Ist denn schon wieder Weihnachten?

Von Adrian Ladenberger

Santa Claus? Brothers? Wer hier ans Christkind denkt, hat weit gefehlt. „Brothers of Santa Claus“ sind der wohl interessanteste Neuzugang, den die deutsche Indie-Landschaft momentan zu bieten hat. Dass sie viel mehr können als bloß Indie, stellen sie in ihrem Debütwerk „Navigation“ eindrucksvoll unter Beweis.

Bild: Jasper Bischofberger

Mit einer ruhigen Akustik-Gitarre und der markanten Stimme von Sänger Maximilian Bischofberger beginnt das Album „Navigation“ und will einen bis zum letzten Song nicht mehr so wirklich loslassen. Der Titel „Brothers“ könnte dabei fast selbstreferentiell für die Indie-Rocker aus Freiburg stehen. Schon zu Beginn setzt ein Feeling ein, das sich auch schnell bei den anderen Songs wiederfindet. Ein wenig losgelöst fangen die Gedanken an zu schweifen und man fühlt sich plötzlich wie von dem Duo aus Gitarre und Gesang getragen. Schon wenig später setzen auch die anderen Instrumente ein, ohne dabei jedoch versuchen zu wollen, einander zu übertrumpfen. Insgesamt wirkt die Musik auf positive Weise reduziert. Kein aufdringlicher Gitarrenriff, der versucht sich dem Hörer ins Ohr zu hämmern. Die ruhige, aber doch immer interessante Gesangsstimme, die scheint, als würde sie aus ihrem eigenen Leben erzählen. Auch der zweite Song „Österland“ fängt genau diese Stimmung ein und besticht besonders mit seinem eleganten, luftig-leichten Zusammenspiel von Gitarren, Gesang und Percussion.

Es war einmal ein Sofa…

Man merkt „Navigation“ schnell die akustischen Wurzeln der Band an, die bis vor kurzem noch meist auf den Straßen Freiburgs anzutreffen war. Mit Instrumenten, viel Enthusiasmus und einem abgewetzten roten Sofa im Gepäck bot jede Straßenecke eine gute Konzertlocation. Weil sie mit rotem Sofa im Schlepptau so aussahen, als würden sie den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen, fand sich nebenbei auch schnell der Bandname. „Brothers of Santa Claus“ zeigen, dass sie abwechslungsreich sein können und dabei vor allem eines nicht wollen: Mainstream sein.

Ein alles mitreißender Sog

Nicht alle Songs auf dem sind luftig-soft gestrickt. Bereits „New Tagivan“ überrascht mit rockigerem Sound. E-Gitarre und Bass mischen sich harmonisch unter die akustischen Instrumente und ergänzen den Gesang. Elektronische Klänge sind zwar eher die Ausnahme auf dem Album, aber sofern sie vorhanden sind, bereichern sie das Klangbild enorm und sorgen für eine abwechslungsreiche Soundkulisse, die kein Song wie den anderen klingen lässt.

Den Höhepunkt des Albums bildet die Single „Dry“. Dezent beginnt der Song lediglich mit A-Capella Gesang zu dem sich langsam und ebenso dezent eine akustische Gitarre gesellt. Gitarre, Gesang und der leise einsetzende Beat erzeugen einen stillen, aber doch alles mitreißenden Sog, dem man sich unmöglich entziehen kann. Ähnlich wie bei allen anderen Song von „Navigation“ ist man plötzlich mittendrin und findet keinen Weg mehr hinaus – falls man das denn überhaupt möchte? Fast schon minimale Klangstrukturen und die ausgedehnten instrumentalen Zwischenteile sorgen dafür, dass man sich in den Klangwelten des Albums verliert und die eigenen Gedanken plötzlich an weit entfernte Orten schweifen.

Mutiger Indie Rock

„Brothers of Santa Claus” stehen für ehrlichen und mutigen deutschen Indie Rock. Das Sofa auf der Straße haben sie inzwischen gegen TV Noir-Sofa in Berlin getauscht. Demnächst geht es auch auf Tour, am 14.12. sind die fünf Jungs im „Kulturcafé Lichtung“ in Köln zu sehen. Ihr bereits bei Jazzhaus Records erschienenes Debütalbum „Navigation“ ist bestens dafür geeignet, die Wartezeit bis dahin zu überbrücken. Und wer noch nicht reingehört hat, der sollte dies schleunigst nachholen, denn Brothers of Santa Claus sind der wohl vielversprechendste Neuzugang in der deutschen Indie-Szene.

bonnFM-Redaktion

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