Domo arigato, Mrs. Roboto

Hochspannung in Alex Garlands “Ex Machina”

Von Amman Mohammed

Rund 200 Jahre ist es bald her, dass Mary Shelley anonym ihren nunmehr weltbekannten Roman „Frankenstein“ veröffentlichten ließ. Die Faszination, die von jenem Gedanken ausgeht, künstliches Leben zu erschaffen, ist seither offenbar ungebrochen. Auch Alex Garland, der sich erstmals auf den Regiestuhl wagt, widmet sich mit „Ex Machina“ nämlich der guten, alten KI. Hierzulande ist der Science-Ficition-Thriller seit dem 23. April 2015 zu bestaunen – bonnFM verrät, ob sich die Kinokarte lohnt.

Die Reise ins Uncanny Valley

Eine ganze Woche mit einem genialen wie exzentrischen Wissenschaftler verbringen – was sich für den einen oder anderen Studenten nach einem herkömmlichen Blockseminar anhört, ist für den 26-jährigen Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) ein Traum, der wahr wird. Dank eines firmeninternen Gewinnspiels darf dieser den abgelegen in den Bergen lebenden Konzernchef Nathan (Oscar Isaac) in seinem hochmodernen Anwesen besuchen, um auch gleich an seinem neuesten und streng geheimen Projekt mit zu forschen. Hierbei handelt es sich um Ava (Alicia Vikander), einen weiblichen Roboter. Der junge Informatiker erhält die einmalige Gelegenheit, die Humanoidin einem sogenannten Turing-Test zu unterziehen, der ihre künstliche Intelligenz auf die Probe stellen soll. Die zunächst generisch anmutenden Gespräche zwischen Mensch und Maschine erhalten jedoch eine zunehmend beunruhigende Note. Caleb muss in Betracht ziehen, dass Nathan mehr im Schilde führt, als er vorgibt.

Le trio infernal

Wer es als Autor gleich drei Mal schafft, den großen Danny Boyle („The Beach“, „28 Days Later“, „Sunshine“) dazu zu bringen, sein Drehbuch zu verfilmen, wird sein Handwerk beherrschen – spätestens nach „Ex Machina“ sollte Alex Garland jedoch auch dem großen Publikum ein Begriff sein. In einem durchweg sterilen Setting spinnt der frischgebackene Regisseur nämlich ein Handlungsnetz, das von der ersten Minute an für Spannung sorgt. Das Misstrauen zwischen den drei Protagonisten Caleb, Nathan und Ava entpuppt sich als die Konstante des klaustrophobischen Psychothrillers, der nicht zuletzt durch das brillante Schauspiel von Oscar Isaac getragen wird. So mag es auch zu keinem Zeitpunkt irritieren, wenn schlüpfrige Fragen philosophische Diskurse unterbrechen und brenzlige Situationen in lockeren Tanzeinlagen münden.

Fazit

Mit der modernen Pinocchio-Adaption „A.I. – Künstlice Intelligenz“ erkundete Spielberg bereits zu Beginn des Jahrtausends die Interaktion eines Androiden mit seiner menschlichen Umwelt. Irgendwo zwischen „I, Robot“, „Ghost in the Shell“ und „Her“ widmet sich auch Garland dem genretypischen Motiv, dem er in seinem gelungenen Erstlingswerk einen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Neben diversen Genderfragen, die „Ex Machina“ aufwirft, sind es so nämlich vor allem Big Data und Big Brother, die als die omnipotenten Feinde präsentiert werden. Durch ein erstaunlich geringes Budget finanziert, bietet der dialogreiche Film wesentlich mehr Science als Ficition, um den Zuschauer mit dem beklemmenden Wissen zurückzulassen, dass jenes Szenario schon bald Realität sein könnte.

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