Musik = Lärm?

Von Sara Talmon und Lena Kronenbürger

Ein Mittwoch im Dezember in der Bonner Innenstadt. Es ist kalt. Auf dem Weihnachtsmarkt tummeln sich die Leute. Eine Frau kauft Glühwein und bringt ihn zwei jungen Männern, die mit Gitarren und einem Notenständer vor dem Kaufhof stehen. Die drei Freunde stoßen an und wärmen ihre kalten Hände an den Tassen. Dass ihnen eine Freundin einen Glühwein während der Arbeit vorbeibringt, ist natürlich eine Ausnahme, die allerdings die Motivation steigert.

Mit der Erlaubnis zum Spielen

JD Hunsinger und Sascha Döhmen sind Straßenmusiker. Seit anderthalb Jahren spielen die zwei ein Mal pro Woche im Bonner Zentrum. Sascha singt und spielt Gitarre, JD ist leidenschaftlicher Gitarrist. Sie sind ein eingespieltes Team und schaffen es immer wieder, Menschen vor sich zu versammeln, die so dem Weihnachtsstress für kurze Zeit entgehen können. Was die beiden am Tag verdienen, wollen sie nicht verraten, nur dass es sich bei ihnen rentiere. Aber alle Einnahmen dürfen sie nicht behalten, dafür sorgt die Stadt Bonn. Es gibt nämlich eine Spielerlaubnis, die ermöglicht, für 10 Euro ein bis zwei Mal in der Innenstadt Musik zu machen. Am Tag sind drei Musiker oder Musikgruppen zulässig, während des Weihnachtsmarkts sogar nur eine Gruppe.

Verantwortlich für die Straßenmusiker ist Herr Dietmar Kuhn von der Stadt Bonn. Jeden Bonner Straßenmusiker kennt er persönlich, denn er vergibt nicht nur die Spielerlaubnis, sondern kontrolliert sie auch regelmäßig in Begleitung des Ordnungsamtes. Und nicht nur das kontrolliert er, sondern auch die Spielzeiten, die Lautstärke, den Standplatz und die Instrumente. Sind so viele Regeln nicht Gift für die künstlerische Freiheit? Es gibt gespaltene Meinungen. Viele Straßenmusiker finden die Gebühren nicht notwendig oder zu teuer. Gitarrist JD Hunsinger sieht jedoch auch positive Aspekte in der Spielerlaubnis. So gebe es genug Platz zum Musizieren und die spielenden Musiker hätten größere Chancen, von den Passanten wahrgenommen zu werden, findet er. So sehen das auch viele Kölner Straßenmusiker, die laut Kuhn immer häufiger nach Bonn kommen, da es in Köln keine Regelung für die Anzahl der Straßenmusiker pro Tag gibt.

Mit Pauken und Trompeten?

Ob Köln oder Bonn, laut Gesetz sind Geräusche Lärm. Demnach ist Musik auch Lärm, was bedeutet, dass Straßenmusiker nicht jedes Instrument zu jeder Zeit an jedem Ort spielen dürfen. Erlaubt sind keine Trommeln sowie elektrische Instrumente und Verstärker. Deshalb sind Sascha und JD, wenn sie auf der Straße spielen, komplett auf akustische Gitarren umgestiegen. Gespielt werden darf zwischen 9 und 22 Uhr und jede halbe Stunde muss der Standplatz gewechselt werden. Deshalb müssen Straßenmusiker oft eine kleine Wanderung zurücklegen, bis sie wieder anfangen können zu spielen. Der „neue Standplatz muss sich aus der Sicht- und Hörweite des vorherigen Standplatzes befinden“, besagt die Spielerlaubnis, denn für viele Anwohner der Bonner Innenstadt ist Straßenmusik eine zusätzliche Lärmbelästigung.

Damit Musik in den Ohren der Bonner Bürger kein Lärm, sondern Musik bleibt, ermahnt das Ordnungsamt Musiker ohne Spielerlaubnis. Bei Wiederholung kann es zu Bußgeldern kommen. In der Vergangenheit kam es einmal sogar so weit, dass Musikern Instrumente für eine Weile entzogen wurden. Sascha und JD ist so etwas zum Glück bis jetzt erspart geblieben. Sie spielen weiter, Woche für Woche und schaffen es, aus Geräuschen Musik zu machen. Und so etwas brauchen wir: Musik und Rhythmus, die uns und Bonn lebendig machen.

Alle Bilder: Lena Kronenbürger / bonnFM

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