Geboren mit Ballonherz

Von Jasmin Vettel

Für bonnFM trafen sich Sascha Lübke und Jasmin Vettel backstage mit dem deutschen Rapper Olson in der Kölner Live Music Hall und sprachen mit ihm über sein Debutalbum sowie sein Ballonherz zur gleichnamigen ersten eigenen Tour.

Bild: Universal Music Group / Brecheis

bonnFM: Dein erster Auftritt bei der Ballonherz-Tour war am 29. Oktober 2014 in Frankfurt. Wie waren die ersten Konzerte?

Olson: Sehr schön. Es war ja quasi das erste Konzert meiner ersten eigenen Tour, das war ein sehr verrücktes Gefühl, weil da plötzlich Menschen standen, die meine Texte mitsingen konnten. Das hatte ich vorher noch nie erlebt. Ich hab mich fast schon ein bisschen erschrocken, das war sehr cool. München am Tag darauf war auf jeden Fall bisher das schönste Konzert, weil da waren so viele motivierte Menschen waren. Gestern in Stuttgart war es ein bisschen kleiner, so in der Art eines Jugendzentrums, aber auch sehr charmant, gerade dadurch, da es so familiär war. Heute sind wir in Köln, da freue ich mich richtig krass drauf. Ich spiele hier eigentlich immer am Liebsten, da ich hier schon drei Mal mit „Prinz Pi“ war und es daher eigentlich meine Lieblingslocation und eine Art „Home Base“ ist, auch wenn ich eigentlich aus Düsseldorf komme. In Köln ist das Feedback aber immer am Besten.

bonnFm: Du hast auch einen Support Act dabei: Sofie de la Torre – eine spanische Sängerin, die englischsprachige Musik macht. Wie kam es dazu, dass Du sie als Support Act gewählt hast?

Olson: Also wir sind zwar ein bisschen unromantisch, weil wir im selben Musikverlag sind und sie mir quasi ans Herz gelegt wurde, aber ich bin sofort ein großer Fan geworden. Sie macht zwar Popmusik, aber sehr urban – leicht „Drakeeske“ und das hat mir sehr gut gefallen. Ich habe sie daraufhin gefragt, ob sie Lust hat mein Support zu sein und sie hatte Lust.

bonnFM: Du warst zuvor mit „Prinz Pi“ auf Tour – Kam der Deal mit Universal über ihn zustande?

Olson: „Pi“ hat mich 2011 ja mal mit auf Tour genommen, weil ich ihn einfach so lange genervt habe, bis er gesagt hat „Dann komm halt mit“ und danach hat er mich gefragt, ob ich nicht in seiner Management-Firma unterkommen möchte und seitdem kümmern die sich um mich. 2012 habe ich dann angefangen, das Album zu machen. Ich habe fünf Demosongs fertig gemacht und diese dann rumschicken lassen. Das Feedback darauf war sehr gut und mit den „Universals“ haben wir uns am Besten verstanden. Sie hatten gute Ideen und seitdem arbeiten wir mit denen zusammen.

bonnFM: Namensgebend für die Tour ist Dein Debutalbum „Ballonherz“. Wie kam es zu diesem Namen?

Olson: Ich hatte irgendwann mal die kitschige Idee, dass jeder mit einem Ballonherz auf die Welt kommt und diesem folgt oder eben nicht. Je nachdem, wie der Wind steht, wird es
weggeweht. Dieser Wind steht für andere Einflüsse – Menschen, Begegnungen, Orte, Wünsche, Träume und das finde ich sehr passend. Der Begriff „Ballonherz“ erfasst einfach sehr viel. Mir haben auch viele davon abgeraten, diesen Titel zu verwenden, weil sie meinten, es wäre zu soft, aber ich dachte einfach, es gibt keinen treffenderen Namen, deswegen mach ich das einfach, egal wie soft es ist.

bonnFM: Dein letztes Label war Vegas Label „Freunde von Niemand”, welches Du aber ziemlich schnell wieder verlassen hast. Der Grund dafür war Deine soundtechnische Entwicklung, welche nicht wirklich in das Label Konzept gepasst hat. In etwa dem gleichen Zeitraum hast Du auch Deinen Namen von „Olson Rough“ zu „Olson“ geändert. War Dir damals schon klar, dass Dein Sound in die jetzige Richtung gehen wird?

Olson: Diese Richtung hat sich eigentlich erst im Albumprozess entwickelt und das eher zufällig. Ich wusste noch nicht, dass es so wird, aber ich wusste auf jeden Fall, dass ich nicht mehr dieses Straßenangehauchte machen möchte, weil es einfach nicht mehr zu mir passt. Damals hab ich noch nicht gesehen, wie es letztendlich wird, aber ich wusste, dass es auf jeden Fall nicht mehr dahin passen würde.

bonnFM: War das Weglassen des Zusatzes „Rough“ auch ein Prozess, um mit der Vergangenheit bzw. einem Soundbild komplett abzuschließen?

Olson: Schon. Es war ja auch einhergehend mit dieser Soundänderung, weil ich einfach dieses „Rudeboy“, dieses erste Album, 2009 veröffentlicht habe und da war es schon ein Jahr alt. Ich bin mittlerweile auch schon sechs Jahre älter und bin nicht mehr in der Düsseldorfer Altstadt, wo ich mich mit Leuten prügeln gehe. Ich führe einfach kein Leben was man irgendwie mit „Roughness“ in Verbindung bringen könnte, daher war es das ehrlichste, das ich hätte machen können.

bonnFM: Bei Deinem zweiten Release “40213” hast Du ja schon einen ziemlichen Hype erlebt. Wie steht dieser in Relation zu dem jetzigen Erfolg? Immerhin bist du mit „Ballonherz“ auf Platz fünf der Charts eingestiegen.

Olson: Das ist jetzt so ein bisschen massenkompatibler geworden und dadurch, dass wir jetzt auch ein Label im Rücken haben, bekommen wir Interviewtermine bei Radios, die sich vorher nicht für mich Interessiert hatten oder irgendwo im Fernsehen, auch wenn es nur so der KiKa ist. Das ist so wahrscheinlich der größte Unterschied, dass jetzt auch andere Leute darauf aufmerksam werden, die nicht nur in der Rapszene unterwegs oder aktiv sind.

bonnFM: Das Soundkonzept des Albums hat sich, wie Du bereits kurz gesagt hast, erst im Entstehungsprozess entwickelt und herausgestellt. Hattest Du anfangs irgendwelche Konzepte?

Olson: Ne, also ich bin umgezogen nach Berlin und saß da so in meiner Küche und habe überlegt: „Was würde ich denn so schreiben, wenn ich Musik mache?“ Dann habe ich diesen Aufbruch aus dieser Vorstadt in die Großstadt in einem Lied festgehalten und dann meinte ich so: Das ist das, was mich grade so am meisten beschäftigt, und dann hab ich quasi kurz die Geschichte davor angerissen und die Entwicklung der letzten eineinhalb Jahre, was mich da so beschäftigte. Also eine Ansammlung von Luxusproblemen, keine gesellschaftskritischen Dinge aber eben einfach Liebesbeziehungen, feiern gehen, Freundschaft.

bonnFM: Hat Dir der Umzug nach Berlin karrieretechnisch bzw. in persönlicher Sicht weitergeholfen?

Olson: Ja, vor allem karrieretechnisch, weil die Arbeitswege einfach viel kürzer sind. Ich bin innerhalb von zehn Minuten eigentlich bei jedem, mit dem ich musikalisch oder geschäftlich irgendwas zu tun habe, und mir hat es persönlich insofern weitergeholfen, dass ich da erst mal ein Jahr völlig frei war und meine Jugend nochmal nachgeholt habe, aber irgendwann dann den Arschtritt vom Management bekommen habe, das gesagt hat: „OK, jetzt beruhig Dich mal, Du bist hier hergezogen, um Musik zu machen und nicht um zu feiern.“ Dann gab es so einen sehr großen Wendepunkt, wo ich mich echt darauf konzentriert hab und dann auch ein Stück weit erwachsener geworden bin.

bonnFM: In dem Track „James Dean” stehst Du der Aussage “Und das Glück findest Du am anderen Ende des Landes” noch sehr kritisch gegenüber. Am Ende hat es ja doch zum Erfolg verholfen.

Olson: Ja, aber es beschreibt eben noch so ein wenig die Anfangsphase, wo ich ein wenig übermütig war und dachte, ich wäre so ein besonders cooler Typ, weil ich mit besonders coolen Menschen abgehangen habe und eigentlich gar nichts auf die Kette bekomme, aber rausgeh, als wär ich der coole James Dean. Aber in der weiteren Entwicklung – es ist ja eigentlich eine Geschichte, die ich da erzähle – hab ich mich ja dann wieder beruhigt.

bonnFM: Deine ersten Videos haben ziemlich einprägsame Designs – gerade in „Mein kleines Hollywood” sprichst Du davon, dass Du dir quasi Dein eigenes baust. Gefällt Dir dieser typisch amerikanische Style aus College Party Movies? Gefällt Dir dieser amerikanische Flair?

Olson: Ja voll, sonst würde ich es ja nicht machen. Also, ich bin jetzt kein großer Fan von Hollywood-Kitschfilmen, wo sie alle am Ende die Choreographie, woher auch immer, können und mitsingen, obwohl sie das Lied noch nie zuvor gehört haben. Aber so dieser Look gefällt mir auf jeden Fall sehr, sehr gut und diese Geschichte, die ich da erzähle, ist ja auch sehr amerikanisiert, mit dem footballspielenden Freund von dem Mädchen, das ich mag, der mir aufs Maul hauen will. Da wird natürlich schon so ein bisschen mit Klischees gespielt und als wir dann mit den Videomenschen geredet haben, kam eben die Idee, wir machen das genau so und halten uns daran fest.

bonnFM: Die Tracks auf den Alben sind auch alle sehr groß inszeniert und sehr dramatisch dargestellt. Bist Du auch persönlich exzentrisch? Lebst Du deine Gefühlswelten stark aus?

Olson: Ja, das schon, ich kann jetzt keine Situation nennen, aber ich mag schon bisschen Drama, um den Alltag etwas spannender zu gestalten.

bonnFM: Also durchlebst Du richtig die Höhen und Tiefen?

Olson: Ja doch, also es ist jetzt nicht so, dass ich entweder mit Luftsprüngen durch die Stadt laufe oder weinend zuhause sitze, aber ich bin auf jeden Fall eher so ein emotionalerer Typ… generell sehr gechillt eigentlich, bin jetzt auch nicht so im Gossip Girl Game drin – läuft schon.

bonnFM: War es Dir wichtig, persönliche Themen und Träume im Album anzureißen und für alle sichtbar zu machen?

Olson: Ja, das habe ich ja schon immer gemacht, also textlich schon immer nur von mir erzählt und das habe ich einfach logisch fortgeführt. Das ist zwar alles sehr Ich-bezogen und viele Leute können wahrscheinlich überhaupt nichts damit anfangen, sagen Dinge wie „Warum erzählst Du mir das jetzt, das interessiert mich überhaupt nicht, mit was für Mädels Du jetzt was zu tun hast und wie oft du feiern gehst.” Aber gut, jeder kann sich ja überlegen, ob er es sich anhört oder nicht, und viele können sich da vielleicht auch irgendwas raus nehmen, ob es nur ein Gefühl ist oder etwas, das sie von sich selbst kennen. Wenn das aufgeht, dann freu ich mich auf jeden Fall sehr.

bonnFM: Bei „Cornflakes & Trash TV“ merkt man auch, dass Du einen sehr ruhigen Wesenszug besitzt. Ist es Dir wichtig, regelmäßig ruhige Phasen zum Abschalten zu haben oder kommst Du auch ohne aus?

Olson: Ne, ich brauche das schon. Die erste Hälfte des Jahres war auf jeden Fall sehr anstrengend. Ich war mit „Casper“ auf Tour, musste mein Album noch schreiben, es noch fertig
machen, Videos drehen und bin auch in irgendwie jeder Mail in CC und das geht auch alles über meinen Schreibtisch, weil ich da schon so ein bisschen kontrollsüchtig bin. Das ist schon echt viel, was da jeden Tag reingeflogen ist, und dann gab es eine Radioreise, Promotour, Interviews und dann als das Album rauskam, hab ich einfach mal, glaube ich, vier Wochen nichts gemacht – so wirklich nichts, mal bisschen Sport gemacht und Kumpels getroffen aber sonst hab ich immer bis 15 Uhr im Bett gelegen, gefrühstückt, gechillt und das war dann auch sehr wichtig.

bonnFM: Als abschließende Frage. Wo siehst Du dich in der nahen Zukunft? So in den nächsten fünf Jahren?

Olson: Also generell empfinde ich es sehr schön, wie es gerade ist, ich kann machen, was mir Spaß macht. Ich hab das zu meinem Beruf gemacht, was schon ein riesen Segen ist und wenn es so weiter läuft und gesund wächst, ist das alles perfekt. Also natürlich würd ich mich freuen, vor ein paar mehr Leuten dann mal zu spielen, aber sonst kann alles gerne so bleiben.

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