JAMBA! Kennt ihr noch den Crazy Frog?

Der kleine Nils, Partybiene, Fickende Eichhörnchen und natürlich der Crazy Frog waren in den 2000ern fast auf jedem Handy zu findende Töne. Viva bestand gefühlt zu 20% aus Musikvideos und zu 80% aus Werbung für „verrückte Klingeltöne“ und „lustige Lieder“. Das Unternehmen, das dahinter stand, hieß Jamba und löst bei vielen meiner Generation einen Instant-Ohrenkrebs aus. Doch was macht das Unternehmen heute und gibt es noch Menschen, die diese vertonten Geiseln der Menschheit auf ihrem Handy haben? bonnFM hat sich für euch schlau gemacht.

Von Jamba und Zalando

Gegründet wurde die Jamba GmbH im Jahr 2000 von den Brüdern Samwer. Marc, Oliver und Alexander sind heute milliardenschwer und leiten die Startup-Schmiede Rocket Internet, die unter anderem Zalando nach Deutschland brachte. Und sofort fällt auf: die der Werbespots ihrer Unternehmen und ganz besonders der „Zalando-Schrei“ haben verblüffende Ähnlichkeiten mit der aggressiv-nervigen Art, die ich persönlich vor allem auch mit Jamba verbinde. Wie es scheint zieht die gleiche Masche noch immer. Doch wie wurde Jamba so groß?

Nervigkeit getarnt als Individualität

Der wohl größte Grund für den Erfolg für Jamba war tatsächlich, dass es etwas Neues war. Wer sich an den Anfang der 2000er zurückerinnert, hat beim Stichwort Nokiaklingelton schnell die bekannte Elektro-Melodie im Kopf. Das was 2010 der „Marimba“-Ton des iPhones war, war dieser Ton knapp 10 Jahre früher: omipräsent.

Da bot Jamba tatsächlich ein alternatives Angebot, mit dem die coolen Kids und Teens von damals zeigen konnten, wie individuell sie doch waren. Da lag es nahe kurz mal „Küken6“ an „fünfmal die drei“ zu senden. Darüber vergaß manch einer schnell die versteckten Kosten der Abofalle von 4,99€ pro Woche! Und damit wären wir an dem Punkt, wo Jamba nicht nur nervig sondern wirklich abartig wird.

Abzocke im großen Stil

Was man bei all dem lustigen, das dieses Thema bietet, nicht vergessen sollte ist, dass Jamba eine der dreistesten Maschen seiner Zeit war und durch seinen „Erfolg“ im Jahr 2004 knapp 90 Millionen Euro in Fernsehwerbung investieren konnte. Dadurch kam es vor, dass einzelne Spots bis zu 150 mal am Tag bei Viva über den Bildschirm flimmerten. Allein der „Crazy Forg“ brachte Jamba einen Umsatz von etwa 15 Mio. Euro ein. Ebenfalls im Jahr 2004 wurde Jamba von den Brüdern mit dem feinen Geschäftssinn für umgerechnet 288 Mio. Euro verkauft.

Diese Dimensionen machen klar, wie groß dieser Markt damals tatsächlich war. Das meiste Geld nahm Jamba durch die bereits erwähnten „Sparabos“ ein, die man noch schwerer los wurde, als den Ohrwurm, den man gratis mit bekam. Falls dahingehend Auffrischungsbedarf besteht, kann man sämtliche Töne auf YouTube wiederfinden. Dort gibt es sogar einen „CrazyFrogVEVO“-Kanal.

Jamba heute

Man kann also festhalten, dass Jamba und sein vertontes Erbe nicht totzukriegen sind. Selbst das Angebot für das Abo gibt es noch immer. Und viele Menschen haben es bis heute nicht geschafft diesem Abo zu entkommen, weshalb sie nach wie vor jede Woche fast 5€ für einen Service zahlen müssen, den man heute überall, besser und gratis bekommen kann. Aber wenigstens nutzen selbst diese Leute ihr Abo nicht aus, was auch ein schlechter Rat wäre, in einer Atmosphäre, in der Tastentöne den sozialen Tod bedeuten können. Da bleibt nur zu hoffen, dass dieser nervig-individualistische Trend nicht eines Tages wieder Retro wird und wir in einem Sumpf aus Auto-Tune-Tierstimmen versinken.