Besser als nichts, aber genug?

Von Mara Neuber

Bild: © Benjamin Klack / pixelio.de

Das Unileben ist vor allem eins: teuer. Für Studierende gibt es jetzt eine gute und eine schlechte Nachricht: Es gibt eine BAföG-Erhöhung! Allerdings erst in zwei Jahren. Ab dem Wintersemester 2016/17 sollen die Bedarfssätze um sieben Prozent erhöht werden. Das hat die Bundes- regierung jüngst beschlossen. Aber ist die Erhöhung wirklich genug?

Ab 2015 soll der Bund alleine für die BAföG-Kosten aufkommen. Diese und weitere Änderungen am BaföG bedeute für Schüler und Studierende „deutlich spürbare Verbesserungen“, die „das BAföG an ihre Lebens- und Ausbildungswirklichkeit anpassen“, teilte Bildungsministerin Johanna Wanka mit. Die Länder werden durch die Neuerung jährlich um 1,17 Milliarden Euro entlastet. Bislang hatte der Bund 65 Prozent und die Länder 35 Prozent geschultert. Zuletzt wurde das BAföG im Jahre 2010 erhöht.

Weitere Neuerungen

Auch den steigenden Mieten wird Rechnung getragen: Laut Angaben des Bildungsministeriumswird der Wohnzuschlag von 224 auf 250 Euro monatlich erhöht. Dadurch steigt die Höchstsumme von 670 auf künftig 735 Euro monatlich. Neben den Bafög-Sätzen steigen auch die Elternfreibeträge um sieben Prozent. Damit sollen sich Ausbildung und Familie besser vereinbaren lassen. Außerdem wird es Studierenden ermöglicht, dauerhaft einen Minijob auszuüben, bei dem sie bis zu 450 Euro monatlich verdienen können. Auch die Förderungslücke zwischen Bachelor- und Masterstudium wird geschlossen: Das Masterstudium wird künftig schon ab vorläufiger Zulassung gefördert und nicht erst nach Abschluss des Bachelorstudiums.

Mehr Studierende bekommen BAföG

Förderberechtigte Studierende dürfen bald über mehr eigenes Vermögen verfügen. Vorher waren es 5200 Euro, jetzt sind es 7500 Euro. Damit haben ab 2016 viel mehr junge Menschen Anspruch auf die staatliche Förderung. Allerdings hat schon der Boom von Studienanfängern im letzten Jahr die Zahl der BAföG Empfänger erhöht. Nun gibt es 630.000 Förderberechtigte – das sind so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Kritische Stimmen

Die Reaktionen auf eine zurückliegende Presse-Mitteilung der Neuerungen fallen wenig euphorisch aus. Die Opposition äußert sich kritisch zu den Bafög-Neuerungen. Für die Linken und die Grünen kam das Urteil zu spät. Außerdem sehen sie die Erhöhung als zu gering an. „Zu klein und zu spät – sofort erhöhen“ twitterte deshalb Kai Gehring, Bildungspolitiker der Grünen. Das Deutsche Studentenwerk findet die BaföG-Erhöhung gerechtfertigt, da schließlich auch die Diäten der Politiker erhöht worden sind. Die Erhöhung der Wohnpauschale wird allerdings kritisiert. „Eine Erhöhung um 26 Euro deckt vielerorts nicht ansatzweise den Bedarf“, erklärte Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks.

In den Medien ist die Meinung zur BaföG-Reform geteilt. In einem Kommentar der Stuttgarter Zeitung heißt es: „Hier gibt die große Koalition Geld für einen vernünftigen Zweck aus: Sie investiert in die Köpfe junger Menschen und damit in die Zukunft des Landes.“ Allerdings komme die Reform zu spät. Auch wenn sieben Prozent eine große Erhöhung wären, sei diese nach fünf Jahren ohne Erhöhung nicht gerade sehr viel, meint die Neue Osnabrücker Zeitung.

Ob das BAföG-Erhöhung jetzt ausreicht oder nicht, darüber lässt sich streiten – klar ist: Die Erhöhung kam zu spät. Aber besser zu spät als nie.

bonnFM-Redaktion

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