“Die Deutschen sind so direkt”

Von Carina Spiess

Bild: Carina Spiess / bonnFM

Alex studiert Jura in Oxford. Häufig wird er als Reaktion auf diese Tatsache gefragt: “Ist das nicht DER Traum?” Während seines Studiums verbrachte Alex zwei Semester in Bonn und studierte hier Rechtswissenschaften im Juridicum. bonnFM hat ihn zum Interview getroffen, um herauszufinden was ihm für Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zwischen der Elite-Universität in England und der Universität Bonn aufgefallen sind.

Während seines Jahres hier in Bonn lebte Alex zusammen mit vielen anderen ERASMUS-Studenten in einem Wohnheim in Tannenbusch – ein Zimmer von ca. 14 Quadratmetern, Küche und Bad wurden geteilt. Diese Wohnsituation war für Alex nichts Neues, an der University of Oxford kommen Studenten in sogenannten Colleges unter. Das Konzept von Wohngemeinschaften oder “Hotel Mama” war ihm dafür neu, dabei sind beide Wohnformen bei deutschen Studenten die Favoriten. “In Oxford kann man von Anfang an viele Leute kennenlernen, es ist geselliger und nicht so distanziert wie in Deutschland”, findet Alex. Ein Punkt für Oxford.

In Oxford muss man selbstständiger denken.

Auch im Lernsystem gleichen sich Bonn und Oxford nicht völlig: Als Erst- bzw. Zweitsemestler bestand Alex Studium in Bonn vor allem aus Vorlesungen und den dazugehörigen Tutorien, “es ist alles irgendwie zusammengefasst. In Oxford müssen wir mehr alleine lernen und jede Woche Essays schreiben.” Diese Essays benötigt Alex für die “Tutorials”, die das Lernen in Oxford so intensiv machen: Einmal in der Woche diskutieren zwei bis drei Studenten mit einem Tutor über ein meist aktuelles Thema, zu dem dann wöchentlich ein Essay verfasst werden muss. “In Oxford muss man ein bisschen selbstständiger denken”, das findet Alex persönlich besser. Zwei Punkte für Oxford.

Dennoch gibt es etwas, das der Student aus Oxford in Bonn besser findet: Ordnung. “Ich würde sagen, dass die Uni in Deutschland besser organisiert ist. In England kann es ziemlich chaotisch werden.”, findet Alex. Ein halber Punkt für Bonn.

Das “dumme Höflichkeitssystem” in England

Alex kann nach seinem Aufenthalt in Deutschland für sich schließen, dass er lieber in Oxford als in Bonn studiert. Ganz der diplomatische Jurist sagt er aber auch, “dass die Systeme der beiden Universitäten nur anders sind und für unterschiedliche Leute sind unterschiedliche Systeme besser.” Dennoch möchte Alex den Auslandsaufenthalt nicht missen und findet es gut, seine Erfahrungen gesammelt zu haben. Einen kulturellen Aspekt würde er aber trotzdem gerne nach England importieren: “Ich finde es gut, dass die Deutschen ziemlich direkt miteinander reden. In England haben wir manchmal ein dummes Höflichkeitssystem, in dem wir nicht sagen, was wir eigentlich sagen wollen.” Einhundert Punkte für Bonn.

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