Der bonnFM-Festivalsommer: Rock am Ring

Das Traditionsfestival Rock am Ring hat vom 5. bis 7. Juni sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Veranstaltungsort war nicht wie gewohnt der Nürburgring, sondern der Flugplatz des beschaulichen Eifelörtchens Mendig. BonnFM war vor Ort und hat sich das neue Rock am Ring angeschaut.

Man war sich nicht so ganz einig. Weder unter den Fans noch wir in der Redaktion. 29 Jahre lang war der Nürburgring Namensgeber und Zuhause von Rock am Ring und ausgerechnet zum 30. Geburtstag zog Veranstalter Marek Lieberberg mit seinem Festival nach Mendig. Nicht ganz freiwillig natürlich und doch drängt sich die Frage auf: Kann Mendig mit dem Nürburgring mithalten?

Die kurze Version: Ja.

Die längere Version: Ja, aber es gibt noch einige verbesserungswürdige Punkte.

Dank des Internets kann jeder immer und überall Kritik äußern und das taten die Besucher dann auch, vor allem auf Facebook. Schon vor Festivalbeginn war man verärgert: Die Laufwege vom Auto zum Campingplatz waren mit drei, vier Kilometern zu lang. War man endlich angekommen, fand man schon am Mittwochabend keinen Platz mehr, manche Besucher wurden von den Ordnern herumgescheucht und mussten ihre Zelte teilweise mehrfach ab- und wieder aufbauen, bis sie an einem akzeptablen Ort standen. Fünf Quadratmeter pro Besucher hatte der Veranstalter eingerechnet – eine Rechnung, die nicht ganz aufging.

Vorbildlicher Umgang mit Kritik

Ebenfalls dank des Internets kann solche Kritik nicht mehr ignoriert werden. Das wollte Marek Lieberberg nach eigener Aussage aber auch nicht. Das Problem des Platzmangels konnte schnell behoben werden, indem angrenzende Felder gemäht und zu zusätzlichem Campinggelände umgebaut wurden. (Das Campinggelände grenzt jetzt übrigens unmittelbar an das Festivalgelände an, wodurch die Laufwege (zumindest für Besucher, die nicht im hinteren Teil zelten) kürzer geworden sind.) André Lieberberg betonte, dass solche Kritik durchaus erwünscht sei. Nur so könne man sich verbessern. Und so zog Lieberberg Senior an allen Tagen durch das Festival- und Campinggelände, immer auf der Suche nach dem Gespräch mit den Besuchern. Auf Aussagen wie „Marek, hier fehlt ein Scheißhaus“ reagierte er mit der prompten Installation ebendieser. Eines kann man den Lieberbergs nicht vorwerfen: Dass ihnen die Meinung der Fans egal wäre.

Insgesamt scheint es, dass der Veranstalter den Ansturm auf das Gelände ein wenig unterschätzt hat. Viel gemeckert wurde zum Beispiel über die Toiletten: Zu wenige habe es gegeben und die vorhandenen waren oft nicht benutzbar. Kein Wunder, haben wir es hier doch mit einem völlig neuen Gelände zu tun, noch dazu einem Flugplatz. Vieles in der Infrastruktur, etwa ein Wasser- und Abwassersystem, waren nicht vorhanden und mussten erst entworfen und installiert werden. Die Toiletten und Wasserstationen befanden sich deswegen nur am Rand des Geländes, nicht in der Mitte – anscheinend kam diese Information bei vielen Besuchern aber nicht an.

Musik: Nichts zu meckern

Musikalisch gesehen präsentierte sich das Festival von seiner besten Seite. Die beiden Hauptbühnen stehen nun parallel zueinander, der Weg von einer zur anderen ist damit unglaublich kurz geworden. Die Akustik kann sich sehen lassen: Dank der Soundsysteme, der Positionierung der Bühnen und der Beschaffenheit des Geländes, kann der der Besucher einwandfreien Sound genießen, egal wo er steht. Die Alternastage wurde zum Alternatent, das circa 12.000 Leuten Platz bietet. Obwohl es direkt gegenüber einer des Mainstages steht, stört der Sound von dort nicht. Ebenfalls neu ist das Club Tent, in demFeierwütige die ganze Nacht lang zu Elektro und House tanzen können.

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Foto: Katharina Weber / bonnFM

Das Line Up bezeichneten manche Besucher als das beste seit Jahren. Nicht nur der Programmverantwortliche André Liebergberg war restlos begeistert, dass er die Foo Fighters als Headliner engagieren konnten. Kaum zu glauben, aber es war der erste Auftritt der 20 Jahre alten Band bei Rock am Ring überhaupt. Auch die restlichen Headliner, Die Toten Hosen, The Prodigy und Slipknot ließen keinen Fan unglücklich zurück. Das Nachmittagsprogramm zierten mit den Bands wie den Beatsteaks, Kraftklub, In Flames, Papa Roach und Rise Against teilweise kaum weniger berühmte Namen. Hip Hop-Acts wie Trailerpark, Prinz Pi und K.I.Z. waren überaus gut besucht und bestätigten, dass Rock am Ring längst nicht mehr nur ein reines Rock-Festival ist.

Wie geht es weiter?

„Hoffentlich nächstes Jahr wieder am Nürburgring“, erzählte uns ein enttäuschter Fan am Wochenende. Damit steht er allerdings ziemlich allein da. Wir haben vor Ort mit einigen Neulingen und Veteranen gesprochen, viele von ihnen äußerten sich positiv über den neuen Standort. Für die nächsten vier Jahre steht der Fahrplan ohnehin fest. So lange läuft nämlich der Vertrag mit dem Pächter des Flugplatzes und so lange wird Rock am Ring in Mendig bleiben. Selbst danach ist ein Rückumzug fraglich. In Mendig fühlte sich das Produktionsteam wesentlich willkommener als zuletzt am Ring, so Marek Lieberberg. Bürgermeister Hans Peter Ammel schwärmte mit leuchtenden Augen vom Festival und Bezirksbürgermeister Jörg Lempertz freute sich über den Spitznamen „Rock City von Deutschland“. Auch finanziell spricht alles für Mendig: Das erste Jahr war, wie zu erwarten, ein Verlustgeschäft. Damit sich der Aufwand lohnt, muss man dort weitermachen.

Wir sind der Meinung, dass der Festivalablauf, so chaotisch er manchen erschienen ist, für die Premiere an einem völlig fremden Spielort mehr als passabel war. Sollte der Veranstalter die kritisierten Punkte wie versprochen ausbessern, könnte die Zukunft für Rock am Ring genauso glorreich aussehen wie seine Vergangenheit. Für alte Hasen wie uns, die den Nürburgring noch in guter Erinnerung haben, bleibt nach der Premiere ein seltsamer Beigeschmack. Aber noch ein paar legendäre Auftritte wie der der Foo Fighters und wir werden ihn sicherlich mit einem Schluck Bier für immer hinunterspülen. Wie echte Festivalgänger eben.

Katharina Weber

Ehemalige Chefredakteurin Nachrichten und Wort, Moderatorin, Campusradio-Methusalem und Baskets-Enthusiastin.