Stimmungsgaranten im Grünen

Von Stefan Lienert

Wie haben es Unheilig geschafft, sich mit ihrem Rekordalbum „Große Freiheit“ mehr als drei Jahre in den deutschen Charts zu halten, davon sogar 23 Wochen auf Platz Eins? Wer bei ihrem Gastspiel auf dem Kunst!Rasen dabei war, konnte die Antwort erahnen. Mit rund 7500 Zuschauern war dieses Konzert das bestbesuchte dieser Kunst!Rasen-Saison, sämtliche Bevölkerungsschichten, vom Grundschüler bis zum Senior, haben es sich nicht entgehen lassen. Unheilig sind einfach für alle da.

15 Jahre Bandgeschichte

 Um kurz vor acht, die vielen Kerzen auf der Bühne brannten bereits, setzte ein Countdown ein, der in einen atmosphärischen Klangteppich mündete. Dann betraten Drummer Martin „Potti“ Potthoff, Keyboarder Henning Verlage und Gitarrist Christoph „Licky“ Termühlen die Bühne und setzten miz einem Intro ein, das doch sehr an Rammsteins „Reise, Reise“ erinnerte. Überhaupt waren an diesem Konzertabend immer wieder Vergleiche zu den Liedern der Berliner Band angebracht. Ruhelos zeigte sich „Der Graf“ in den ersten Sekunden seines Bühnen-Daseins. Wie ein Derwisch jagte er ganz in schwarz mit weißem Hemd über die Bühne. „Auf ewig“ war der Opener. Mit „Lichter der Stadt“ und „Unter meiner Flagge“ setzten die Aachener zwei ebenfalls eher jüngere Songs nach. Doch auch die älteren Werke, die noch in der Gothic-Zeit der Band entstanden, waren in dem 100-minütigen Konzertprogramm enthalten, etwa „Freiheit“, „Maschine“ oder „Puppenspiel“. Die „Alles hat seine Zeit“-Tour blickt musikalisch auf die 15-jährige Geschichte des Quartetts zurück – und auch schon ein bisschen in die Zukunft. Denn mit „Goldrausch“ präsentierten Unheilig in Bonn ein brandneues, noch nicht veröffentlichtes Lied, das in einigen Passagen Linkin Parks „Castle of Glass“ und Rammsteins „Feuer frei“ ähnelte. Und dann ist da noch dieser Unheilig-Insider, der zwar überaus höflich, für Gelegenheitsfans aber irgendwann schlichtweg nervtötend ist. Dutzende Male riefen der Graf und manchmal auch „Licky“, oft zigmal direkt hintereinander, ein „Dankeschön“ in die Menge. Ein „Bitteschön“ schallte zurück.

Kommerz spielt wichtige Rolle

Gitarrist „Licky“ scheint die Woge des Unheilig-Erfolges für sein Solo-Projekt mitnehmen zu wollen. Nicht nur, dass vor dem Konzert auf einer Leinwand permanent Werbung für sein Album und seine Konzerte gemacht wurde. Auch in dem Konzert fanden seine Lieder Platz. „Lasst uns gemeinsam seinen Traum erfüllen“, sagte der Graf mit ein wenig Kitsch versehen.

Auch Unheilig selbst wollen ihren Erfolg für kommerzielle Zwecke ausnutzen. So gab es diesmal die Getränke auf dem Gelände aus Unheilig-Bechern – zum doppelten Pfandpreis. Auch eine lange Merchandising-Theke mit T-Shirts, Ringen („Auf Ewig“), Einkaufswagenchips und „Graf“-Puppen stand in Bonn und hatte regen Andrang.

Österreichischer Erfolgsexport in Bonn

In die größte Freiluftdiscothek Bonns verwandelte sich am Sonntag der Kunst!Rasen. Vor allem im „Front-of-Stage“-Bereich tanzten die etwa 2000 Menschen zu dem Electroswing der Parov Stelar Band, einem der erfolgreichsten österreichischen Exporte derzeit. Stelar alias Marcus Füreder hatte mit seinen fünf Bandkollegen „Max the Sax“ (Markus Ecklmayr), der genauso wie Drummer Willie Nelson Junior (Hans-Jürgen Bart) am Linzer Musikzentrum unterrichtet, Frontfrau Cleo Panther (Daniela Hrenek), die auch im deutschsprachigen Raum ihre englischen Ansagen durchzieht, Bassist Michael Wittner und Trompeter Jerry di Monza (Gerd Rahstorfer) exzellente Musiker dabei. Vor allem Hrenek und Ecklmayr waren für die Show zuständig und animierten immer wieder das Publikum zum Tanzen und Klatschen.

Füreder mischte an seinem DJ-Pult die Samples etwa drei Meter über dem Bühnenboden und hatte daher räumlich eine herausragende Position eingenommen. Auf drei Flächen wurden Filme zu den Songs projiziert. Damit die Bilder gerade nach Einbruch der Dunkelheit auch gut zur Geltung kamen, wurde auf starkes Scheinwerfer-Licht verzichtet und die Musiker stattdessen nur dezent beleuchtet. „All night“, das brandneue „Clap your hands“ und natürlich „Catgroove“ gehörten zu den präsentierten Liedern des Abends in der 90-Minuten-Show.

Alle Bilder: Stefan Lienert / bonnFM

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