Powerpoint im Quadrat

Von Rebecca Stüsser

Am 17.11.2014 fand in Bonn die zweite Pecha-Kucha-Night statt. Das aus Japan stammende Vortragsformat Pecha-Kucha („Petschaktscha“ gesprochen) setzt auf Timing, Improvisation und geistreiche Performance der Teilnehmer. Weltweit gibt es das Format inzwischen in 750 Städten.

Bild: Lena Willems

20 Folien, die jeweils für 20 Sekunden zu sehen sind, so viel Zeit hat jeder Vortragende für ein Thema seiner Wahl. Nach dem Start der Präsentation hat der Referent keinerlei Einfluss mehr auf die Durchlaufzeit der einzelnen Folien. Spricht er zu langsam, sieht das Publikum bereits die nächste Folie, spricht er zu schnell, herrscht sekundenlange Stille – hier ist dann das Improvisationstalent der Performer gefragt. Bei der Themenfindung sind den Vortragen keine Grenzen gesetzt, solange die Inhalte weder rassistisch noch diskriminierend sind. Die vergangene Pecha-Kucha-Nacht hat bereits zum zweiten Mal im Basecamp Hostel Bonn stattgefunden. Auf die Frage, warum dieses Wohnwagen-Hostel erneut Schauplatz der Veranstaltung geworden ist, antwortete Veranstalterin Melanie Vogel: „Wir haben nach einem Veranstaltungsraum gesucht, der dieses Format zulässt. Und alleine die Location hier ist schon innovativ und inspirativ“.

Stadt-Blogs und Nazi-Nippes

Die Vortragsthemen waren am Abend bunt gemischt. Eine Hebamme sprach zu Aquarellbildern einer befreundeten Künstlerin über ihre jahrelange Arbeit im Geburtshaus Bonn. Andere Teilnehmer referierten über verschiedene Arten der Selbsthilfe, Entschleunigung und Power-Workshops. Ein Blogger aus Bonn stellte seine Website vor, auf der er ein Netzwerk aller Blogs der Stadt erstellt hat. Das interessante Wort „Nazi-Nippes“ fiel bei einem Beitrag über eine gefundene Kiste, die Dokumente und Orden eines unbekannten Mannes enthielt. Der Finder hat es sich daraufhin zum Hobby gemacht, die Geschichte dieses Mannes zu rekonstruieren, um zu dem Schluss zu kommen, dass der Unbekannte ein Offizier im ersten und zweiten Weltkrieg war, der später in die SPD wechselte und zeitlebens Orden, Plaketten oder anderen „Nazi-Nippes“ gesammelt hat. Zwar waren die insgesamt 12 Vorträge alle unterschiedlich, dennoch wäre mehr Kreativität bei der Themenfindung wünschenswert gewesen, um die Vorstellung des eigenen Lebensweges oder die Bewerbung der eigenen Selbsthilfegruppe weniger in den Vordergrund zu stellen.

Für alle Interessierten – der studentische Anteil unter den Referierenden war verschwindend gering – die ein spannendes Thema in 20 Folien verpacken und vorstellen wollen, gibt es eine frohe Botschaft: Am 20.02.2015 findet die nächste Pecha-Kucha-Nacht in Bonn statt. Das Besondere diesmal ist, dass an diesem Termin weltweit Pecha-Kucha-Nächte zelebriert werden. Wie man sich bewerben kann und welche Regeln man einhalten muss, ist hier zu erfahren: http://www.pechakucha-bonn.de/home

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