Bonns beste IT-Ingenieurin

Von Mara Neuber

Die Bonnerin Lena Herscheid gehört jetzt zu den besten IT-IngeneurInnen Deutschlands: Ihren Master bestand sie am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam mit einer Note von 1,0. Mit bonnFM sprach sie über ihren Beruf und Vorurteile gegenüber Frauen.

Bild: HPI/K. Herschelmann

bonnFM: Liebe Lena, Du hast Deinen Master mit einer Note von 1,0 bestanden. Damit gehörst Du jetzt zu den besten IT-Ingenieuren Deutschlands. Was bedeutet das für Dich?

Lena Herscheid: Also, ich bin nicht die Einzige, die eine gute Note in diesem Studium bekommen hat. Von daher muss man das mit dem „beste“ vielleicht relativieren. Aber ich bin natürlich trotzdem stolz darauf, dass ich den Master geschafft habe und freue mich darüber auch. Da ich aber auch seit längerem schon in der HPI-Research-School arbeite, war das jetzt speziell mit der Absolventenfeier nicht so ein großer Schritt für mich.

bonnFM: Für diejenigen, die nicht ganz genau wissen, was man in Deinem Beruf macht: Was tut eine IT-Ingenieurin überhaupt?

Herscheid: Wir studieren hier „IT Systems Engeneering“. Das bedeutet, dass wir uns mit komplexen IT-Systemen, wie man sie heutzutage eigentlich überall sieht, befassen und versuchen, diese zu verstehen. Das ist ziemlich anspruchsvoll, weil die Komplexität die ganze Zeit steigt.

bonnFM: War Dir denn schon immer bewusst, dass du IT-Ingenieurrin werden willst? Also auch, als Du noch in Bonn gewohnt hast?

Herscheid: Nein, überhaupt nicht. Zu Schulzeiten habe ich mich für ganz unterschiedliche Fächer interessiert und diesen Studiengang eher zufällig im Internet entdeckt und angefangen. Aber ich bereue das überhaupt nicht!

bonnFM: Wie geht es denn jetzt für dich weiter? Du hast vorhin gesagt, dass Du noch an der Uni arbeitest?

Herscheid: Ja genau. Ich bin in der „HPI Reasearch School“. Das bedeutet, dass ich ein Stipendium für eine Promotion bekomme. Ich forsche jetzt sozusagen und mache nebenbei noch ein bisschen im Unibetrieb mit.

bonnFM: Aber der Beruf des IT-Ingenieurs ist doch eher ein typischer Männerberuf oder?

Herscheid: Ja, das ist immer noch der Fall. Das führt aber nicht dazu, dass es unangenehm für Frauen wird, meiner Meinung nach.

bonnFM: Würdest Du also nicht sagen, dass Du dich als Frau benachteiligt fühlst?

Herscheid: Nein überhaupt nicht. Ich kann nicht behaupten, dass ich zu irgendeinem Zeitpunkt diskriminiert wurde. Das war eigentlich immer sehr angenehm – die Geschlechterrollen haben kaum eine Rolle gespielt. Das wird ein bisschen stark aufgebauscht im Moment. Das zeigt aber vielleicht auch, dass es andernorts Probleme gibt. Ich persönlich habe die aber nie erlebt.

bonnFM: Wie schätzt Du denn generell die Chancen von Frauen in männerdominierten Berufen ein?

Herscheid: Von meinen persönlichen Erfahrungen her schätze ich das so ein, dass die meisten Arbeitsgeber heutzutage nicht von Vorurteilen geprägt sind und einfach motivierte und interessierte Leute brauchen und dass man schon gar nur wegen Angst vor solchen Vorurteilen einen anderen Beruf wählen sollte.

bonnFM: Damit machst Du wahrscheinlich vielen Studentinnen Mut! Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche natürlich weiterhin ganz viel Erfolg in Deinem Beruf als IT-Ingenieurin und natürlich: ganz viel Spaß!

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