Büffeln statt Backpacking

Zuvor war Konrad Adenauer noch durch Europa gereist. In Bonn holte ihn der Ernst des Lebens ein. Da das Geld knapp war, musste er so schnell wie möglich sein Jura-Studium abschließen. Dies ließ den künftigen Kanzler zu kreativen Methoden greifen.

In Freiburg und München hatte Adenauer sich noch dem Studentenleben hingeben können und war in den Semesterferien nach Italien, in die Schweiz und nach Böhmen gewandert. Als Adenauer sich 1895 im vierten Semester für das Fach Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn einschrieb, holte ihn dann der Ernst des Studienalltages ein: „Adenauer hat sich vollends dem Lernen des Unterrichtsstoffs hingegeben, denn er musste möglichst schnell fertig werden, um seine Eltern finanziell nicht so sehr zu belasten“, erklärt Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters, der Leiter des Archivs für Christlich-Demokratische Politik und der Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn. „Er hatte damals nur 90 Mark zur Verfügung, von denen er alles bestreiten musste. Das hieß für ihn, er musste im Studium sparsam und diszipliniert sein.“

Keine Zeit für ein eskapadenreiches Studentenleben

90 Mark – auch in der damaligen Zeit war das nicht viel Geld. Statt ein eskapadenreiches Studentenleben zu genießen, hieß es für Adenauer also büffeln. Er war zwar Mitglied des katholischen Studentenvereins Arminia, wohnte allerdings nicht mit den anderen Studierenden im Verbindungshaus, sondern bezog ein Zimmer in der Poststraße, später in der Endenicher Straße, wo er in Ruhe lernen konnte. Es gibt sogar die Anekdote, dass Konrad Adenauer seine Füße in einen Eimer mit kaltem Wasser stellte, um nachts beim Lernen wach zu bleiben.

Auch schon im Kaiserreich musste man gute Noten haben

1897 wurden Adenauers Anstrengungen endlich belohnt. Er schloss das juristische Staatsexamen mit der Note „gut“ ab. Vier Jahre später folgte das zweite Staatsexamen vor einer externen Kommission in Berlin – dieses Mal bestand Adenauer allerdings nur mit der Note „ausreichend“.

„Er glaubte dann, keine weiteren Chance als Jurist zu haben“, so Dr. Küsters.  Ja, auch schon im Kaiserreich musste man gute Noten haben. Aus Adenauer wurde trotzdem ein erfolgreicher Rechtsanwalt. So soll er vor Gericht immer durch sein Charisma und seine Argumentationsfähigkeit bestochen haben. Das Nonplusultra, nicht nur für einen Juristen, sondern auch für einen Politiker.