Monsieur Claude und seine Töchter

Von Carmen Baustert

© Neue Visionen Filmverleih


Die 12. Französischen Filmtage Bonn zeigten den Film vor ausverkauftem Haus in Anwesenheit des Darstellers Noom Diawara. Bereits im Vorfeld erfreute sich der Film so großer Nachfrage, dass eine zweite Vorführung angesetzt werden musste. Seit dem 24. Juli läuft der Film in allen deutschen Kinos.

Die Komödie befasst sich mit einer gutbürgerlichen Familie, die ihre vier Töchter in die Hände von Schwiegersöhnen mit Migrationshintergrund gibt. Wie die katholischen Eltern darüber denken, zeigt bereits der Originaltitel des Films: „Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?“, zu deutsch: „Was haben wir dem lieben Gott nur getan?“

Handlung

Claude, gespielt von Christian Clavier („Asterix und Obelix“) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) haben vier hübsche und gebildete Töchter, für die sie sich nur das Beste wünschen. Die lokalpatriotischen Katholiken sind daher nicht erfreut, als sie für ihre Töchter eine internationale Hochzeit nach der nächsten ausrichten müssen. Ségolène (Emilie Caen, die übrigens auch eine kleine Rolle in „Ziemlich beste Freunde“ hatte) heiratet den Chinesen Chao (Frédéric Chau), Isabelle (Frédérique Bel) den Muslim Rachid (Medi Sadoun) und Odile (Julia Piaton) den jüdischen David (Ary Abittan). Vor allem der von Vorurteilen geplagte Vater Claude kann und will dies nicht gutheißen und so eskalieren die Familienessen zumeist in einem großen Streit, bei dem sich nicht nur die Eltern und Schwiegersöhne, sondern auch die Schwiegersöhne untereinander böse Sticheleien an den Kopf werfen. Wie durch ein Weihnachtswunder rauft man sich dennoch zusammen und aus den drei Schwiegersöhnen werden sogar „ziemlich beste Freunde“. Dennoch setzen die Verneuils alle Hoffnung auf ihre vierte und letzte Tochter Laure (Elodie Fontan), und als diese verkündet, den katholischen Charles (Noom Diawara) heiraten zu wollen, sind alle ganz aus dem Häuschen. Doch die Freude hält nicht lange, denn Charles kommt von der Elfenbeinküste und hat einen ebenso rassistischen Vater wie Laure. Die letzte Hochzeit im Hause Verneuil steht jedenfalls unter einem schlechten Stern und so könnte der Film auch den Titel tragen: Ein Rassist kommt selten allein.

„Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?“

Das Thema des Films ist, vor allem in Frankreich, sehr zeitnah: Rund 20 Prozent der Franzosen leben in einer Ehe mit gemischter Herkunft. Eine entsprechende Studie gab für Regisseur Philippe de Chauveron den Ausschlag zur Entstehung des Films. Bei einem solchen Konfliktpotenzial ist es wohl verständlich, dass der Film trotz Erfolg auch auf Kritik stößt: Darf man über ein so ernstes Thema überhaupt lachen? Und hat der Film überhaupt eine politisch vertretbare Botschaft? Ich sage, ja! Denn meiner Meinung nach will der Film die Problematik nicht ins Lächerliche ziehen, sondern zeigt vielmehr, dass Vorurteile überall auf der Welt existieren. Dadurch, dass der Film eben diese Vorurteile ins Lächerliche zieht, vermittelt er die Botschaft, diese doch einfach mal abzulegen, sich der anderen Kultur zu öffnen und Freundschaften zu schließen. Der Film jedenfalls macht dies mit Hollywood-reifem Happy End möglich. Besonders gut gefällt mir dabei, dass Meinungsverschiedenheiten durch alle Nationen und Konfessionen dargestellt werden und dass auch eine hübsche weiße Schwiegertochter nicht in jeder Familie willkommen ist. Genau das wollte der Regisseur, der privat ebenfalls viele internationale Kontakte pflegt, auch zeigen: „Jede Figur des Films hat Fehler. Und darüber möchte man lachen, ohne Hintergedanken.“

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