Am Set von „Rock my Heart“

Pferdefreunde, die am vergangenen Sonntag auf der Galopprennbahn Köln-Weidenpesch beim „Preis von Europa“ dabei waren, dürften recht verwundert gewesen sein, als plötzlich „Honig im Kopf“-Star Dieter Hallervorden an ihnen vorbeispazierte. Denn das hier ein Film gedreht wird, wurde angekündigt – aber nicht,  wer mitspielt. bonnFM war ein Tag später hautnah dabei, bei Schauspielern, Pferden und Filmteam. Und auf die Bahn durften wir auch.

Das Motto lautet „Warten“

Die Journalisten sind da, das Pferd auch, gut. Und wo bleiben die Darsteller? Ach, die kommen gleich? Ja, die Szene muss noch in den Kasten. Da dürfen die Journalisten bei strahlendem Sonnenschein, mit Häppchen und Kaffee versorgt, gerne noch eine Weile auf der Tribüne warten. Irgendwann stehen eine Menge Leute in der Gegend rum, die eine Hälfte davon wird schließlich um das Pferd postiert, der heimliche Star des Films „Rock my heart“. In diesem geht es um die herzkranke Jana (gespielt von Lena Klenke, ihr kennt sie als nervige kleine Schwester in „Fack Ju Göthe“), die eine besondere Beziehung zu dem Rennpferd Rock my heart aufbaut, auf dem sie ein wichtiges Rennen reiten will. Trainiert und angesport wird sie dabei von Trainer Paul Brenner (mit 81 Jahren sieht Dieter Hallervorden echt noch fit aus), der nichts von Janas Krankheit weiß. Mit dabei auch Milan Peschel (zuletzt in Männertag) als ehemaliger Jockey Steckel, der jetzt im Rollstuhl sitzt und eifrig wettet. So, nach gefühlten tausend Fotos und einem unruhig werdendem Filmpferd und Hallervorden geht es zum Pressegespräch.

Das Wichtigste in Kürze

Im vom Produzenten Boris Schönfelder (Neue Schönhauser Filmproduktion) moderierten Pressegespräch erfahren wir, dass Hauptdarstellerin Lena Klenke vorher gar nichts mit Pferden zu tun hatte, aber immer etwas Neues in ihren Rollen sucht, das sie über ihre Grenzen hinaus bringt. Außerdem ist der Film umso realistischer, weil Jana, genau wie Lena, erst nach und nach Reiten lernt. Dieter Hallervorden ist jedenfalls von seiner hübschen Kollegin begeistert, schwärmte aber vor allem von Regisseur Hanno Olderdissen. „Ich bin sehr froh, dass ich mit dabei bin, weil ich einen Regisseur erlebe, der sehr genau weiß, was er will. Der auf Kleinigkeiten achtet, der sich nicht selbst produziert, sondern der qualitätsbewusst arbeitet. Wir verstehen uns sehr gut. Er ist ein sehr menschlicher Regisseur. Er gibt Anweisungen, die Sinn und Verstand haben und man sich im Nachhinein ärgert, wieso man nicht selbst darauf gekommen ist.“
Ein großes Lob vom Altstar für Olderdissen, der aufgrund seiner späteren Gewichtszunahme leider keine Rennen mehr auf den Pferden seines Vaters reiten konnte und nach einer kleinen Springreiterkarriere schließlich zum Film kam. Zusammen mit Drehbuchautor Clemente Fernandez-Gil, mit dem er schon an seinem Abschlussprojekt „Robin“, für die ifs Köln arbeitete, suchte er eine Story, die nicht nur die Hintergründe des Pferderennsports zeigen, sondern auch emotional berührt. Das große, hier in Köln nachgestellte Rennen, bildet dabei den Höhepunkt des Films.

Auf die Rennbahn fertig los

Nach der Pressekonferenz hieß es wieder warten. Nicht auf die Schauspieler, die hatten jetzt frei, sondern auf die Filmcrew. Die einen saßen beim Essen, die anderen schraubten eifrig Kameras und Monitore auf ein Auto, das später neben bis zu sechs Rennpferden herpreschte. Produzent Boris Schönfelder begleitete mich übers Set und erklärte mir die verschiedenen Aufgabenfelder beim Film, über Szenenbild, Set-Aufnahmeleiter, Kameraassistent (einer davon ist alleine nur für die Schärfe des Bildes zuständig) und seinem eigenen Job als Produzent, bei dem er neben dem Produktionsleiter vor allem für Verhandlungen zuständig ist. Dann ging es endlich los. Lenas Double raste auf einem der vier Pferde, die Rock my heart verkörpern, über die Bahn. In ein paar Sekunden war alles vorbei. Eine halbe Stunde später das ganze noch mal. Wieder warten. Dann waren es plötzlich vier, eine Stunde später dann auch sechs Pferde, von denen leider eines in der Kurve stürzte und ohne Jockey weiter lief. Ein gefährlicher Sport. Doch das Vibrieren des Bodens und das laute Pferdegetrappel macht richtig Lust auf den Film. Leider heißt es noch ein ganzes Jahr warten. Weshalb zumindest Herr Hallervorden die ganze Veranstaltung überflüssig fand. „In unserer Wirtschaftordnung macht man ja auch nicht Reklame für eine Zahnbürste, die erst in einem Jahr im Regal steht.“ Ich finde, es hat sich trotzdem gelohnt. Nicht zuletzt wegen der tollen Crew, dem schönen Wetter und den noch besseren Aufnahmen.

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