Viel Lärm um Nichts?

von Thomas Frerix

Foto: Thomas Frerix

Aktuell dürfen die Bonner Studenten wieder an die Urne. Die Wahl zum Studierendenparlament und zu den Gremien läuft bereits. In der vergangenen Woche fand die Elefantenrunde der Hochschulgruppen statt, bei der die Spitzenkandidaten ihre Positionen und Themen vorgestellt und diskutiert haben.

Rund 13 Prozent Wahlbeteiligung – mit dieser unangenehmen Zahl müssen sich die Verantwortlichen der Bonner Hochschulpolitik seit letztem Jahr konfrontieren. Die Studierenden zeigen offenbar kein großes Interesse daran, was im Studierendenparlament und im ASTA geschieht. So stellte auch Moderator Kevin Scheuren bei der Elefantenrunde die Frage, wie es dazu kommen kann – die Kandidaten der verschiedenen Hochschulgruppen hatten keine rechte Antwort. Studenten seien heutzutage nun mal angepasst, eine Debatte, die aktuell ja sowieso geführt wird. Politische Themen seien nicht interessant für Studenten. Außerdem hat ja seit der Bolognareform auch niemand mehr Zeit für Hochschulpolitik. Wer die Elefantenrunde erlebt hat, sieht aber vermutlich auch ganz andere Gründe, die Bonner Studenten an der Hochschulpolitik zweifeln lassen.

“Alles Kindergarten“

Angetreten waren am vergangenen Mittwoch Jana Klein von der LUST, Lillian Bäcker von der JUSO HSG, Ronny Bittner von der Piraten HSG, Luc Kerren vom RCDS und Florian Even von der LHG. Die Grüne Hochschulgruppe, eigentlich meist stärkste Kraft im Studierendenparlament, war zuvor ausgeschieden. Die Wahlunterlagen waren wohl mit knapper Verspätung eingegangen, ein Missstand gegen den der RCDS letztlich Einspruch erhoben hat. Bereits im Vorfeld wirft dies ein fragwürdiges Licht auf Arbeitsweise und Diskussionskultur beider Hochschulgruppen. Interessierte Studierende bekamen bei der Elefantenrunde aber noch mehr Hinweise, wie diese Diskussionskultur unter den Hochschulgruppen aussieht. Als Moderator Kevin Scheuren die Kandidaten einlud sich vorzustellen, verabschiedete sich Jana Klein von der LUST sogleich und nahm mit ihrer Hochschulgruppe im Publikum platz, von wo aus man die restlichen Kandidaten dann mit Zwischenrufen bedachte. Hauptsache gegen das Establishment scheint da die Prämisse zu sein. Dennoch folgte darauf eine relativ gepflegte Diskussion, bei der aber klar wurde: Hier werden ideologische Grabenkämpfe ausgefochten. Vor allem zwischen den bestehenden Fraktionen GHG, JUSOs, Piraten und LUST auf der einen Seite und RCDS und LHG auf der anderen Seite, herrscht kein oppositionelles Verhältnis, sondern einfach rüde Ablehnung. Dementsprechend kann das Studierendenparlament nur schwerlich den Ruf eines Kindergarten ablegen.

Politischer Stillstand

Thematisch gab es bei der Elefantenrunde viel altbewährtes zu hören. Die UniCard und die UniApp werden vermutlich ein ewiges Thema bleiben, über das sich jedes Jahr aufs neue gestritten wird. Bei den meisten Themen stellt sich die Frage, ob Studenten diese nicht gleichgültig betrachten. Müssen wirklich Coca-Cola Produkte in den Mensen abgeschafft werden, braucht die Uni ein besseres W-LAN Netz, müssen Studenten Zugang zu kostenfreien Wasserspendern in der Uni haben und muss der ASTA-Beitrag von rund 10 Euro reduziert werden? Natürlich ragen auch interessante Positionen aus der Menge heraus. Es herrscht immer noch eine angeregte Debatte um die Kissingerprofessur an der Uni Bonn, die vom ASTA und Studierendenparlament immer wieder angestoßen wird. Auch entstehen im ASTA Projekte, die von den Studierenden überaus positiv angenommen werden, wie beispielsweise die Fahrradwerkstatt. Dennoch bleibt der Eindruck, dass viele Themen für die Studierenden letztlich uninteressant sind oder auch einfach unrealistisch für das Studierendenparlament sind. Durch die kurze Legislaturperiode von nur einem Jahr, können längerfristige Pläne kaum angegriffen werden. Zudem bewegen sich die Versprechen der Hochschulgruppen zwischen Resignation und dem Willen den Stadtrat zum Bau von Wohnungen für Studenten zu bewegen.

Die Elefantenrunde – Eine unnötige Veranstaltung?

So schreitet die Elefantenrunde also voran mit Themen, die alles zwischen banal und unrealistisch abdecken. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Fragen aus dem Publikum erwünscht sind, und nicht nur das offizielle Wahlprogramm der Hochschulgruppen diskutiert wird. Eigentlich ein interessanter Punkt des Abends, der aber umso enttäuschender war. Die Fragerunde dauerte bestimmt eine Stunde, aber produktive Fragen gab es wohl nur eine Hand voll. Die restliche Zeit befassten sich die verschiedenen Hochschulgruppen damit, sich gegenseitig zu beleidigen. Das ohnehin kindische Niveau wurde hier von allen Hochschulgruppen nochmals auf die Spitze getrieben, auch von denen, die an der Runde eigentlich nicht teilnahmen wie der Grünen Hochschulgruppe und der LUST. Es war dieser Moment des Abends, an dem offenbar wurde, dass die Elefantenrunde keinesfalls eine Informationsfläche für die Studierenden ist. Kaum bis keine Studierenden waren anwesend, die nicht einer der Hochschulgruppen angehören. So verkam der letzte Teil des Abends zu einem Austausch von Beleidigungen auf persönlicher Ebene. Ein peinliches Schauspiel, das vielleicht den besten Hinweis darauf gibt, warum die Wahlbeteiligung jedes Jahr weiter sinkt.

 

Die Wahlen zum Studierendenparlament der Uni Bonn laufen noch bis Donnerstag 22.1.15, 18 Uhr.

bonnFM sendet die Elefantenrunde nochmals komplett am Mittwoch 21.1.15 ab 20 Uhr.

bonnFM-Redaktion

die bonnFM-Redaktion!

Kommentar verfassen