Blutiger Abwasch

Von Merlin van Rissenbeck

Ein bisschen Blut muss man schon sehen können, um sich „5 Zimmer Küche Sarg“ aus Neuseeland anzusehen. Dafür garantiert die Mockumentary über den Alltag einer Vampir-WG einige Lachtränen. Ein Filmteam begleitet eine Vampir-WG dabei, ihr alltägliches Leben zu meistern. Dabei erinnern die Bewohner hin und wieder an eine durchschnittliche Studenten-WG, nur mit etwas drastischeren Problemen – immerhin stehen schon mal Auseinandersetzungen mit Werwölfen auf dem Tages – äh, Nachtplan.

Bild: Kane Skennar / Weltkino Filmverleih

Zu Beginn des Films geht der gutmütige Vampir Viago durch das Haus, um seine Mitbewohner für eine WG-Sitzung zu wecken. Da Vampire bekanntlich das Tageslicht scheuen, ist der Tages-und-Nacht-Rhythmus der WG ordentlich auf den Kopf gestellt. Das älteste WG-Mitglied Petyr (8000 Jahre alt), der äußerlich verdächtig an Klassiker-Schreck-Vampire à la Nosferatu erinnert, wird vorsichtig in seinem Steinsarg im Keller geweckt. Zur Besänftigung bringt Viago ihm ein Huhn zum Verspeisen mit. Die Vampire scheitern nicht nur an der Einhaltung des Putzplans – das Geschirr ist seit fünf Jahren nicht abgespült –, sich zum Weggehen richtig schick zu machen, gelingt den Jungs auch eher weniger: Die Klamotten sind entweder seit 200 Jahren aus der Mode gekommen oder von einem Opfer geklaut und somit blutbespritzt. Hinzu kommt das Problem, dass sie sich nicht im Spiegel sehen können. Das macht das Gelingen der Weggeh-Frisur nicht leichter!

Dann tritt Nick, als hipper und frisch zum Vampir gebissener Mittzwanziger, in das Leben der etwas eingestaubten WG und bringt auch noch seinen Kumpel Stu mit. Stu ist normalsterblich, rührend unschuldig und gewinnt einen Platz in den Herzen der angeblich gefühlskalten Untoten. Die WG einigt sich gnädigerweise darauf, Stu nicht zu töten, der die Vampire in die neusten Errungenschaften der Technik einweihen kann: Dazu gehört das SMS-Schreiben, Ebay-Versteigerungen und Skypen. Jetzt gilt es nur noch, sich auf den lang ersehnten Untoten-Ball vorzubereiten. Dort wird der Zusammenhalt der WG noch einmal hart auf die Probe gestellt…

Die Neuseeländer Taika Waititi und Jemaine Clement haben sich des beliebten Genres der Vampir-Filme angenommen und sich dabei gefragt, wie zur Hölle Vampire eigentlich das gewöhnliche Leben unter Normalsterblichen über die Bühne bringen sollen. Dabei heraus kam eine Ansammlung von vielen urkomischen und originellen Szenen. Ihren schrägen Humor haben die Macher des Films unter anderem schon in der HBO-Serie „Flight of the Conchords“ bewiesen. Die deutsche Übersetzung des Titels „5 Zimmer Küche Sarg“ kann sich hier ausnahmsweise mal wirklich sehen lassen (englischer Originaltitel: „What We Do in the Shadows“). Anspielungen auf diverse Vorgänger des Genres erlaubt sich der Film selbstverständlich auch: „I’m Edward“, ruft der betrunkene Vampir Nick bei einem nächtlichen Streifzug durch die Straßen, um dann von seinen Kumpels erinnert zu werden, dass er leider nicht der heißbegehrte Twilight-Vampir ist.

„5 Zimmer Küche Sarg“ ist vor allem in der englischen Originalversion unbedingt zu empfehlen. Zu sehen gibt es das Ganze mit deutschen Untertiteln in Bonn zum Beispiel im Kino der Brotfabrik. Also: Eckzähne rein und ab ins Kino!

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