings dann eigentlich so richtig ab. Da hat das ganze das Gesicht gekriegt, wie es jetzt ist und seitdem geht es immer etwas nach oben.

bonnFM: Wie sieht es denn aus mit neuen Songs und neuem Material?

Pat: Wir gerade dabei das zu schreiben und zu überlegen. Das entsteht gerade alles und wir sind guten Mutes, dass es dann auch aufgenommen werden kann und dann gibt es in den nächsten 1½ Jahren auf jeden Fall auch wieder ein neues Album.

bonnFM: Wie schafft ihr es denn bei 25 Jahren Bandgeschichte immer wieder neue Musik aus so einem traditionellen Genre zu schaffen? Läuft sich Folk nicht irgendwann tot?

Frank: Also ich denke, es ist wie in jeder Musikrichtung: Du kannst es immer wieder schaffen, Songs zu schreiben, die beim Hörer oder einem selbst eine Gänsehaut auslösen. Dieses emotionale Musikhören versuche ich mir zu erhalten und das nutzt sich auch nicht ab. Deswegen gibt’s auch immer wieder im Radio Songs, die gehört werden wollen, weil sie einfach gut sind. So ist es letztlich ja auch bei uns. Und ja, wir benutzen ja auch Traditionals und manchmal gibt’s da schon so einen Burnout, wo man länger suchen muss, um was neues zu finden, aber dann muss man eben Hand anlegen und selbst Songs schreiben. Insofern sehe ich da kein Problem bei uns.

bonnFM: Gibt es bei euch denn auch einen stilistischen Wandel?

Frank: Klar, es gibt eine deutliche Entwicklung, auch weil die Besetzung sich verändert hat, aber auch wenn man das erste und das letzte Album mal anhört. Da gibt’s dann auch Songs, die man jetzt im Nachhinein mal ein bisschen belächelt. Es gibt aber auch Songs, wo man auch nach 10 Jahren noch denkt, boah das ist echt geil. „Folks Not Dead“ zum Beispiel wurde 2006 geschrieben und das ist nach wie vor eine beliebte Nummer, die immer abgeht.

bonnFM: Vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg!

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