Bonn für Fortgeschrittene

Von Julia Müller

Alter Zoll, Kurfürstliches Schloss, Beethoven und dann? Abseits der Touri-Bus- und Ersti-Kneipen-Touren hat Bonn noch mehr zu bieten! Bei den folgenden fünf Highlights der Bonner Geschichte, die in keinem Stadtführer stehen, könnt Ihr euer Besser-Wissen auf die nächste Stufe bringen, ohne auf lästige Touristen-Trauben zu stoßen.

Das Bronzemodell Castra Bonnensia

Wenn es eins gibt, was man in Bonn an jeder Ecke sieht (außer Beethoven), dann sind es die Römer. Ihr Lager „Castra Bonnensia“ wurde von einer 7000 Mann starke Legion erbaut, um die Verteidigungslinie am Rhein zu stärken. Heute kann man ihre Umrisse noch immer an der Straßenführung sehen. Begrenzt wird sie im Stadtteil Castell vom Augustusring, der Graurheindorfer Straße, dem Rosenthal und natürlich dem Rhein. Etwas weiter südlich lag eine Siedlung bestehend aus Händlern und Handwerkern, die noch mal circa 3000 Menschen bewohnten. Sie befand sich dort, wo vielleicht irgendwann einmal das WCCB fertiggestellt sein wird. Ein genaues Modell des Legionslagers wurde 1989 anlässlich des 2000. Geburtstages der Stadt Bonn von der Stadtverwaltung aufgestellt. Leider übersah man einen Schreibfehler in der Legende des Modells. Wer findet ihn?

Bonn Castell, Graurheindorfer Straße 8, Koordinaten: 50.743085, 7.097756

A. Zuntz sel. Wwe

Wer einmal durch die Innenstadt geht, dem fällt sofort auf: Bonn ist eine Café-Stadt. Mitverantwortlich dafür war die Jüdin Rachel Zuntz. Als ihr Mann Amschel 1814 verstarb, blieb ihr nur der Sohn Leopold, mit dem sie einige Zeit später das Kaffee- und Kolonialwarengeschäft ihres Vaters übernahm und zu einer großen Rösterei entwickelte. Die Bonner kamen durch sie unter anderem in den Geschmack kandierten Kaffees und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Im Laufe der Jahre konnte die Rösterei Zweitsitze in Berlin, Hamburg und Antwerpen, zahlreiche Verkaufsstellen und Kaffeestuben aufbauen. Rachel, die mittweile von jedem nur noch „die Witwe“ genannt wurde, war in ihrer Rösterei immer präsent und wurde so zum Gesicht und Namen der neuen Marke. „A. Zuntz sel. Wwe“ steht nämlich für „Amschel Zuntz‘ selige Witwe“. Bis 1976 war der Bonner Sitz noch in Betrieb. Die Marke “A. Zuntz sel. Wwe” ist heute im Besitz der Firma Dallmayr. Dafür gibt es am Ort jetzt ein veganes Café.

Bonn Südstadt, Königstraße 78, Koordinaten 50.726558, 7.096546

Ernst Moritz Arndt und sein lebendes Denkmal

Ernst Moritz Arndt, deutscher Schriftsteller und Freiheitskämpfer, wurde 1769 auf Rügen geboren, doch seine Heimat fand er in Bonn. Als unsere Universität 1818 gegründet wurde, wurde er einer der ersten Geschichtsprofessoren. Nur zwei Jahre später wurde er aber, aufgrund seiner politischen Texte, wieder suspendiert. Die Bonner Bevölkerung sah ihn als Opfer staatlicher Willkür und als er 1840 rehabilitiert wurde, löste das wahre Begeisterungsstürme aus: Arndt wurde zum Rektor der Universität. Aber Arndt ist nicht nur eine wichtige Persönlichkeit der Universitätsgeschichte: Auf dem Alten Friedhof lebt eine herzerweichende Geschichte von ihm weiter. 1834 ertrank sein jüngster Sohn Wilibald im Rhein. Schwer getroffen reiste er zurück auf die Insel Rügen, die seinem Sohn immer sehr gefallen hatte. Dort packte eine Eichel ein und pflanzte sie in das Grab seines Sohnes. Diese Eiche, die nunmehr 180 Jahre alt ist, steht noch immer.

Bonn Nordstadt, Alter Friedhof, Bornheimer Straße, Koordinaten 50.735397, 7.089018

Das Doppelgrab von Oberkassel

1914 wurden bei Arbeiten im Steinbruch Rabenlay in Oberkassel die Skelette eines 50-jährigen Mannes, einer 25-jährigen Frau und eines Hundes gefunden. Der Steinbruchbesitzer informierte die Universität, die sogleich mit den Untersuchungen begann. Das vorläufige Ergebnis: 14.000 Jahre alte Knochen eines Altsteinzeit-Paares. Die Knochen des Hundes hingegen wurden anfänglich für unwichtig gehalten. Erst 1986 befasste sich Prof. Dr. Günter Nobis erneut mit den Knochen und konnte bestimmte Domestikationsmerkmale finden. Der „Haushund“ von Oberkassel wurde zum ältesten Haustier der Menschheit. Am Fundort selbst ist neben einer Gedenktafel nicht mehr viel zu sehen, doch die steinzeitlichen Knochen beschäftigen die Bonner auch weiterhin. Derzeit findet eine komplette wissenschaftliche Neuuntersuchung statt, deren Ergebnisse 2015 vom LVR-LandesMuseum Bonn präsentiert werden sollen.

Bonn Oberkassel, Am Stingenberg, Koordinaten 50.714421, 7.174386

Der Feurige Elias

Bonn ohne das lebhafte Köln und Köln ohne das beruhigende Bonn – das kann auf Dauer nicht funktionieren. Das dachten sich die Köln-Bonner Eisenbahnen auch und eröffneten 1898 die Strecke der Vorgebirgsbahn. Von Friedensplatz (damals noch Bonner Viehmarkt) bis zum Kölner Barbarossaplatz konnten die Fahrgäste in nur zwei Stunden in die Nachbarstadt fahren. Die Bevölkerung liebte diese schnelle Beförderung so sehr, dass sie der Bahn schon bald den Spitznamen „Feuriger Elias“ gab. Denn wie auch schon der Propheten Elija in einem feurigen Wagen in den Himmel fuhr, kam es den Kölnern doch sicherlich auch an manchen Tagen so vor, als würden sie in den Himmel fahren. Die Strecke existiert auch heute noch als Linie 18, die mittlerweile nicht mehr zum Bonner Friedensplatz (und schon gar nicht nach Istanbul) fährt, sondern einfach zum Hauptbahnhof. Aber mehr als nur die Strecke ist auch noch erhalten: im Restaurant Tuscolo befindet sich immer noch ein Waggon des Feurigen Elias.

Bonn Zentrum, Tuscolo Münsterblick, Gerhard-von-Are-Straße 8, Koordinaten 50.732821, 7.099584

Alle Bilder: Julia Müller / bonnFM

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