„Ein Orgasmus ist wie Extremsport, nur ohne Kontrolle“

Von Lauren Ramoser

Der Orgasmus ist auch im Praxisalltag von Sexualtherapeut Alexander Magdalinski ein häufiges Thema. Vor allem in den Gesprächen mit seinen Patienten stellt sich der Orgasmus als lustvolles Problem in den Beziehungen der Paare heraus. Zum einen liegt das an der oft mangelnden Kommunikation zwischen den Partnern, zum anderen sind falsche Vorstellungen und übertriebene Anforderungen ein Problem. Das Wissen um die Beschaffenheit unseres Orgasmus, aber auch individuelle Tipps helfen, Schwierigkeiten beim lustvollen Höhepunkt zu vermeiden.

Bild: Lauren Ramoser / bonnFM

Bettgeflüster: Wie ist ein Orgasmus im Körper aufgebaut?

Alexander Magdalinski: Es gibt vier Phasen. Das eine ist die Aritätsphase, Lustphase auch genannt. Dann gibt es eine Erregungsphase und dann gibt es die Orgasmusphase und die Reflektierphase. Und die Orgasmusphase ist dann eben die Phase in der es zur Ejakulation, beziehungsweise zum Orgasmus kommt.

Bettgeflüster: Von diesem Aufbau ausgehend, gibt es Möglichkeiten für Männer den Orgasmus herauszuzögern oder zu intensivieren?

Alexander Magdalinski: Es gibt den sogenannten ‘Point of no return’ beim Mann, das heißt man würde beim Sex oder der Masturbation kurz vor der Ejakulation stoppen, die Erregung dann ein bisschen absinken lassen und dann wieder von vorne beginnen. Das kann man auch ein bisschen spielerisch einbauen und so kann man den Orgasmus einige Male aufschieben und das Gefühl intensiviert sich dann auch bei jedem Mal.

Bettgeflüster: Gibt es äquivalent dazu auch Möglichkeiten für Frauen, dass sie ihren Orgasmus intensiver erleben oder überhaupt dahin kommen?

Alexander Magdalinski: Bei der Frau gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sie ihren Orgasmus ein bisschen herauszögern oder eben auch verbessern kann. Zum einen kann es an der Stellung oder der Position liegen. Es gibt durchaus manche Frauen, die sagen, von Hinten sei es intensiver. Oder aber auch, dass sich die Frau ein Kissen unter das Becken legen würde und dass dadurch ein anderer Winkel entsteht und dass, wenn es zur Penetration kommt, die Stimulation intensiver ist. Und hier gibt es natürlich auch mehre Möglichkeiten der Variation – das muss dann jede für sich selbst mit dem Partner ausprobieren.

Bettgeflüster: Kann man das Gefühl eines Orgasmus im Körper neurologisch oder psychologisch mit etwas anderem Vergleichen?

Alexander Magdalinski: Ich würde sagen, wie ein Ohnmachtsgefühl, wie wenn man beispielsweise Bungee springt oder beim Fallschirmspringen. Wenn man also einen Moment der absoluten Entspannung, des sogar leichten Aussetzens von Zeit und Raum hat und ich denke bei einem hohen Adrenalinpegel, also bei einem Kick bei einer Extremsportart, könnte ich mir vorstellen, dass man annähernd da herankommt. Bei einer sportlichen Herausforderung bleibt allerdings die Kontrolle und die habe ich ja beim Orgasmus für wenige Augenblicke nicht.

Bettgeflüster: Was sind denn die häufigsten Probleme, mit denen Patienten zu Ihnen kommen?

Alexander Magdalinski: Das häufigste Problem ist Lustlosigkeit. Lustlosigkeit ist auf dem Vormarsch, nochmal mehr als früher. Denn früher hieß es ja immer, die Frauen hätten Migräne, heute ist es aber so, dass auch die Männer immer mehr über Lustlosigkeit klagen. Externe Stressoren sind wahrscheinlich der primäre Auslöser, das andere sind bei den Männern Erektionsstörungen und bei den Frauen, aber eher selten, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Bettgeflüster: Haben sie eine Erklärung, was zum Beispiel der Auslöser für die Lustlosigkeit ist?

Alexander Magdalinski: Für die Lustlosigkeit ist es häufig Stress. Das kann Stress in der Familie, am Arbeitsplatz, oder allgemein das hohe Level an Leistungsdruck, das wir alle haben, sein. Es kann aber auch sein, dass mich mein eigener Leistungsdruck da blockiert. Beispielsweise, wenn ich mir sage: Ich muss jetzt besonders gut sein und ich muss jetzt einen Orgasmus haben. Dadurch kann sich eben auch jeder selbst blockieren.

Bettgeflüster: Kann man Lust in einer Beziehung denn wieder lernen, wenn die mit der Zeit abgenommen hat?

Alexander Magdalinski: Lust kann man schon wieder reaktivieren. Man würde zunächst einmal analysieren, warum man aktuell keine Lust verspürt. Wie gesagt, vielleicht spielen die externen Faktoren eine Rolle. Die würde man sich dann angucken und gegebenenfalls auch minimieren. Also zum Beispiel Stress beseitigen, wenn das ein Grund sein sollte. Und zusätzlich kann man durchaus auch gucken, wie ist die Interaktion der Partner, wie ist die Kommunikation und wie sieht es mit Phantasien aus. Also das heißt: Jeden Tag Licht aus, mal übertrieben, oder ich weiß, dass wenn mein Partner duschen geht, dass da schon eine Erwartungshaltung mitschwingt. In so Situationen kann die Lust schon verloren gehen. Das heißt im Gegenzug sollte man wieder Phantasien entwickeln, wie man wieder mehr Spaß, Attraktivität oder Spannung in die Beziehung bekommt.

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