Amore für Köln, Amore für Wanda

Die Erwartungen waren nicht sonderlich hoch zu Beginn des Konzerts von Wanda am Kölner Tanzbrunnen. Letzten Endes war es dann doch nur der studentische Hochmut, der diesen Blick täuschte. bonnFM war für euch dabei.

Das Wiener Quintett Wanda, das 2014 Austropop wieder populär machte, tourt mit seinem aktuellen Album „Niente“ durch die deutschsprachigen Sphären Europas. Am vergangenen Samstag machten die Musiker Halt am Kölner Tanzbrunnen. Der große Hype um Wanda und alles, was aus Österreich kommt, spielte sich vor allem um 2015 herum ab. Was kann man in Gegenwart und Zukunft von den Jungs erwarten? „Amore“, „Bussi“, „Niente“, und dann? Fragen, deren Antworten ich an dieser Stelle voraussagen möchte.

Die Vorband gerade so überstanden, wage ich einen kontrollierenden Blick durch die Menge. Die Meisten Mitte 40, vielleicht auch noch in den Dreißigern. „Das kann ja was werden“, denke ich mir heimlich, anstatt es laut auszusprechen. Alle schauen berufstätig aus und ich habe das unwohle Gefühl, heraus zu stechen. Viele Gleichgesinnte, kann ich auf den ersten Blick nicht entdecken, was wahrscheinlich am nicht zu klein geratenen Eintrittspreis liegen wird. Kann das gut gehen? Die Letzten, die Bock auf ein ruhiges Publikum haben, sind wohl Wanda selbst.

Vier der fünf Wandas erscheinen auf der Bühne. Mit Marco Michael Wanda kommt der fünfte Mann, und WIE er kommt. Stolzen Schrittes, nicht allzu arrogant, bewegt er sich auf der Bühne. Erste Amtshandlung: Kippe aus der Schachtel ziehen, anzünden und ins Mikro brüllen: „Hallo Leverkusen!“ Das Publikum? Ich habe mich wohl getäuscht, denn das hat doch einen Sinn für Wiener Schmäh und „ärgsten Rock’n’Roll“. Von hinten höre ich noch einen Mann rufen „Der Typ ist so geil!“.

Fliegende Biere, Stagediving und ganz viel Amore

Keinen Song dauert es, bis sich vor der Bühne ein wütender Moshpit bildet. „Bologna“ und „Luzia“, beide vom ersten Album „Amore“, sind genau die richtigen Songs, die das mit Überraschungen geladene Konzert einleiten. Biere fliegen durch die Luft, Sänger Marco Wanda entscheidet sich kurzerhand, eine Dose über einem Bühnenscheinwerfer auszuleeren. Von diesen anarchisch anmutenden Momenten soll es an diesem Abend noch mehr geben.

Der große Erfolg des ersten Albums hallt nach. Lieder wie „Ich will Schnaps“ geben auf diesem (wie auch heute Abend) die Richtung an: Wien, ständiges Ausgehen, Alkohol und die großen Emotionen der leidend Liebenden. Auf der Setlist wechseln sich immer wieder Songs des ersten und dritten Albums ab. Letzteres hat mit „Columbo“ oder „Lascia mi fare“ auch seine Hits, ist insgesamt aber doch viel nachdenklicher, langsamer, vielleicht auch melancholisch. Für „Schottenring“, „Das Ende der Kindheit“ und die Ballade „Ein letztes Wienerlied“, alle vom dritten Album, kommt ein Kammerquartett auf die Bühne.

Wandas zweites Album „Bussi“, das dem ersten in seiner Manier stellenweise sehr nachfühlt, gibt den krönenden Abschluss des Konzerts. Bei „1, 2, 3, 4“ und „Bussi Baby“ kommt Marco Wanda runter von der Bühne, dorthin, wo gerade noch gemosht wurde. Die Masse verschluckt ihn, saugt ihn auf; ich sehe ihn nicht mehr. Das Konzert endet mit einem klirrenden Becken, das unweigerlichen Kontakt macht, mit der auf dem Boden liegenden Gitarre von Ray Weber. Die Gitarre hats überlebt. Wir sind eben nicht mehr in den 60s oder 70s.

Fest steht: „Niente“ ist abgerundeter, hat Ende und Anfang – das sagen sie auch selber. Das merkt man bei ihrer Show, die die nötige Abwechslung mit sich bringt. Das ewige Leitmotiv Amore geht dabei nicht unter. Von den ausschweifenden und exzessiven Momenten einer ‚ersten Schaffensphase‘ haben sie sich rasanten Schrittes zu einer nächsten Phase entwickelt, die reich an reflexiven Episoden ist. Stoff für ein viertes Album, werden sie vielleicht schon jetzt haben – der Tour sei Dank.

 

Kommende Konzerte:
30.08.18 Berlin, IFA Sommergarten
31.08.18 Gräfenhainichen, Ferropolis (Die Toten Hosen Support)
01.09.18 Minden, Weserufer (Die Toten Hosen Support)
14.09.18 Klagenfurt, Wörthersee-Stadion Freigelände
15.09.18 Dresden, Junge Garde

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