„Am I Good Enough For You?“

Von Luisa Greupner

Foto: Luisa Greupner / bonnFM

Am Samstagabend bringen Alcoholic Faith Mission bewundernswert viel Freude und gute Musik ins Kölner Gebäude 9, mit der sie ihr überschaubares Publikum sofort euphorisieren. So eine Band und Show hätte eigentlich ein viel größeres Publikum verdient, doch die fünf sympathischen Dänen kämpfen nach jahrelanger gelungener Bandgeschichte nach wie vor um ihren Bekanntheitsgrad – unverständlicherweise.

Das Gebäude 9 ist nicht gerade die kleinste Location für Konzerte in Köln. Umso mutiger, die in bestimmten Musikkreisen zwar mittlerweile recht bekannte, aber eigentlich immer noch eher kleine Band Alcoholic Faith Mission an einem Samstagabend dort zu buchen. Mit einem „Ausverkauft!“ hatte also wahrscheinlich niemand gerechnet. Etwas mehr Besucher hätten in dem zu etwa einem Viertel gefüllten Saal aber noch gut Platz gefunden, ohne die intime Konzertatmosphäre zu verhindern. Die Band lässt sich dadurch aber keineswegs die Lust am Musikmachen nehmen, eher im Gegenteil. Sie sind sichtlich erfreut über das erschienene Publikum, bedanken sich mehrfach fürs Kommen und holen sich die Sympathien schon nach den ersten Zeilen auf ihre Seite. „Hey! Am I good enough for you?“ fragt die Band in dem Song „Orbitor“ des gleichnamigen Albums das Publikum. Das ist schon vollkommen eingenommen vom Klang und der intimen Atmosphäre, die die Band nach den ersten Takten bereits erzeugt. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es eben auch heraus und so lässt sich das Publikum begeisterte Jubelrufe nach jedem Song nicht nehmen und ist sich sicher einig darin, dass diese liebenswerte Band absolut gut genug ist.

Nicht nur Sympathieträger, sondern auch gute Musiker

Mitten in der aktuellen Tour ist von Müdigkeit keine Rede. Besonders Kristine Permild – einziges weibliches Bandmitglied – tanzt und freut sich wie ein kleines Kind und überzeugt nebenher noch mit ihrer einzigartigen Stimme. Das kommt besonders im schnellen „Into Pieces“ vom 2011er Album „Ask Me This“ und im eher ruhigen „Come Here Wash In Over Me“ vom aktuellen Album „Orbitor“ zum Tragen. Die Klänge von Alcoholic Faith Mission wechseln auch innerhalb von Songs zwischen diesen ruhigen, sentimentalen und zum Heulen schönen Melodien und tanzbaren Synthie-Sounds. Dazu ergänzen sich die Stimmen von Kristine Permild und Thorben Seierø Jensen und bilden eine klangvolle Symbiose. Auch bei der Wahl der Instrumente legen sich die Dänen nicht fest. Von verschiedenen elektronischen Klangerzeugern, über die Basics Schlagzeug, Gitarren, Gesang bis hin zu Trompete, Cowbell und Geigenbogen auf E-Gitarre ist auf der Bühne alles vertreten. Durch das perfekte Beherrschen und Einsetzen dieser zahlreichen Varianten beweisen Alcoholic Faith Mission wieder einmal, dass sie eine einzigartige Liveband sind und bescheren ihren Fans einen wundervollen Abend.

Foto: Luisa Greupner / bonnFM

Kreative Bandgeschichte seit 2006

Mit dieser Vielfältigkeit überzeugen sie ebenso auf ihren bereits vier erschienen Alben. Besonders das 2011er Album „Ask Me This“ strotzt vor überragenden Songs, die bis heute starke Präsenz in den Konzerten zeigen. Besonders hervorzuheben ist hier das melancholische „We Need Fear“ und der noch ältere Lieblingssong der Sängerin Kristine: „Nut in your Eye“ bildet auch in Köln, wie fast immer, den Abschluss des Konzertes. Gegründet wurde Alcoholic Faith Mission von den zwei Bandmitgliedern Thorben Seierø Jensen und Sune Sølund. Sie liefen 2006 gemeinsam in New York an der „Apostolic Faith Mission“ vorbei – während eines Gesprächs über Alkohol. Daraus entstand dann der auffällige Bandname. Mit der Zeit wuchs die Band an Mitgliedern und hat nach einer längeren Schaffenspause das deutlicher als je zuvor von elektronischen Einschlägen und tanzbaren Sounds bestimmte Album „Orbitor“ (2015) veröffentlicht. Mit so vielen Alben im Gepäck werden sie ja vielleicht in diesem Festivalsommer von so vielen neu entdeckt, dass sie bald schon das Gebäude 9 in Köln komplett füllen. So einer eindrucksvollen und zugleich sympathischen Band kann man jedenfalls nur das Allerbeste wünschen.

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