Hochkarätiges Glitzerfest mit Prioritätenproblem – das LollaBerlin

Das Lollapalooza hat an diesem Wochenende Zehntausende nach Berlin gelockt. Glitzer, Bier und tolle Acts machten das Wochenende im Olympiapark zu einem tollen Festivalerlebnis, allerdings gab es ein zentrales Problem. 

„Hellooooo Lollapalooooooozaaaaaa! Do you have a good time?“ ruft Imagine Dragons-Sänger Dan Reynolds in die Menge. Er ist einer von zahlreichen Musikern, die diesen Satz in den letzten Monaten in Chicago, Santiago, Buenos Aires und Paris gerufen haben, nächstes Jahr werde noch mindestens zwei weitere Städte hinzukommen. Das Lollapalooza wird immer beliebter – und wer am Wochenende im Olympiapark in Berlin mit rund 70 000 Festivalbesuchern gefeiert hat, weiß warum. 

Hochkarätiges und bunt gemischtes Line-Up

Erwachsene und Kinder, Besucher aus Deutschland und der ganzen Welt tanzen mit Glitzer im Gesicht und Bier oder Cocktail in der Hand im sonnenvertrockneten Gras, Seifenblasen fliegen durch die Luft und die Sonne strahlt vom Himmel – das Lollapalooza Berlin war das perfekte Ziel zum Abschalten, Tanzen, Chillen, einfach für ein großartiges Wochenende. Und auch für die Kulisse der Instagram-Fotojäger haben sich die Veranstalter dieses Mal etwas Besonderes ausgedacht: Im Olympiapark in Berlin schufen die geschichtsträchtigen Olympischen Ringe, Flaggen im Wind und Sandsteinstatuen den perfekten Hintergrund für ein glitzerndes Sonnenuntergangsselfie. Die passende Soundunterlage zum Entspannen oder die perfekten Bässe zum Springen und Tanzen – musiktechnisch war alles dabei beim LollaBerlin: Deutsche Künstler wie Freundeskreis, Trettman, Rin, Raf Camora & Bonez MC oder Casper mit Überraschungsgast Marteria reichten internationalen Größen wie Dua Lipa, The Weekend, Liam Gallagher und Rack’n’Bone Man das Mikro, die Rockband Imagine Dragons war neben DJ David Guetta und Kygo nur einer der zahlreichen Höhepunkte des Festivals. Nebenan auf den kleineren Bühnen gab es Lesungen und Acousticsessions im Weingarten, anderswo hatte ein Sponsor einen ganzen Jahrmarkt aufgebaut, auf dem Flohmarkt konnte man Kleidung nach Gewicht bezahlen, sich ein paar Meter weiter umstylen oder professionell fotografieren lassen oder alternativ vom Riesenrad oder einer großen freistehenden Tribüne die zwei der drei Hauptbühnen überblicken. 

Alte Fehler behoben 

Die gute Organisation zahlte sich aus: „Ich bin total entspannt, man kann super einfach überall bezahlen, es gibt verschiedene Bereiche, in denen man verschiedene Dinge machen und sehen kann und ich kann mich bisher über nichts beschweren“, sagt Annika aus Aachen, die mit ihrem Freund angereist ist. Sie schlafen in einem Hostel in der Stadt, denn anders als bei den meisten anderen Festivals hat das Lollapalooza kein Camping. „Für uns aber perfekt“, sagt er. Die Anbindung ist super, man kommt hier schnell weg und es ist viel wert, duschen und in einem richtigen Bett schlafen zu können.“ In Sachen Anbindung hat das Lollapalooza seit dem letzten Jahr tatsächlich viel verändert: In den drei Jahren, in denen das Festival nun in drei verschiedenen Locations stattfand, ist das in diesem Jahr wohl am besten gelungen. Allein aufgrund der katastrophalen Anbindungssituation im vergangenen Jahr waren viele Besucher des Lolla2017 in diesem Jahr nicht mehr gekommen. Doch die Veranstalter scheinen aus ihren Fehlern gelernt zu haben: Durch die grundsätzlich gute Anbindung des Olympiastadions mit vielen S- und U-Bahn-Gleisen konnten zehntausende Festivalbesucher bequem zurück in die Stadt gebracht werden. 

Enttäuschung durch neue Fehlplanung

Stattdessen gab es einen anderen sehr großen Kritikpunkt, der die freudigen Erwartungen einiger Fans wohl brutal enttäuschte: Beide internationalen Schlussacts, sowohl David Guetta als auch Kygo, traten auf der „Perry’s Stage“ auf, nicht etwa auf einer der Hauptbühnen – und diese Perry’s Stage war im Olympiastadion und hatte damit nur begrenzt Stehplätze. Schon am Samstagabend sind viele Fans enttäuscht: „Ich war schon immer ein großer David Guetta-Fan und bin wirklich traurig”, sagt Hannah aus München, die extra nach Berlin angereist ist. „Es ist ein Unding, für ein Festival mit so großen Acts zu werben und dann nur der Hälfte der Fans zu ermöglichen, den Künstler auch wirklich zu sehen.“ Wie viele andere enttäuschte Fans steht sie jetzt vor den Gittern, durch die man normalerweise in die jetzt unzugänglichen Sitzbereiche des Stadions kommt, und versucht auf Zehenspitzen, einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Der Grund für diese seltsame Organisation, beide Hauptacts trotz zweier riesiger Hauptbühnen im Außenbereich „in die Schüssel“ zu legen, erschließt sich langsam: Durch einen Seiteneingang kommen Besucher mit lila Festivalbändchen in einen VIP-Bereich auf der Stadiontribüne. Es sind wohl diese Besucher, denen für ihren hohen Ticketpreis exklusiven Zugang zu den Hauptacts ermöglicht werden soll. Für die Festivalbesucher empörend: „Wir sollten die Künstler ebenso sehen können, das kann man so einfach nicht machen“, sagt Hannah. Auch bei Kygo am Sonntagabend ist das Problem wieder da: Schon eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn sitzen Kygo-Fans auf dem Boden des Olympiastadions, verpassen dafür das Imagine Dragons-Konzert. Hunderte Besucher, die nicht frühzeitig kommen, schaffen es nicht mehr ins Stadion. 

Fazit: Location halten, Prioritäten ändern!

Obwohl diese Fehlplanung für einige Besucher ein ernüchterndes Ende bedeutete, war die Stimmung letztendlich positiv. Sowohl die Auswahl der Künstler, als auch die unkomplizierte Bezahlungsmethode per Chipkarte, Anbindung und Auswahl der Festivallocation waren gut geplant und durchgeführt. „Es ist ein großartiges Festival“, sagt Mike aus Berlin. „Obwohl alles ziemlich teuer ist, weil es natürlich ein sehr kommerzielles Festival ist, haben wir eine tolle Zeit, es sind viele Menschen auf der ganzen Welt da, es ist eine tolle Stimmung.“ 

Tatsächlich ist das Lollapalooza kein kostengünstiger Spaß und wie im letzten Jahr ist wieder eine große Fehlplanung passiert. Dennoch: Das Lollapalooza Berlin war ein tolles und gut organisiertes Festival mit einem vielseitigen und hochkarätigen Line-Up und zufriedenen Besuchern. Wenn die Veranstalter im nächsten Jahr hoffentlich nochmal dieselbe Location auswählen, könnten sie einen Gedanken mehr an die Fans und einen Gedanken weniger an die VIPs verschwenden, damit alle dieselben Chancen auf einen tolles Wochenende haben. bonnFM wird bestimmt wieder dabei sein, wenn Zehntausende glitzernd nach Berlin strömen, um mit Bier und Seifenblasen im Gras sitzen und es heißt: „Hellooo Lollapalooooza!“