Interview: Kadavar

Mit ihrer mitreißenden Mischung aus old school Rock und dem Stil von Größen wie Black Sabbath und Pentagram, haben Kadavar zahlreiche Fans um sich geschart. Seit 2010 besteht die Band und im September ist mit „Berlin“ das dritte Album erschienen, das sogleich auf Platz 18 der Charts einstieg. 
Ende des letzten Jahres haben wir Drummer Tiger von Kadavar zum Tourabschluss in Bochum getroffen.

bonnFM: Tiger, ihr seid ja jetzt schon seit Monaten mit Kadavar auf Tour. Wie läuft’s?

Tiger: Die Tour ist super gelaufen. Wir hatten jetzt im Dezember das Highlight mit dem Konzert in unserer Heimatstadt Berlin mit 1.700 Leuten. Das war von unserem Gefühl her die beste Show. Es ist ja immer mit großer Aufregung verbunden, wenn man bei sich in der Heimat spielt, aber es ist alles glatt gelaufen. Aber auch die Wochen davor in Deutschland waren super! Frankreich und Spanien haben auch sehr viel Spaß gemacht. Außerdem waren wir in Skandinavien und England. Wir sind sogar bis nach Estland und Litauen gekommen. Es war ‘ne lange Tour.

bonnFM: Du hast das Stichwort schon gesagt: Berlin. Was ist so toll an Berlin?

Tiger: Berlin hat irgendwie ‘ne ziemlich kreative Atmosphäre. Da laufen ziemlich durchmischte Leute rum, die man treffen kann oder Plätze an denen man sich aufhalten kann. Da gibt’s für jeden was. Es ist natürlich auch sehr günstig im Vergleich zu anderen großen Städten. Ich denke was für uns den größten Reiz ausmacht ist, dass wir in den letzten Jahren so viele verschiedene Leute kennengelernt haben, die einen inspirieren und mit denen man sich austauschen kann. Ich glaube, dass es nicht viele Städte gibt, wo das so ist wie in Berlin.

bonnFM: Jetzt habt ihr der Stadt ja euer neues Album „Berlin“ gewidmet. Wie kommt das denn bei den Leuten an?

Tiger: Wir haben glaube ich gute Kritiken bekommen. Die Leute mögen die Songs live. Das funktioniert alles ganz gut. Ich glaube, dass so im Großen und Ganzen die Resonanz wirklich sehr gut ist.

bonnFM: Was ist denn aus eurer Sicht so das Besondere an dem neuen Album?

Tiger: Für mich war es die Stimmung, die wir hatten als wir die neuen Songs geschrieben haben. Das war sehr beflügelt, sehr positiv. Irgendwie auch unklar, in welche Richtung es gehen sollte aber wir haben da irgendwie kein Blatt vor den Mund genommen und einfach das zu Songs verarbeitet, was an den jeweiligen Tagen in unseren Köpfen war und worauf wir Bock hatten. Das hat ziemlich viel Spaß gemacht. Es hat drei Monate gedauert die Platte zu schreiben. Wir haben jeden Tag ein bisschen was gemacht, ohne großen Stress.

bonnFM: Wie läuft denn das Songwriting bei euch ab?

Tiger: Die Ideen kommen bei uns von allen. Jeder hat da seine eigene Arbeitsweise. Ich zum Beispiel schreibe ziemlich viel zu Hause und denke mir die Sachen zusammen. Das kann manchmal schon ein fast fertiger Song sein. Manchmal ist es aber auch so, dass wir wirklich mit gar nichts anfangen und dann fängt irgendwer an zu spielen und wir machen was draus. Das ist bei uns also von Song zu Song unterschiedlich.

bonnFM: Ich habt ja auch nach den Terroranschlägen von Paris in der Stadt getourt. Wie war das? Hat man da jetzt ein anderes Gefühl, wenn man auf der Bühne steht?

Tiger: Das Gefühl nach den Anschlägen in Paris auf der Bühne war schon ziemlich anders. Allerdings war es ein sehr positives Gefühl. Wir hatten uns im Vorfeld sehr damit beschäftigt, ob wir die Show spielen sollen oder nicht. Wir haben lokale Promoter gefragt und auf Facebook geschaut, was man da sehen konnte. Eigentlich war aber klar, dass die Leute trotzdem oder gerade deshalb einen ziemlich großen Hunger danach hatten, dass der Alltag einfach weitergeht und dass diese Show eben nicht ausfällt. Viele Bands haben ja aus Angst oder warum auch immer ihre Shows dann abgesagt. Wir wollten das aber auf jeden Fall machen und uns nicht der Angst hingeben. Irgendwie wollten wir auch ein Zeichen setzen, dass man sich von sowas nicht einschüchtern lassen darf.

Klar war das vielleicht auch gefährlich, wir haben natürlich auch da mehr Security gehabt als sonst. Wir sind auch durchgegangen wo die Fluchtwege sind. Das würde man ja auch sonst nie tun. Aber die Leute waren so dankbar dafür, dass wir gespielt haben. Das war vielleicht die wichtigste Show, die wir je gespielt haben. Von den Emotionen im Publikum war das einzigartig. So was haben wir noch nie gesehen. Die Leute haben hinterher die Bühne gestürmt und sind uns um den Hals gefallen. Es war für die so wichtig, dass die da einfach was rauslassen konnte bei der Show.

bonnFM: Euer Musikstil, Retro-Rock, reitet ja momentan auf einer großen Welle. Wie kannst du dir erklären, dass gerade ihr jetzt so erfolgreich geworden seid in den letzten Jahren?

Tiger: Ich denke dass das bei uns schon mit unserer Live-Performance zu tun hat. Wir machen zwar keine große Show, aber ich denke wir sind eine Band, die ein sehr hohes Energielevel hat. Wir sind halt einfach, hart und oldschool und da haben die Leute halt Bock drauf. Es ist bei uns nicht zu fein oder zu poliert, sondern einfach roh und dreckig. Das spürt man live am besten und dadurch dass wir in den letzten Jahren so viele Konzerte gespielt haben, haben wir uns das auch ein Stück weit erarbeitet.

bonnFM: Wie geht ihr mit euren neuen Erfolgen in den Charts oder im Radio um?

Tiger: Wie soll ich damit umgehen? Ich freue mich darüber.

bonnFM: Überrascht euch das?

Tiger: Wenn man Mitglied der Band ist und das jeden Tag mitbekommt, dann sind das nicht so große Sprünge. Es sieht nach Außen hin immer so aus. Wir tun aber auch viel dafür. Es gilt ja grundsätzlich die Regel: Wenn man sich anstrengt und probiert immer was besseres zu machen, dann wird man auch Erfolg damit haben. Insofern war ich mir sicher, dass wir von der neuen Platte auch mehr verkaufen oder dass wir mehr im Radio gespielt werden.

bonnFM: Ihr verkörpert ja auch so einen gewissen Retro-Style mit eurem Auftreten. Wie ernsthaft kultiviert ihr den? Steht ihr jeden morgen drei Stunden im Bad?

Tiger: Ne, nicht auf die Art und Weise. Ich finde es ist schon wichtig, wie man sich kleidet und es ist wichtig authentisch zu sein. Das ist ja jetzt kein spezieller Fall, nur weil man lange Haare und Bärte hat und was weiß ich für Klamotten anzieht. Was dann andere Leute davon halten ist mir persönlich gar nicht so wichtig.

bonnFM: Wie nehmt ihr eigentlich eure Songs auf? Ihr sagt ja in Interviews, dass ihr gerne alles analog aufnehmt. Wie weit geht eure Analog-Liebe?

Tiger: Ich finde es zum Beispiel nicht notwendig, dass eine Aufnahme nie einen Computer gesehen haben darf. Das ist halt auch hier kein Dogma, sondern es geht einfach darum, dass wir alle der Meinung sind, dass es bei allen Instrumenten besser klingt, wenn man es auf Band aufnimmt. Bei der letzten Platte haben wir das dann am Ende in ein Musikprogramm überspielt und danach wieder aufs Band geschickt.

bonnFM: Gibt es irgend einen Ort an dem ihr noch nicht gespielt habt, aber unbedingt mal hin wollt?

Tiger: Japan, Südafrika und Russland.

bonnFM: Warum?

Tiger: Einfach, weil ich selbst noch nie da war. Gerade Russland würde ich einfach mal super gerne kennenlernen. Es gibt in Deutschland ein gewisses Bild von Russland was glaube ich wenig damit zu tun hat wie es dort wirklich ist. Das hat glaube ich ganz viel mit Vorurteilen zu tun. Ich will einfach mal sehen, wie es in Moskau und Sankt Petersburg aussieht. Wir haben jetzt sogar schon Shows für Russland gebucht.

Für Japan und Südafrika gilt das gleiche. Es ist weit weg, ich hab keine Ahnung wie es das aussieht, deshalb will ich da unbedingt mal hin. Wir haben ja vor so gut es geht überall mal zu spielen. Alleine schon vom Reisen wegen.

bonnFM: Sind eure Show-Erfahrungen im Ausland eigentlich ganz anders als hier in Deutschland?

Tiger: Es ist schon ein bisschen anders. Je weiter man in den Norden von Europa kommt, desto reservierter werden die Leute. Das Publikum in Spanien oder Polen ist dagegen sehr ausgelassen. Extrem wird es dann in Südamerika, die sind glaube ich so mit am Crazyigsten. Und USA ist irgendwie so drauf wie Europa.

bonnFM: Was macht ihr jetzt wenn die Tour vorbei ist?

Tiger: Wir haben schon vor nächstes Jahr anzufangen Songs zu schreiben. Wahrscheinlich aber nicht alles an einem Stück. Erstmal ist mindestens vier Wochen Ruhe angesagt. Vielleicht auch länger. Das haben wir uns jetzt auch verdient nach 13 Wochen unterwegs. Also ausruhen, Kräfte zurückbekommen und dann weitermachen.

bonnFM: Eine Frage noch: Wenn ihr auf die Bühne geht, habt ihr ein kleines Ritual, was vorher immer passieren muss?

Tiger: Ähm, ja wir haben so ein kleines Ritual… Das ist allerdings geheim.

bonnFM: Verdammt! Aber einen Versuch war’s wert. Dann sagen wir Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Thomas Frerix

Redakteur / Moderator / Techniker