Dem Himmel entgegen

Von Rebecca Deus

Nach einer jüngsten Statistik steigen die Mietpreise weiterhin an. In deutschen Universitätsstädten finden sich die teuersten WG-Zimmer in Düsseldorf, Köln und Münster. Bonn mangelt es weiterhin an genügend günstigem Wohnraum.

Bild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Nachdem zum Start des neuen Wintersemesters im Oktober wieder viele wohnungssuchende Erstsemester geschockt über den Immobilienmarkt und insbesondere die Quadratmeterpreise in Bonn waren, bestätigt nun eine Statistik vom Immobilienportal „immobilienscout24“ die Eindrücke. Wie das Portal berichtete, wurden in dieser Studie die durchschnittlichen Mietpreise für WG-Zimmer in 75 deutschen Universitätsstädten ermittelt und mit diesen Daten eine Rangfolge erstellt. Als Basis diente die durchschnittliche Warmmiete pro Bewohner in einer 3er-WG von 80 Quadratmetern. Im nationalen Vergleich liegt Bonn mit 330 Euro für ein Zimmer (!) inklusive Nebenkosten auf Platz 18 und damit über dem Durchschnitt von 300 Euro. In Nordrhein-Westfalen gehören die beliebten Hochschulstädte Düsseldorf (361 Euro), Köln (351 Euro) und Münster (320 Euro) zu den teuersten Wohngebieten; die günstigsten WG-Zimmer in NRW findet man in Duisburg mit durchschnittlich 231 Euro. Laut „immobilienscout24“ ist das gemeinschaftliche Wohnen in mittelgroßen Städten oder ostdeutschen Hochschulstädten, beispielsweise in Chemnitz, mit durchschnittlich 204 Euro pro Zimmer am günstigsten. Nationaler Spitzenreiter bleibt München (521 Euro), wo die Mietpreise seit dem Wintersemester 2012/13 um 5 % gestiegen sind, gefolgt von Frankfurt am Main (418 Euro). Dort sind die Preise im gleichen Zeitraum laut „immobilienscout24“ sogar im zweistelligen Prozentbereich gewachsen.

Anstieg auch in Bonn

Auch in Bonn ist der Mietpreis für ein WG-Zimmer im Vergleich zum Wintersemester 2013/14 um 2 % gestiegen. Wie der General Anzeiger berichtete, ging der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) Anfang diesen Jahres auch von einer Mietsteigerung von 2 % aus, im gesamtdeutschen Raum beträgt die tatsächliche Steigerung aber bereits 5 %. Grundsätzlich ist eine jährliche Mietpreissteigerung aufgrund von steigender Nachfrage und sinkenden Leerständen einzukalkulieren. Das hängt auch damit zusammen, dass es heute so viele Singlehaushalte in Deutschland gibt wie noch nie.

Mirco Theiner, der Geschäftsführer des Mieterbundes Rhein/Sieg/Ahr, erklärte auf Nachfrage von bonnFM, dass insbesondere in Bonn durchgeführte Bauvorhaben hauptsächlich luxuriöse und hochpreisige Wohnungen beträfen und auf die Nachfrage der Studenten gar nicht eingegangen worden sei. Dadurch entstand ein Mangel an kleinen und günstigen Wohnungen, weshalb deren Preise weiter nach oben gingen.

Damit die Preise aber nicht ins Unermessliche steigen und Menschen im mittleren und niedrigen Einkommensbereich – wie Studenten – ihre Wohnkosten weiterhin tragen können, will der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips, laut Bild am Sonntag ab 2015 die Einführung der Mietpreisbremse durchsetzen. Demzufolge dürfte die Miete dann höchstens 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

Was tut die Stadt Bonn?

Wenn die Mieten weiterhin so stark ansteigen, wird das Studium an den beliebten Hochschulen, darunter auch Bonn, bald nur noch für Studenten mit einkommensstarken Eltern finanzierbar sein. Laut Presseamt der Stadt Bonn will die Stadt diesem Umstand mit der sogenannten „Zweckentfremdungssatzung“ entgegenwirken. „Eine Zweckentfremdung liegt vor, wenn dem Wohnraum die Wohnnutzung entzogen wird. Dies kann durch Leerstand, Umnutzung oder Abbruch erfolgen“, lautet die offizielle Erklärung. Dementsprechend hat die Stadt laut Pressemitteilung 10.000 Wohnungen abgefragt. Die Quintessenz aus dieser Untersuchung ist, dass von den 10.000 Wohnungen 371 entsprechend der Satzung als Wohnraum zur Verfügung gestellt werden müssen. 27 weitere Wohnungen warten noch auf ihre Sanierung, 196 leerstehende Wohnungen müssen noch überprüft werden.

Im Gespräch mit bonnFM verwies die Pressesprecherin der Stadt Bonn auch erneut auf die Kampagne „Zimmer frei?!“, die in Zusammenarbeit der Hochschulen mit der Bundesstadt, dem Rhein-Sieg-Kreis sowie mit einigen Partnereinrichtungen ins Leben gerufen wurde. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Wohnsituation für Studierende in Bonn und Umgebung zu verbessern. Im Internetportal auf http://www.zimmerfrei-bonn.de/ können Wohnräume sowohl gesucht, als auch angeboten werden.

Als Alternative wenden sich viele Studenten an die Wohnheime des Studentenwerks, wo es ein Einzelzimmer ab 184 Euro und Appartements ab 204 Euro zu mieten gibt. Allerdings sind diese meist weit im Voraus völlig überlaufen und man muss sich auf lange Wartelisten setzen lassen. Mirco Theiner vom Mieterbund Rhein/Sieg/Ahr rät wohnungssuchenden Studenten, bei Wohnungsgesellschaften anzufragen, da diese auf eine große Anzahl von Bestandswohnungen zurückgreifen können und so die Mieten niedrig halten können. Ein Blick auf die Internetseiten der Bonner Wohnungsgesellschaften „Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Bonn eG“ ( http://www.gwg-bonn.de/ ) und „Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG“ ( http://www.vebowag.de/ ) lohnt sich schon alleine, um sich einen Überblick über die Preise und Möglichkeiten in den verschiedenen Stadtteilen zu verschaffen.

Die Stadt Bonn bietet hierfür auch einen Online-Dienst an. Nach der Eingabe von Adresse, Ausstattung und Größe der Wohnung erhält man eine Einschätzung zur Qualität von Lage und Ausstattung hinsichtlich der Vergleichsmiete im angegebenen Stadtbereich: http://www.bonn.de/umwelt_gesundheit_planen_bauen_wohnen/bauen_und_wohnen/mietspiegel/14731/index.html

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