Niederlage in letzter Sekunde

von Kevin Scheuren

Foto: Sebastian Derix

Bei den Telekom Baskets Bonn will es nicht richtig laufen. Zwar war die Leistung gegen den französischen Vizemeister Straßbourg IG im Vergleich zu den letzten Auftritten in der Beko BBL formverbessert, was am Ende bleibt, ist aber die Ernüchterung nach einer 83:86-Niederlage in der letzten Sekunde. 

Nur kleinere Veränderungen zu Beginn

Beim Medientraining am Tag vor dem Spiel sagte Cheftrainer Mathias Fischer, er könne sich vorstellen mit einer ganz anderen Startformation ins Spiel zu gehen. Am Ende war es dann aber nur eine kleine Änderung, die er vornahm. Auf der Center-Position startete Dirk Mädrich für Tadas Klimavicius. Und wenn man so will, dann auch, dass Angelo Caloiaro für Ryan Brooks begann. Der Start in die Partie verlief dann wie in den letzten Spielen auch – etwas verpennt. Nach etwas unter vier Minuten Spielzeit stand es 4:12 aus Bonner Sicht, aber gegen die Franzosen rappelten sie sich früher auf. Nachdem man den Respekt vor Straßbourg ablegte, lief es eigentlich auch ganz gut. Es gab schöne Ballstafetten zu sehen, die dann auch erfolgreich abgeschlossen wurden, u.a. von Steve Wachalski nach Assist von Tadas Klimavicius (11:14, 6:30 Min.). Verbessert wurde ebenfalls die Leistung in der Defense, die stabiler und aktiver war und den Gegner auch mal dazu trieb, die Spieluhr auszuspielen, aber nicht abzuschließen (8 Min.). Das erste Viertel ging aber leider mit 16:21 an die Franzosen, die mir Spielern wie Diot, Lamcobe oder Campbell einfach treffsicherer waren und auch ein bisschen mehr Wurfglück hatten, v.a. von draußen. 

Im zweiten Viertel waren die Bonner dann richtig stark und legten ordentlich vor. Schnell gingen die Bonner durch Punkte von Tadas Klimavicius, Benas Veikalas und Steve Wachalski in Führung (24:21) und trieben Straßbourg-Coach Vincent Collet zur ersten Auszeit nach 12:02 Minuten. Aber auch davon ließen sich die Baskets nicht beeindrucken und lieferten einen 6:0 Lauf ab, unter anderem mit einem der vielen Dreier von Steve Wachalski an diesem Abend. Im Anschluss daran verloren die Baskets aber immer wieder leicht den roten Faden in der Partie. Einige dumme Abspielfehler, wie bspw. ein Pass von Angelo Caloiaro, sorgten für Gegenstöße und Punkte der Franzosen. Das war auch der Grund, warum die Baskets nie richtig davonziehen konnten, was aber durchaus möglich gewesen wäre, hätte das Wurfglück nur ein bisschen mehr auf Bonner Seite gestanden. 10 Sekunden vor der Halbzeit stand es dann 42:42, aber – als ob es ein Hinweis auf das war, was am Ende der Partie sein sollte – haute Louis Campbell kurz vor der Halbzeitsirene einen Dreier in die Bonner Reuse zum 42:45 und schickte beide Mannschaften damit zum Pausentee. 

Der Buzzerbeater des Grauens

Das dritte Viertel war dann der große Auftritt von Steve Wachalski, der quasi jeden Dreier reinmachte, den er sich vornahm. Besonders zu Beginn der zweiten Halbzeit strahlte Wachalski eine immense Sicherheit hinter der Linie aus und brachte die Baskets ein ums andere Mal in Führung. Aber leider spielten die Straßbourger mit und zogen auch ständig nach, wie bspw. Jeremy Leloup zum 50:50 (24. Min.). Danach gab es aber wieder einen Sturmlauf der Bonner, angetrieben auch vom Publikum in der Halle. Ein 10:0-Lauf, eingeleitet von einem Dreier durch – natürlich – Steve Wachalksi und untermauert durch Punkte von Benas Veikalas, Tadas Klimavicius (vorangegangen war ein hervorragender Steal von Eugene Lawrence, der ebenfalls besser spielte als zuletzt) und einem Dreier von Ryan Brooks. In der Folge ließ man die Franzosen aber wieder atmen und der Abstand schmolz bis zum Ende des Viertels auf 6 Punkte (64:58), aber insgesamt war ein richtig starkes Viertel der Bonner. 

Vor dem letzten und entscheidenden Viertel war dann die Frage, ob die Bonner diesen Schwung mitnehmen können und endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis feiern dürfen. Die Antwort auf diese Frage gab es ganz am Ende der letzten 10 Minuten, bis dahin war es aber nochmal eine offene, umkämpfte und aggressive Partie. Die Bonner konnten den Vorsprung noch eine ganze Zeit halten, standen gut unter dem eigenen Korb und nutzten die Fehlwürfe der Franzosen aus. Eine ganz starke Szene gab es nach knapp 35 Minuten Spielzeit zu sehen, als Tadas Klimavicius hervorragend unter dem Straßbourger Korb gearbeitet hat, um Eugene Lawrence in Szene zu setzen, der abschließen konnte. Dafür gab es einen gerechtfertigten Jubel. Aber auch danach war der Litauer stark, diesmal mit einem Block vor dem eigenen Korb. 2:30 Minuten vor dem Ende sah das Ganze noch sehr gut aus für die Baskets, man schien es im Griff zu haben. Es gab sogar einzelne Aktionen, die vom Schiedsrichter zum Vorteil Bonns gesehen wurden, wie ein eigentliches Offensivfoul von Angelo Caloiaro, der das zum 78:71 nutzte. Beim Stand von 82:80 war es Eugene Lawrence, der 4 Sekunden vor dem Ende an der Freiwurflinie stand, aber nur einen reinmachte. Den Gegenstoß nutzte Straßbourg zu einem schnellen Angriff und Tadija Dragicevic zu einem Drei-Punkte-Wurf zum 83:83. Mathias Fischer nahm nochmal eine Auszeit, schwörte sein Team auf die letzten 3,4 Sekunden ein. Dann ging es weiter, Bonn im Ballbesitz, aber Tadas Klimavicius foulte wohl offenbar, was Straßbourg den Ballbesitz gab. Und was sie daraus machten, zeugte von unheimlicher Routine und Abgeklärtheit. Der Ball kam zum Europameister Antoine Diot, der sich die Chance nicht nehmen ließ und per Buzzerbeater die Lichter für die Baskets ausmachte. 83:86 stand es am Ende und die große Ernüchterung machte sich in der Halle breit. Bester Bonner Werfer mit 24 Punkten war der überragende Steve Wachalski.

Und nun?

Es war alles ein bisschen besser. Der Einsatz bei den Baskets war höher, die Teamgeschlossenheit war größer und auch defensiv stand man durch einen starken Andrej Mangold besser. Am Ende bleibt es aber dabei, dass das Ergebnis nicht stimmte. Es war eine unnötige Niederlage, hätte man durch ein bisschen mehr Cleverness und mehr Wurfglück durchaus den Sieg mit nach Hause nehmen können. Dieser muss dann jetzt am Sonntag gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück kommen. Um 17 Uhr geht’s los, wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit dem Ex-Bonner David McCray, aber hoffentlich gibt’s nach dem Spiel auch mal wieder einen Grund zur Freude für das Bonner Publikum und die Mannschaft. Denn wenn man mit dem gleichen Einsatz spielt, wie man es gegen die Franzosen tat, dann kann man Artland auf jeden Fall schlagen. 

 
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