Berlin depressiv

Von Jasmin Vettel

Bild: Jasmin Vettel / bonnFM

Am Freitag, den 31.10.2014, spielten im Kölner Palladium „In Flames“, „Papa Roach“ und „Wovenwar“. Die bonnFM-Reporter Jasmin Vettel und Cornelius Kückelhaus  sprachen mit „In Flames“-Drummer Daniel Svensson über die aktuelle Tour, das neue Album und die Ziele der Band.

bonnFM: Ihr hattet mit „In Flames“ zuletzt eine lange Pause. Wie ist es, wieder auf der Bühne zu stehen?

Daniel Svensson: Wir waren sehr aufgeregt, da es auch die längste Pause war, die wir je als Band hatten. Wir waren auch sehr bemüht, wieder zurück auf Tournee zu sein, denn der Grund in einer Band zu sein ist für uns, vor unseren Fans zu spielen. Wir haben sehr lange auf diese Tournee gewartet und wir haben eine tolle Zeit gerade. Wieder auf der Bühne zu sein, vor seinen Fans zu spielen, die die Musik schätzen, ist das Beste was es gibt. Es ist schwer zu beschreiben, aber Du bekommst einen Adrenalin-Kick… Es ist wirklich schwer zu beschreiben, aber es ist ein tolles Gefühl.

bonnFM: Was gefällt Dir an Tourneen?

Svensson: Es sind definitiv die Shows, alles drumherum ist irgendwie langweilig. Du sitzt herum und wartest tagelang und Du vermisst Deine Familie. Aber die Shows sind das total wert.

bonnFM: Was ist das Besondere an deutschen Shows?

Svensson: Wir haben eine große und loyale Fanbase in Deutschland und die Shows in Deutschland wie auch in Skandinavien gehören deshalb auch zu den größten der Tour. Was es für uns besonders macht ist, dass die Deutschen immer gut zu uns sind. Es ist das erste Land, in das wir damals getourt sind, und wir haben sehr gute Erinnerungen an Deutschland. Wir machen hier zum Beispiel auch eine Menge Open-Air-Festivals im Sommer.

bonnFM: Wenn wir gerade über Open-Air-Festivals sprechen: Dieses Jahr wolltet Ihr ja bei „Rock am Ring“ und Co. spielen, aber habt dann letztendlich die Shows abgesagt. Wie kam es dazu?

Svensson: Die Sache war die, dass das Album eigentlich schon vor dem Sommer rauskommen sollte und wir nicht im Zeitplan waren, daher wollten wir nicht den vierten Sommer mit demselben Album machen. Also haben wir abgesagt.

bonnFM: Werdet Ihr nächstes Jahr bei „Rock am Ring“ spielen?

Svensson: Ja, auf jeden Fall.

bonnFM: Ihr habt ja bald ein Konzert in Tokio: Worin liegen die Unterschiede zu deutschen Shows?

Svensson: Das japanische Publikum ist höflicher. Sie sind komplett ruhig zwischen den Songs, weil sie den Sänger nicht beim Sprechen stören möchten. Man könnte wirklich eine Nadel fallen hören, es ist Totenstille. Während den Songs sind sie verrückt, aber dazwischen sehr höflich und ruhig. Andererseits ist es überall irgendwie ähnlich geworden mittlerweile. Ich denke, durch die Globalisierung mit Youtube und Co. neigen die Fans mehr dazu, sich zu ähneln, als es davor der Fall war.

bonnFM: Ihr habt auch viele Shows in den USA. Gefällt es Euch dort?

Svensson: Ja sehr. Wir haben dort im Dezember eine zweiwöchige Tour mit der schwedischen Band „Opeth“. Wir sind dort insgesamt mindestens drei- bis viermal für jedes Album. Es ist alles so groß dort, man könnte ewig touren, ohne genug getourt zu haben.

bonnFM: Ihr seid vom Label Century Media zu Sony Music gewechselt. Warum?

Svensson: Ich denke, das ist eine gute Entwicklung, um mehr Fans zu erreichen und zu schauen, wie weit wir mit der Band noch kommen können. Wir sind immer hungrig uns zu vergrößern, das ist der Grund.

bonnFM: Sprechen wir über das neue Album „Siren Charms“: Wodurch wurde es beeinflusst?

Svensson: Ich weiß nicht genau. Es ist schwierig, die genauen Einflüsse zu benennen, da es immer ziemlich viele gibt. Was ich aber sagen kann ist, dass es das erste Album war, das wir von Zuhause weg, in Berlin, aufgenommen haben und ich denke, die Stadt und alles drum herum hatte einen großen Einfluss auf das Album. Wir waren dort im November für sechs Wochen und solche Dinge wie die Jahreszeit, der Regen, die depressive Stimmung, weg von der Familie zu sein, hat uns schon stark beeinflusst. Grundsätzlich werden wir mittlerweile viel mehr von Emotionen beeinflusst, nicht mehr so sehr von der Musik anderer Leute.

bonnFM: Eine Menge Leute üben auch Kritik an Eurem neuen Album. Wie geht Ihr damit um?

Svensson: Das interessiert uns nicht. Die Leute machen das schon seit mehreren Alben und man kann nicht jeden glücklich machen. Das ist einfach unmöglich. Wir machen Musik, die uns Spaß macht und auf die wir stolz sein können, die wir aufführen können und wenn es dann Leute mögen, ist das ein großer Bonus. Wir wollen keine Musik schreiben, von der wir denken, dass sie Leuten gefällt, das wäre dumm. Wir machen das schon zu lange, um uns noch für Kritiken zu interessieren.

bonnFM: Wie würdet Ihr den Wechsel Eures Musikstils beschreiben?

Svensson: „Whoreacle“ ist vor 15 Jahren herausgekommen und seitdem sind viele Dinge passiert. Wir sind älter geworden, wir werden von immer anderen Dingen beeinflusst, im Grunde ist es aber immer noch „In Flames“, es ist immer noch Melodic Death Metal. Es sind sogar noch mehr Melodien im Gesang und den Gitarren dabei. Wir denken über solche Sachen nicht wirklich nach. Wir schreiben einfach Songs, an denen wir Spaß haben, sie zu spielen. Wenn das jemand diskutieren will, ist das okay, aber uns interessiert das weniger.

bonnFM: Wie schreibt Ihr heute eure Songs, seit Songwriter Jesper Strömblad die Band 2009 verlassen hat?

Svensson: Jesper und Björn haben die Songs schon immer gemeinsam geschrieben. Die einzige Veränderung war daher, dass Björn nun ein bisschen mehr schreiben musste. Aber ich sage es so: Wir haben verkauft, wir haben es gemanaged, wir arbeiten schon so lange zusammen, dass ich im Nachhinein nicht mehr sagen könnte ob Jesper oder Björn den Riff geschrieben hat, weil sie einfach sehr ähnliche Songwriter sind.

bonnFM: Wie kam es dazu, mit „Papa Roach“ und „Wovenwar“ auf Tournee zu gehen? Wie sucht Ihr euch die Bands aus?

Svensson: Es gibt mehrere Gründe: Erst einmal musst Du eine Band finden, die in dem Zeitraum frei hat, dann musst Du einen guten Mix im Line up finden, weil Du nicht vier Bands nehmen möchtest, die gleich klingen. Die Jungs von „Wovenwar“ kannten wir schon von „As I lay dying“ und wir sind gut befreundet. Das gilt auch für „Papa Roach“. Ich denke, mit den Bands für diese Tour haben wir einen guten Mix gefunden.

bonnFM: Was ist Dein bester Moment als Drummer von „In Flames“?

Svensson: Es gab viele tolle Momente. Headlining in Wacken war ein großer Moment, wir haben das schon zweimal gemacht, aber vor zwei Jahren war es wirklich großartig. Und wir spielten in unserer Heimatstadt 2005 im größten Stadion, das war auch ein toller Moment.

bonnFM: Gibt es einen Lieblingssong von diesem Album oder einem davor, den Du am Liebsten spielst?

Svensson: „Through Oblivion“ vom neuen Album. Der ist irgendwie anders, eine ganz andere Art zu spielen, das ist einer meiner Favoriten.

bonnFM: Was ist Dein Ziel für die Zukunft?

Svensson: Ich weiß nicht. Es ist ein Klischee, aber ich lebe von einem Tag zum anderen, und wir freuen uns einfach, dass es noch läuft. Ich hoffe, wir können das noch lange machen und als Band wachsen, noch viele weitere Alben machen. Ich wage es nicht zu sagen, dass wir noch viel Zeit vor uns haben, also machen wir das jetzt und sind einfach glücklich, ein Teil davon zu sein. Ich habe also nicht wirklich ein bestimmtes Ziel.

bonnFM: Gibt es spezielle Ziele bezogen auf die Drums?

Svensson: Du entwickelst Dich als Drummer jeden Tag weiter, vor allem, wenn man live spielt. Ich hoffe natürlich, ein besserer Drummer zu werden, auch wenn ich nicht so viel spiele, wie ich vielleicht sollte.

bonnFM: Gibt es Orte, an denen Ihr noch nicht gespielt habt und gerne würdet oder Bands, mit denen ihr noch zusammenspielen möchtet?

Svensson: Es gibt ein paar Länder, in denen wir noch nicht gespielt haben, aber wir waren schon auf allen Kontinenten. Südamerika wäre toll, wir waren dort erst einmal. Außerdem würden wir gerne in vielen Orten in Asien und Indien spielen. Bezogen auf Bands gibt es zu viele. Eine davon war „Opeth“ und mit denen touren wir im Dezember ja durch die USA.

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