Eines bleibt: die Liebe!

Von Merlin Van Rissenbeck

Bild: © Dauertheatersendung
 
Julia: „Fast Morgen. Ach, ich wollt, du wärest weg. Doch weiter nicht geflogen als im Spiel das Kind den Vogel fliegen läßt im Raum. Frei und doch nicht. Gefangen immer noch.“
Romeo: „Dein Vogel will ich sein.“


William Shakespeares Theaterstück “Romeo und Julia” gab es am vergangenen Wochenende im Kult 41 zu sehen, inszeniert von dem noch jungen Projekt Dauertheatersendung. Jung im doppelten Sinne: Das Projekt gibt es seit zwei Jahren und die Mitwirkenden sind überwiegend Studenten. Zusammen haben sie eine Inszenierung auf die Beine gestellt, die sich mehr als sehen lassen kann.

Liebestaumel bis Verzweiflung

Romeo und Julia – Die meisten kennen die Story, man hat sie meist schon mal irgendwo gesehen, und sei es nur in Baz Luhrmanns genialer Verfilmung aus den 90er-Jahren. Aber dann ist man doch überrascht von den Verstrickungen der Geschichte, den zahlreichen, unterschiedlichen Figuren, und vor allem: von den ganz großen Gefühlen, um die es geht. Hier liegen Trauer und Freude hautnah beieinander. Der Liebestaumel kippt nur allzu schnell in Wut und Verzweiflung um. Das kann schnell pathetisch und peinlich wirken. Aber den Schauspielern der Dauertheatersendung gelingen diese Umbrüche sehr überzeugend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass jede Rolle hervorragend besetzt ist.

Wer spielt?

Da ist zunächst einmal Romeo, der alte Träumer und Romantiker, gespielt von Luis Padberg. Letzterer hangelt in der berühmten Balkonszene liebestrunken am Geländer und hat dabei nur eines im Sinn: seine geliebte Julia zu erreichen. Maria Gädeke spielt die zarte Julia zum Verlieben, die mit einem Mal gar nicht mehr so zart wirkt, wenn sie sich vor Verzweiflung die Seele aus dem Leib brüllt und, wie bekannt, gleich zweimal stirbt – einmal nur scheinbar durch den Täuschungstrank des Mönchs und einmal endgültig durch den eigenen Dolch. Publikumsliebling ist auch die Rolle der Amme. Judith Ponwitz zeigt diese nicht als altes „Welkfleisch“, sondern spielt mit vollem Körpereinsatz, verrucht, daueralkoholisiert und schrill. Die Liste kann so nahtlos weitergeführt werden: Stefan Weicht als cholerischer Sir Capulet, Muna Zubedi als streitlustiger Tybalt, Jörg Schneider als fadenziehender Mönch Lorenzo, Thomas Liessem als weinerlicher Benvolio – alle Schauspieler überzeugen erstklassig.
Während es in der zweiten Hälfte des Stücks zunehmend dramatischer wird, glänzt die erste Hälfte mit komischen Szenen. Johannes Neubert spielt den großmäuligen Mercutio mit derber Sprache, die auch oder vielleicht gerade heute Gesichter im Publikum erröten lässt. Schön sind auch die originellen Anspielungen des 21. Jahrhunderts: So trinkt Benvolio am Morgen nach der Party einen Coffee to go, um seinen Kater zu bekämpfen, und die Capulets machen noch schnell ein Smartphone-Bild des verwundeten Mercutios, der auf der Straße liegt.

Das Drumherum

Auch das Drumherum stimmt. Das Bühnenbild ist sparsam, aber effektiv. Der regelmäßige Szenenumbau wird charmant durch Birte Wolff und Nadine Matern in weißen Engelskostümen gelöst. Die Handgriffe sitzen, jeder weiß, was er tut, das merkt das Publikum auch daran, dass der nicht immer einfache Text in der Übersetzung von Thomas Brasch perfekt beherrscht wird.
Neben den Schauspielern ist diese Professionalität auf die Regisseure Xenija Zoller und Tobias Gülich zurückzuführen. Sie haben Dauertheatersendung ins Leben gerufen. “Romeo und Julia” ist nach “Elektra” im vorherigen Jahr das zweite Projekt. Insgesamt 21 Schauspielerinnen und Schauspieler stehen für diese Inszenierung auf der Bühne, von denen sich jeder einem Casting unterzogen hat. Das Ergebnis ist eine hochmotivierte Truppe und ein gut dreistündiges Sprach-, und Gefühlserlebnis.

Wer die Chance ergreifen möchte: Am Freitag, den 06., und am Samstag, den 07. Februar, gibt es weitere Aufführungen um 20 Uhr im Kult 41, Hochstadenring 41, Bonn.

bonnFM-Redaktion

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