Ein wildes Pikachu greift an

Ein Kommentar von Carina Spiess

Bild: Simone Hainz / pixelio.de

Die Deadline nähert sich: am 31.03. müssen die letzten Hausarbeiten abgegeben werden. Aber in rund einer Woche kann man ja wirklich noch sehr viel schaffen. Theoretisch. Wäre ich für meinen Teil nicht selbsternannte Meisterin der Prokrastination.

Es gibt viele kleine Wege, sich um das effektive Schreiben von Hausarbeiten zu drücken. Nach fünf Semestern habe ich schon so Einiges durch: putzen, einkaufen, malen, putzen, Sport, neue Hobbys, und hach: da muss die Küche ja schon wieder geputzt werden. Es ist mal an der Zeit, endlich vernünftig zu werden und konsequent an meinen Hausarbeiten zu werkeln. Das hat auch beinahe funktioniert, bis ich plötzlich einen ganz neuen Weg des Aufschiebens für mich entdeckt habe. Schuld daran sind meine kleinen Geschwister, die das Kind in mir wieder erweckt haben, zumindest mehr, als es sowieso schon immer zum Vorschein kommt.

Letzte Woche habe ich meine Brüder für einen Nachmittag besucht und etwas auf dem Tisch liegen sehen: meinen alten Gameboy Color. Wie viele Stunden und Tage meiner Kindheit habe ich damit verbracht, die Welt der 101 Dalmatiner durchzuspielen, mit Super Mario seine Prinzessin zu retten und natürlich an Bisasams Seite die Top 4 bei Pokemon zu besiegen. Naiv wie ich bin, dachte ich mir, dass eine kleine Runde Pokemon doch nicht schaden kann. Die rote Edition war ja schon immer mein Favorit und ich war ja auch nur für zwei Stunden zu Besuch. So ein bisschen in Kindheitserinnerungen schwelgen…

Komm schnapp sie dir!

Aus zwei Stunden wurden fünf, und das nur an diesem Abend. Nach ein paar Verhandlungen mit meinen Geschwistern durfte ich den Gameboy samt Pokemonspiel dann auch auf unbegrenzte Zeit mit nach Hause nehmen, mein Untergang war besiegelt. Seitdem fühle ich mich die ganze Zeit mit folgender Frage konfrontiert: Wie schreibe ich meine Hausarbeit und besiege parallel alle Arenaleiter? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach zu finden. Immerhin mit dem zweiten Teil der Frage komme ich gut voran, die Pflanzenarena ist aber auch wirklich ein Kinderspiel, ganz im Gegensatz zu Schopenhauer und Kant.

Okay, effektives Schreiben sieht anders aus. Meine Tage laufen im Moment nach einem recht ähnlichen Rhythmus ab: Aufstehen (nicht zu früh natürlich, man lernt und arbeitet ja effektiver, wenn man ausgeschlafen ist), eine Runde Gameboy spielen (damit der Tag auch schön startet), frühstücken, den Pc anmachen und die angefangene Hausarbeit öffnen. An diesem Punkt wird es schwierig. Pokemon liegt nur eine Armlänge entfernt auf meinem Nachttisch. Na gut, nur ein paar Minuten, dann schreibe ich aber wirklich weiter. Ganz unerwartet ist es “ein paar Minuten” später schon Zeit für’s Mittagessen, aber danach fange ich heute wirklich an mit meiner Hausarbeit! Zumindest der Vorsatz ist gut.

Dein Pikachu ist paralysiert

Wie der Rest des Tages läuft, kann man sich ja denken. Meine Hausarbeit stagniert, mein Pikachu und mein Fukano haben sich weiterentwickelt. Wie schreibe ich also meine Hausarbeit und besiege parallel alle Arenaleiter? Die Antwort ist: gar nicht. Nicht nur meine Pokemon sind ständig paralysiert, auch mein Verstand und meine Vernunft scheinen ab und zu nicht richtig zu wirken. Das Kind in mir hat die Überhand gewonnen und ich suchte weiter vor mich hin, aber erwachsen kann ja jeder! Und im nächsten Semester studiere ich dann aber wirklich effektiver.

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