Wer wird denn gleich im Dreieck springen?

Von Philipp Lohmüller

Im Jahre 2018 droht die Kriminalität in den Ghettos von Detroit außer Kontrolle zu geraten. Die Behörden wissen sich nicht anders zu helfen, als das von Drogenbaron Tremain regierte Gebiet mit einer gewaltigen Mauer von der Millionenmetropole abzuschotten: „Brick Mansions“ ist geboren – ein Schmelztiegel, den die Polizei aufgegeben hat, in dem Kriminalität, Korruption und Gewalt regieren. Doch als Tremain an eine hochgefährliche Waffe gelangt, mit der er Detroit in Schutt und Asche legen will, sieht sich die Polizei gezwungen, Undercover-Cop Damien Collier in das Gebiet einzuschleusen, um die Stadt zu retten. Um sich in „Brick Mansions“ zurechtzufinden, holt sich Collier Unterstützung vom Ex-Sträfling Lino, der eine ganz eigene Rechnung mit Drogenbaron Tremain offen hat…

Bei „Brick Mansions“ handelt es sich um ein Remake des französischen Thrillers Banlieue 13, in dem Hauptdarsteller David Belle auch schon eine Hauptrolle verkörperte. Und in den ersten Minuten des Films wird auch klar, wieso Belle für den amerikanischen Aufguss unabdingbar war: Als Meister und Gründer der Trendsportart Parkour hüpft, springt und balanciert er durch eine Fluchtsequenz, die sich sehen lassen kann. Zwar wirkt das mehrminütige Spektakel mehr als choreografiert, kann aber durch exzellente Bilder, sowie eine wirklich gelungene und durchaus stylische Inszenierung überzeugen, die sich auch bei allen anderen Kampfszenen feststellen lässt.

Wer braucht schon eine Story, wenn man eine Rakete hat?

Allen beeindruckenden Parkour-Leistungen zum Trotz wird schnell klar, was das Problem der amerikanischen Produktion ist, denn die Geschichte, die „Brick Mansions“ zu erzählen versucht, ist eigentlich nicht viel mehr als ein dünner Rahmen für die zahlreichen Kampfsequenzen, die der Film zu bieten hat. Um die Guten mit den Bösen kämpfen lassen zu können, hat man kurzerhand eine Rakete ins Spiel gebracht, die eine Millionenmetropole auszulöschen droht. Dass der Countdown so kurzfristig gestellt wurde, dass es für eine Evakuierung von Detroit zu spät ist, versteht sich von selbst. Um den Zuschauer in eine Art Delirium zu versetzen und somit über die hanebüchene Story hinwegzutäuschen, hat man sich einen nervigen, absolut ohrenbetäubenden Soundtrack ausgesucht, der unabhängig vom Actiongehalt der Szene auf voller Lautstärke zu spielen scheint.

Die Zielgruppe im Visier

Und auch sonst strotzt „Brick Mansions“ vor Klischees und hat eine ganz klar abgesteckte Zielgruppe, was sich spätestens in einer Kampfszene zweier leicht bekleideter Damen mehr als deutlich bemerkbar macht. Warum sonst sollte bei einem Kampf auf Leben und Tod zwischendurch noch kurz Zeit dafür sein, der Kontrahentin gepflegt über ihr halbes Gesicht zu lecken? Eine ebenso unnötige, aber für das Genre der Actionfilme unabdingbare Hommage an die Zielgruppe sind die coolen Sprüche der Hauptdarsteller. Für den verstorbenen Paul Walker ist „Brick Mansions“ sein vorletzter Film, der seinem Talent leider nicht die entsprechende Bühne bietet. Es bleibt nur zu hoffen, dass seine Fans im kommenden Furious 7 gebührend von ihrem Actionliebling Abschied nehmen können.

Fazit

Die Heimkino-Variante besticht durch ein glasklares Bild mit kontrastreichen Farben und einem erstklassig abgemischten Surround-Sound. Hinsichtlich der technischen Qualität gibt es also keinen Grund zur Kritik und manche Blockbuster-Veröffentlichung könnte sich die Blu-ray zu „Brick Mansions“ sicherlich als Referenz nehmen. Für Fans des Films werden sehr informative Extras geboten, die mit über 80 Minuten auch erfreuend ausführlich ausfallen – insbesondere das Making Of bietet einen interessanten Einblick in die Produktion. „Brick Mansions“ startet mit einer beeindruckend inszenierten Parkour-Jagd über die Dächer Detroits. Im Gegensatz zu Parkour-Legende David Belle stürzt der Actionfilm leider beinahe vollständig ab, sobald die eigentliche Story erzählt wird. Insgesamt kann „Brick Mansions“ das hohe Niveau der Anfangssequenz hinsichtlich der optischen Produktionsqualität zwar halten, bietet aber leider keine ansprechenden Reize für die anderen Sinne. Wer auf gut choreografierte Actionsequenzen, coole Sprüche oder Parkour steht, dürfte bei dem Film aber vielleicht dennoch vor Freude an die Decke springen.

Alle Bilder: © Universum Film GmbH

 

Filminfos:

 

Darsteller

Paul Walker, David Belle, RZA

Regie

Camille Delamarre

Produktionsjahr

2014

Produktionsland

USA

 

 

Blu-ray:

 

Bild

2,40:1 (1080p/24)

Ton

Deutsch, Englisch (DTS-HD 5.1)

Laufzeit Hauptfilm

90 Minuten (Extended Edition: 100 Minuten)

Laufzeit Bonusmaterial

82 Minuten

Bonusmaterial

Featurettes; Making Of; Interviews; B-Roll

Veröffentlichung

21.11.2014

 

bonnFM-Redaktion

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