Lebe deine Phantasie

Von Désirée Wilde

Mystisch–mittelalterlich geht es am sonnigen Nachmittag vom 1. Mai auf der Burg Satzvey zu, denn dort wird schon zum 17. Mal der sogenannte Hexenmarkt veranstaltet. Rund um die Burg haben Ritter, Schmiede und Händler ihre Lager aufgeschlagen und die Gauklertruppe Dopo Domani zeigt – begleitet von Sackpfeifenspiel – ihre Jonglier-, Gaukler- und Feuerkünste. Ich wühle mich durch den überfüllten Innenhof, vorbei an zahlreichen verkleideten Leuten und weiter auf das Außengelände der Burg. Diese befindet sich seit 300 Jahren im Besitz der Familie Graf Beissel von Gymnich, die auch heute noch hier wohnt und unter dem Motto „Erhaltung durch Unterhaltung“ zahlreiche Veranstaltungen ausrichtet.

Alle Jahre wieder

Seit inzwischen zehn Jahren immer mit dabei sind die Leute vom „Avalon“-Stand, die ein abwechslungsreiches Kinderprogramm mit Weben, Basteln und Topfmalen sowie handgearbeiteten Schmuck anbieten. Normalerweise stellen sie außerdem einen 130 Jahre alten Webstuhl zur Schau, aber die Besitzerin meint, dass sie es aufgrund des schlechten Wetters vom Vortag – an dem alljährliche Hexentanz in den Mai stattgefunden hat – nicht mehr geschafft haben, diesen aufzubauen. Trotzdem ist ihr Stand auch jetzt gut besucht. Sie zeigt mir die Schlafplätze hinten im Zelt und verrät mir, dass der Graf ihrer Truppe sogar sechs Duschen zur Verfügung stellt. Auch die Sicherheit auf dem Burggelände wird von ihr hoch geschätzt. Ebenso, dass es keine Berührungsängste zwischen Burgbesitzern und Besuchern gibt, was Gräfin Jeanette beweist, die fröhlich mit ihren Hunden an uns vorbei spaziert.

Cosplay meets LARP

Auf meinem Weg zurück in den Innenhof ergibt sich dann ein seltsames Bild: Cinderella positioniert sich munter quatschend in der Mitte zahlreicher Hexen, während Pikachus um sie herum laufen. Diese seltsame Kombination von verkleideten Leuten verschiedener Genres verdankt der Hexenmarkt dem Euskirchener Laden „Lothloriens Elbenreich“, der zum ersten Mal eine Manga-, Anime- und Cosplay-Ausstellung im Bourbonensaal ausrichtet. Das Ziel: mehr Jugendliche auf die Burg locken. Dass der Plan aufgegangen ist, beweist vor allem die lange Schlange bei der Signierstunde zum Manga „Schattenarie“ von Zofia Garden und Anne Delseit. Sie signieren deshalb sogar zwei Stunden länger als eigentlich vorgesehen. Aber auch Spielefans kommen im kleineren Saal auf ihre Kosten, wo man bereits das 3. Jahr in Folge Karten- und Brettspiele unter fachkundiger Anleitung ausprobieren und auch erwerben kann.

Ein Muss für Burgliebhaber

Für so viel Programm, Stände und Ausstellungsstücke waren die drei Stunden, die ich da war, fast zu wenig. Zum Glück erwische ich am Ende des Tages noch Patricia Gräfin Beissel, die mir verrät, dass sie auf die Idee zum Hexenmarkt gekommen sind, als ihre Mutter 1999 ihr erstes Buch „Aldikadabra. Magische Rezepturen aus dem Supermarkt” schrieb. Im Mai erwartet die Besucher außerdem noch das Kinderritterfest und die Ritterspiele an Pfingsten, für die schon eine große Fläche zum Reiten aufgebaut ist. Insgesamt lohnt sich ein Besuch aber nicht nur für Mittelalterfans, sondern auch für Burgliebhaber. Denn dank der durch die Veranstaltungen generierten Gelder, gilt die Burg heute als eine in ihrer Bausubstanz bestens erhaltene Wasserburg des Rheinlandes.

Alle Bilder: Désirée Wilde / bonnFM

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