Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth

Von Daniela Frerix

Die durch „Die Tribute von Panem“ losgetretene Lawine der Jugendbuch-Verfilmungen mit dystopischen Inhalten nimmt kein Ende. Allein mit „Divergent“ und „The Giver“ sind in diesem Jahr schon zwei Filme an den Start gegangen, die in einer düsteren Zukunft spielen, in der sich die jugendlichen Protagonisten einer Übermacht entgegenstellen müssen. Von diesem Schema weicht auch „Maze Runner“, der auf dem ersten Teil der „Auserwählten“-Trilogie von James Dashner basiert, nicht großartig ab. Allerdings ist der überraschende Mangel an romantischen (Ver-)Wirrungen dem Spannungsaufbau nur zuträglich.

Der 16-jährige Thomas (Dylan O’Brien) erwacht in einem aufwärts fahrenden Aufzug und kann sich an nichts mehr erinnern. Oben angekommen, wird er von einer Gruppe gleichaltriger Jungen in Empfang genommen, die dieses Verwirrspiel offenbar schon kennen. Denn wie Thomas bald erfährt, kommen einmal im Monat ein Neuankömmling und frische Vorräte mit dem Fahrstuhl zu ihnen auf die von einem gewaltigen Labyrinth umgebene Lichtung. Schon seit Jahren versucht die Gruppe, einen Fluchtweg zu finden. Dazu werden jeden Tag die sogenannten Läufer losgeschickt, um die Wege durch das Labyrinth zu untersuchen. Dieser Job bringt zwar Ansehen mit sich, ist aber auch alles andere als einfach, da die riesigen Mauern sich Nacht für Nacht verschieben. Außerdem lauern im Labyrinth die Griewer, die ein Überleben bei Nacht fast unmöglich machen. Als jedoch eines Tages Terese (Kaya Scodelario) auf die Lichtung kommt, scheint sich alles zu verändern…

Eindrucksvolle Bilder und gelungener Spannungsaufbau

Nach der rasanten Fahrt im Aufzug beginnt der Film überraschend ruhig. Hollywood-Neuling Wes Ball, der mit seinem bildgewaltigen Animationskurzfilm „Ruin“ auf sich aufmerksam gemacht hat, nimmt sich die erste halbe Stunde Zeit, um den Alltag auf der Lichtung in Szene zu setzen und sowohl dem Zuschauer als auch dem Protagonisten Thomas einen Überblick über den mysteriösen Ort zu geben. Nach den anfänglichen Erklärungen schieben sich dann jedoch immer deutlicher die Action-Sequenzen in den Vordergrund. Die düsteren, hoch aufragenden Betonwände des Labyrinths bieten eine eindrucksvolle Kulisse und meistens gelingt es den Protagonisten erst in letzter Sekunde, sich noch durch irgendeinen Spalt zu quetschen und so den spinnenartigen Griewern zu entwischen. Diese Roboter-Monster sind zwar die einzige Bedrohung im Labyrinth, haben es dementsprechend aber auch in sich und werfen vor allem auch weitere Fragen zur Entstehung der Lichtung auf.

Keine Romanze? Gut so!

Aber „Maze Runner“ sticht nicht nur durch atmosphärische Aufnahmen, sondern auch dadurch hervor, dass sich im Vergleich zu vielen anderen Jugendbuch-Verfilmungen nicht sofort eine Romanze abzeichnet. Zwar stößt mit der von Kaya Scodelario gespielten Terese das erste und bislang einzige Mädchen zur Gruppe, allerdings bleibt ihre Rolle überschaubar und eine mögliche Beziehung zwischen ihr und Thomas wird lediglich angedeutet. Dem Spannungsaufbau des Films ist das nur zuträglich, weil dadurch nie das Wesentliche in den Hintergrund gerät. Nur das Ende hätte insgesamt ausführlicher gestaltet werden können. Denn anstatt die Auflösung auszukosten und dem Zuschauer „Verdauungszeit“ zu geben, wird in die letzten zehn Minuten noch schnell die Überleitung zur Fortsetzung gezwängt, wodurch sich natürlich mehr Fragen auftun als beantwortet werden. Aber zumindest macht dieses Ende neugierig auf den bereits für nächstes Jahr angekündigten zweiten Teil der Trilogie.

Alles in allem ist „Maze Runner“ ein spannender und vor allem atmosphärisch beeindruckender Mystery-Thriller, mit dem vor allem Fans von „Die Tribute von Panem“ absolut nichts falsch machen. Allerdings wirkt das vom Ansatz her interessante Finale überhastet und wirft Fragen auf, die erst nächstes Jahr oder in den Büchern beantwortet werden. Wer die Bücher (noch) nicht gelesen hat, muss dahingehend also eine gewisse Frustrationstoleranz mit ins Kino bringen.

Alle Bilder: © 2014 20th Century Fox

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