Noch viel zu lernen

von Kevin Scheuren

Foto: Sebastian Derix

Man hatte sich viel vorgenommen vor der Partie gegen ALBA Berlin. Physisch müsse man spielen, sagten Florian Koch und Headcoach Mathias Fischer uni sono ins bonnFM-Mikrofon vor der Partie. Was am Ende aber vor allem fehlte, war die Physis. Viel zu leicht ließ man sich von der individuellen Klasse des Meisterschafts-Mitfavoriten beeindrucken und stellte zu wenig dagegen. Nach 40 Minuten Spielzeit hieß es aus Sicht der Bonner verdient 74:83 für die Gäste aus der Hauptstadt. Coach Fischer sprach in der anschließenden Pressekonferenz davon, dass man noch viel lernen müsse. Damit liegt er nicht falsch.

Nach fünf Minuten wirkte der Drops schon angelutscht

Die Berliner reisten mit drei Ex-Bonnern an, die allesamt verschiedenartig begrüßt wurden vom Bonner Publikum. Mannschaftskapitän Alex King erhielt verhaltenen Beifall, bei Jamel McLean brandete Jubel auf und Jonas Wohlfarth-Bottermann wurde ausgepfiffen. Die Fans auf der Südtribüne zündeten vor der Partie noch ein Konfetti-Feuerwerk, es sollte das spektakulärste aus Bonner Sicht bleiben. Coach Fischer schickte Benas Veikalas, Ryan Brooks, Angelo Caloiaro, Eugene Lawrence und Tadas Klimavicius als Starting Five aufs Parkett. Berlins Trainer Sasa Obradovic Alex King, Akeem Vargas, Leon Radosevic, Reggie Redding und Clifford Hammonds. Und beflügelt von ihrem Sieg gegen die NBA Champions San Antonio Spurs am vergangenen Mittwoch legten die Gäste auch direkt los. Nach etwa 5 Minuten im ersten Viertel war der Drops für die Bonner bereits angelutscht. Ein 10:0-Lauf der Berliner wurde erst nach 5:45 Minuten durch einen Drei-Punkte-Wurf von Mickey McConnell gesprengt. Bis dahin ließen die Bonner sehr oft eigene Chancen ungenutzt (Ryan Brooks & Angelo Caloiaro) und gaben den Ball auch zu schnell und einfach ab (am Ende des ersten Viertels 5 Turnover – Berlin nur einer). Insgesamt muss man auch anerkennen, dass die Defensive der Albatrosse sehr eng stand und den Bonnern offensiv wenig Luft zum atmen gab. Mit 12:21 aus Bonner Sicht schickte Steve Wachalski die Teams per Buzzerbeater in die Viertelpause.

Im zweiten Viertel wurde der Abstand zwischen beiden Mannschaften noch größer. Die Baskets ließen sich im Aufbauspiel sehr oft aus der Ruhe bringen. Grade Point Guard Eugene Lawrence war völlig neben der Spur, gab den Ball alleine drei Mal bis zur Halbzeit hab. Dementsprechend gab es leider wenige, kreative Angriffe, die die Berliner aus der Reserve lockenm konnten. Ein 7:0-Lauf der Berline wurde in der 18. Minute durch einen Slamdunk von Alex King vollendet, den Ball vorab verlor Eugene Lawrence einmal mehr. Auch unter dem Korb taten sich die Bonner weiter schwer, auf beiden Seiten. Die Reboundstatistik war zur Halbzeit mit 9:13 aus Bonner Sicht zwar relativ okay, aber ganz oft fehlte dem Team von Coach Fischer die physische Präsenz unter dem Korb. Grade Tadas Klimavicius tat sich gegen das körperbetonte Spiel von Jamel McLean oder Leon Radosevic erst noch sehr schwer. Die letzten Punkte der ersten Halbzeit gingen aber wieder auf das Konto der Telekom Baskets. Es wirkte nur leider wie eine schöne Makulatur. Mit 31:48 ging es in die Pause. 

Druckphasen werden nicht genutzt – mangelndes Wurfglück

Vor dem Beginn der zweiten Halbzeit sahen die Gesichter der Baskets-Spieler nicht sonderlich zuversichtlich aus. Beim Einwerfen in der Pause hingen die Schultern stark runter, Optimismus war kaum zu spüren. Aber die Bonner präsentierten sich durchaus besser in der zweiten Hälfte. Wie Coach Fischer in der Pressekonferenz sagte, hat er sein Team daran erinnert, dass man immer kämpfen muss und jedes Spiel drehen kann. Wie schon in Tübingen war vor allem Center Tadas Klimavicius in der zweiten Halbzeit wesentlich präsenter im Spiel und erzielte im dritten Viertel alleine 6 Punkte. Das große Manko der Bonner an diesem Abend war auch, dass sie immense Druckphasen nicht komplett ausnutzen konnte um den Abstand schmelzen zu lassen. Kurz vor dem Ende des dritten Viertels riss bei den Fans auch so langsam der Geduldsfaden. Die vielen, einfachen Fehler zogen Pfiffe und die Sprechchöre „Wir woll’n euch kämpfen sehen!“ nach sich (28. Minute). Einer, der sich diese Ansage zu Herzen nahm und richtig Schwung reinbrachte war Florian Koch. In seinen knapp 3:30 Minuten Spielzeit im dritten Durchgang zeigte er im Rahmen seiner Möglichkeiten alles, was er konnte. Viel Einsatz, Kampf und Wille. Dazu ein schöner Steal, Sturmlauf und Punktgewinn samt Foul zum zwischenzeitlichen 46:62 (28:17 Min.). Viel brachte es aber nicht, denn recht eindeutig ging es mit 49:66 in das letzte Viertel.

Im letzten Viertel kam dann wieder das fehlende Wurfglück ans Tageslicht. Das machte die Druckphasen der Bonner eben auch zu Nichte. Den Abstand konnten die Baskets aber auch verringern, bis auf 10 Punkte kamen sie vier Minuten vor dem Ende ran durch Freiwürfe von Ryan Brooks. Auch die Defensive stand zu diesem Zeitpunkt sehr stabil, auch wegen Andrej Mangold der nach seiner Verletzung außerordentlich fit wirkte. Aber um dann das kleine Quäntchen Glück zu haben, reichte es da auch nicht. „Dre“ Gold verpasste ebenso einfachste Punkte wie eigentlich jeder Spieler der Baskets mal an diesem Abend. Es sollte einfach nicht sein. Angelo Caloiaro musste dann auch nach dem fünften Foul das Spielfeld verlassen, was natürlich eine Option weniger im Spielsystem von Mathias Fischer bedeutete. Nach 37:45 Minuten hatte Steve Wachalski an der Freiwurflinie die Möglichkeit den Abstand auf sechs Punkte zu senken, er verpasste aber beide Freiwürfe, Clifford Hammonds machte im Gegenzug den Laden dicht. ALBA Berlin gewann am Ende hochverdient mit 74:83. Die Berliner waren den Baskets in allen Belangen überlegen. Und wenn bei den Baskets eine wichtige Stütze wie Eugene Lawrence quasi ein ganzes Spiel lang wegbricht, dann wird es eben sehr schwer sich gegen ein Spitzenteam wie ALBA durchzusetzen. Bester Werfer auf Seiten der Bonner war Tadas Klimavicius mit 17 Punkten, bei den Berliner punktete Leon Radosevic mit 13 Zählern am Häufigsten. 

Und nun?

Es wird eine immense Aufgabe für Coach Fischer das Team innerhalb von 2 Tagen wieder aufzurichten. Eine sehr ernüchternde und enttäuschende Leistung gegen ALBA Berlin muss aufgearbeitet werden, damit man sich bereits am morgigen Sonntag bei den Fraport Skyliners in Frankfurt rehabilitieren kann. Aber auch das wird nicht einfach, denn die Frankfurter machten es dem amtierenden Deutschen Meister Bayern München vor einigen Tagen alles andere als leicht. Die Baskets müssen unter dem Korb besser verteidigen und mit mehr Willen und Herz an die Rebounds gehen. Zudem braucht es mehr Wurfglück und einen besseren Tag von Eugene Lawrence. Und dann ist da ja auch noch der Eurocup und das Spiel gegen Saragossa am kommenden Mittwoch im Telekom Dome. Aber das ist noch Zukunftsmusik, erst einmal muss im Tagesgeschäft Bundesliga wieder ein Sieg her, damit man nicht zu lange auf dem 14. Tabellenplatz verharrt. 

 
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