Ein hartes Stück Arbeit

Autor: Kevin Scheuren

Foto: Sebastian Derix

Es war ein ganz hartes Stück Arbeit für die Telekom Baskets Bonn, aber am Ende setzte sich die Routine der Baskets durch. 83:77 hieß es am Ende der vier Viertel bei den Walter Tigers Tübingen. Dennoch offenbarte das Spiel auch wieder einige Schwächen des Teams von Headcoach Mathias Fischer, die sich insbesondere in der ersten Halbzeit von keiner guten Seite zeigten. 

Halbzeit Eins – Zum Vergessen

Es war dem Team klar anzusehen, dass die Vorbereitung nicht einfach war, viele wichtige Spieler in der Vorbereitung gefehlt haben. Die Tübinger kamen insgesamt besser in die Partie, liefen den Bonnern im ersten Viertel davon mit einem 6:0-Lauf in den ersten drei Minuten. Erst Benas Veikalas setzte dem Treiben ein Ende und machte die ersten Bonner Punkte nach etwas unter drei Minuten Spielzeit. In der Folge aber weiter die Tübinger am Drücker, die die Baskets immer auf etwa fünf Punkte Abstand hielten. Coach Fischer veränderte die Starting Five zu Beginn der Partie auf zwei Positionen. Brooks kam für den verletzten Mangold zum Einsatz und Tadas Klimavicius war nach überstandenen Adduktoren-Problemen bei seinem BBL-Debüt mit von der Partie. Aber eben der Neuling Klimavicius offenbarte Schwächen in der Rückwärtsbewegung, was aber auch einfach daran lag, dass er in der Vorbereitung lange fehlte. Bei den Tübingern spielte sich im ersten Durchgang vor allem Bogdan Radovsavljevic in den Fokus, der die Bonner ordentlich unter Druck setzte. Zum Ende des ersten Viertels behielten die Walter Tigers ihren Fünf-Punkte-Vorsprung und es ging mit einem 18:23 aus Bonner Sicht in die Viertelpause.

Coach Fischers Viertelpausen-Ansprache zeigte Wirkung, die Baskets fanden immer besser ins Spiel und setzten jetzt auch mehr Nadelstiche gegen die drückende und aggressive Offensive der Tübinger. Allerdings waren es weiter die Hausherren, die das Spiel in der Hand hielten. Julian Albus zimmerte den Ball nach kurzer Spielzeit per Dreier durch die Bonner Reuse (18:26, 11.). Als wahre Lebensversicherung der Telekom Baskets kristallisierte sich immer mehr ein Mann heraus – Ryan Brooks. Mit unnachahmlichen Offensivaktionen und sicherem Wurfverhalten brachte er die Baskets immer wieder in die Partie und verhalf zudem damit, dass der Vorsprung der Tübinger im Laufe des zweiten Viertels schrumpfte. Für die erste Führung der Baskets im Spiel sorgte aber der neue Litauer, Tadas Klimavicius, der von Mickey McConnell in Szene gesetzt wurde und zum 31:30 aus Sicht der Bonner einwarf (15.). Die Baskets hatten aber – wie schon in der letzten Saison – immer wieder mit Problemen bei den Rebounds zu kämpfen, defensiv und offensiv. Ebenso fehlte hier und da das nötige Quäntchen Glück im Abschluss, was die Tübinger hatten und dementsprechend mit einer knappen 42:41-Führung in die Halbzeit gingen.

Halbzeit Zwei – Die Routine setzt sich durch!

Die zweite Halbzeit war dann für das Team von Coach Fischer um Einiges angenehmer. Der Pausentee schmeckte wohl und Andrej Mangold sprach im Telekom Basketball-Halbzeitgespräch das offen an, was die Baskets besser machen müssten, um die zwei Punkte aus Tübingen mitzunehmen. Aggressiver zu Werke gehen, früher stören und dann auch punkten und das taten sie im dritten Viertel schon viel besser. Mit einem Mann hatten die Baskets aber ihre liebe Mühe. Tübingens „Alt“-Star Aleksandar Nadjfeji bekamen sie einfach nicht in den Griff. Er schnappte sich hüben wie drüben die Rebounds, setzte die Punkte und hielt sein Team mit kampfbetonten Spiel in der Partie. Zur Hälfte des dritten Viertels aber baute Spielmacher Eugene Lawrence die Baskets-Führung durch einen erfolgreichen und sehenswerten Dreier auf vier Punkte aus (55:51, 25.), die Tübinger ließen aber nie locker und bescherten den Baskets Kopfzerbrechen. Das ging dann sogar so weit, dass die Bonner mit einem Rückstand in das Schlussviertel gehen mussten, da Anatoly Kashirov kurz vor dem Buzzer zwei Freiwürfe eiskalt versenkte. Vor dem letzten und entscheidenden Viertel stand es aus Sicht der Bonner 59:61.

Und es war wirklich ein fulminantes und offenes letztes Viertel, das sich beide Mannschaften lieferten. Beide wollten den Sieg unbedingt und warfen nochmal alles rein, was sie zu bieten hatten. Die Tübinger machten mit einem Dreier von Jonathan Wallace den Anfang, die Baskets zogen nach mit einem Nahdistanz- und zwei Freiwurferfolgen durch Tadas Klimavicius (65:68, 32.). In der 34. Spielminute brachte dann ebenfalls ein Neuzugang die Bonner wieder in Front. Der US-Amerikaner Angelo Coloiaro schraubte den Vorsprung der Baskets mit einem Dreier auf 70:68 hoch,die Tübinger glichen aber sofort wieder aus. Das ging dann auch eine ganze Weile so weiter, 90 Sekunden vor dem Ende stand es 75:75. In den letzten Sekunden wurde es dann nochmal richtig hitzig, aber die Baskets behielten einen kühlen Kopf und schaukelten den Sieg über die Distanz. Angelo Coloiaro sicherte mit seinem selbst geholten Offensivrebound nach einem verworfenen Freiwurf den 83:77-Sieg der Telekom Baskets Bonn in Tübingen. Bester Werfer der Bonner war Ryan Brooks mit 15 Punkten.

Und nun?

Es war kein unverdienter Sieg der Baskets, die am Ende durch ihre Routine und Kaltschnäuzigkeit gewinnen konnten. Was bleibt sind aber auch einige Fragezeichen. War Tadas Klimavicius schon zu 100% fit, als er von Coach Fischer eingesetzt wurde? Andrej Mangold bejahte die Frage bei Telekom Basketball genauso wie der Coach, deshalb wird das wohl so sein. Es wird aber noch viel Zeit brauchen, bis der große Litauer seinen Weg in die BBL gefunden hat. Ebenso die anderen Neuzugänge wie Angelo Coloiaro oder Mickey McConnell, die beide gute Ansätze zeigten, aber immer noch einige Zeit benötigen, bis sie die Spielphilosophie von Mathias Fischer verinnerlicht haben. Es wird ein steiniger Weg, den die Telekom Baskets gehen müssen, aber dass man mit viel Willenskraft und Kampfgeist das schwierige Spiel in Tübingen gewinnen konnte zeigt, dass der Weg erklommen werden kann. Gegen ALBA Berlin am kommenden Freitag gibt’s dann den ersten Härtetest vor heimischer Kulisse. Die Berliner spielen unter der Woche gegen die San Antonio Spurs. Es könnte ja durchaus sein, dass einige Berliner durch dieses Erlebnis noch so beeindruckt sind, dass die Bonner durch den gleichen Kampf und eine eindrucksvolle Kulisse im Telekom Dome das Prestigeduell für sich entscheiden können. Tipoff ist am Freitag, den 10.10. um 20 Uhr im Telekom Dome, Karten gibt es noch an allen bekannten Vorverkaufsstellen! 

 

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