„Vertrauensvolle Zusammenarbeit“

Von Maximilan Wilshaus

Geheimdienste und Internetkonzerne als Datenkraken, Angriffe von ausländischen Hackern auf Unternehmen und Cyber Warfare. Auf dem Cyber Security Summit der Deutschen Telekom und der Münchener Sicherheitskonferenz wurden diese Themen von Politikern, Wissenschaftlern und Unternehmern diskutiert. Sie forderten strengere Regeln im Netz und mehr internationale Zusammenarbeit.

Bild: © Deutsche Telekom AG / Cyber Security Summit 2014

„Die Verunsicherung der Bürger ist nicht kleiner geworden, sondern eher größer.“ Mit dieser Aussage begrüßte der Vorsitzende der Münchener Sicherheitskonferenz, Botschafter Wolfgang Ischinger, die Teilnehmer des „Cyber Security Summit 2014“. Auch Timotheus Höttgen, Chef der in Bonn ansässigen Telekom, wies darauf hin, dass die Sicherheit von Daten und der Infrastruktur immer stärker gefährdet werde. Allein die Telekom werde täglich rund eine Million Mal angegriffen.

Datensicherheit nur durch europäische Zusammenarbeit

Die Lösung sah Höttges vor allem in einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Techniken und Strategien der „cyber defense“. Außerdem erkannte er Nachholbedarf bei der Angleichung von Datenschutzrichtlinien. So stünden den europäischen Wirtschaften riesige Wachstumschancen durch die digitale Revolution offen, doch müssten dafür erst die Datenschutzrichtlinien zwischen Europa und den USA angeglichen werden. Kritisch sah der Telekom-Chef vor allem das jetzige „Safe-Harbour-Abkommen“ mit den USA. Dadurch könnten europäische Daten nach Amerika transferiert werden, ohne dass nachzuvollziehen sei, wofür diese dort gebraucht würden.

Brigitte Zypries als Vertreterin des Wirtschaftsministeriums verdeutlichte, dass der Schwerpunkt der Arbeit zur Zeit vor allem auf dem Schutz des Mittelstandes liege. Da mittlerweile so gut wie jedes Gerät internetfähig sei, würde natürlich auch das Risiko steigen, über enthaltene Schwachstellen aus dem Netz infiltriert zu werden. Insbesondere mittelständische Firmen legten in dieser Hinsicht zu wenig Wert auf Absicherung.

Netzpolitik als Sicherheitspolitik

Für die Netzaktivisten warb Andy-Müller Maguhn, ehemaliger Sprecher des Chaos Computer Clubs, eindringlich dafür, amerikanischen Firmen zurzeit genauso wenig zu vertrauen wie der NSA. Gerade in den USA betrachte man IT-Sicherheit als macht- und wirtschaftspolitische Sicherheit des Staates. Seiner Meinung nach bestehe heute keinerlei (effektiver) Schutz im Internet. Daher sei es unerlässlich, immer weiter an Verschlüsselungsmethoden zu forschen.

Elmar Theveßen, stellvertrender Chefredakteur des ZDF, ging sogar soweit, dass die NSA und die CIA den USA nicht helfen würden, sondern deren Arbeit das genaue Gegenteil bewirkten: Sogenannte „backdoors“, also Hintertürchen, die sich die Geheimdienste in Software programmieren lassen, um Zugriff auf die Geräte zu bekommen, würden die globalen Sicherheitsstandards unterminieren, was zu einem Vertrauensverlust führe. Somit sei weder der globalen, noch der US-Sicherheit gedient. Ähnlicher Meinung war auch Ben Wizner, amerikanischer Freiheitsrechtler und Anwalt Edward Snowdens. In den beschriebenen Backdoors sehe er allerdings nicht nur eine Gefahr für die allgemeine Sicherheit, sondern auch eine Gefahr für eine freie Gesellschaft und die Demokratie.

Cyber Warfare

Schnell wurde klar, dass das Internet mittlerweile auch zum Kriegsschauplatz geworden ist. Einigkeit herrschte darüber, dass man auf diese neue Bedrohung der „hybriden Kriegsführung“, bei der im Internet rekrutiert, angeworben und eingeschüchtert wird, reagieren müsse. Der Europaabgeordnete Elmar Brok kritisierte, dass man zurzeit allerdings nicht einmal eine gemeinsame Definition darüber habe, was „Cyber Warfare“ ausmache. Für Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg fehlt außerdem eine Institution, die im Krieg um das Internet selbst agieren könne, anstatt nur auf neue Bedrohungen zu reagieren. Der Auftrag der NATO sei die Verteidigung, somit müsse eine neue internationale Struktur geschaffen werden, die auch die größten und wichtigsten „Player“ der digitalen Welt einbinde. Gemeint sind damit vor allem China und Indien.

Konsens bei den Teilnehmern bestand auch darin, dass ein internationales Abkommen, welches grundlegende Menschen- und Datenschutzrechte im Internet garantiert, wünschenswert sei. Nur müssten an einem solchen Vertrag auch private Akteure beteiligt sein, um sich über ein grundlegendes Rechte-Mininum zu verständigen und abschließend eine durchsetzungsfähige Kontrollinstanz zu schaffen.

All dies erscheint zum heutigen Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich. Guttenberg wies allerdings darauf hin, dass, auch wenn der Prozess noch Jahrzehnte dauern würde, es kein Grund dafür sei, den Versuch nicht zu unternehmen.

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