RADIOlogie: Bienen

Sie fliegen, sie summen, sie bestäuben, sie stechen, sie produzieren Honig. Sie kommunizieren mit Tänzen und haben an der Klimaerwärmung zunächst nichts auszusetzen: Bienen.

In jeder Ausgabe der Radiologie, der Wissenschaftssendung bei bonnFM, durchleuchten wir ein spannendes Thema. Hier haben wir für euch die Inhalte, Quellen und Statistiken zu unseren Beiträgen aufbereitet.

Lust auf mehr Radiologie? Hier findet ihr alle bisherigen Ausgaben.

Warum die Uni Bonn eine eigene Imkerei hat

Dete Papendieck ist Imkermeister. Er leitet aber nicht irgendeine Imkerei, sondern die offizielle Imkerei der Universität Bonn. Die Räume zur Honigherstellung sowie ein Teil der Bienenstöcke befinden sich am Venusberg, weitere Bienenstöcke verteilen sich über ganz Bonn und das angrenzende Umland. Im Gegensatz zu einer normalen Imkerei ist die Uni-Imkerei eine sogenannte „Versuchs- und Ausbildungsimkerei“. Der Schwerpunkt liegt also auf der Forschung, vor allem aber auch auf der Lehre. Die angebotenen Lehrveranstaltungen heißen inoffiziell „Bienenkurs“ und haben durch die naturverbundene Arbeit mit den Bienen einen hohen Praxisbezug.

Alltag eines Imkers

Den typischen Tag im Leben eines Imkers gibt es nicht. Nahezu täglich sind andere Aufgaben zu erledigen. Was gerade anfällt, hängt vor allem von der Entwicklung der Bienenvölker ab – und die wiederum wird in erster Linie vom Lauf der Jahreszeiten beeinflusst. Auch wenn die Details der Arbeit somit zum Beispiel im Juli ganz andere sind als im Dezember, gibt es doch gewisse grundsätzliche Tätigkeiten die nahezu immer anstehen. Dazu gehört natürlich die Arbeit mit den Bienen, aber auch die Honigherstellung oder die Wartung technischer Hilfsmittel. Im Zeitalter der Digitalisierung stehen dem modernen Imker dafür zahlreiche Messinstrumente im Bienenstock zur Verfügung, welche er per App auf dem Smartphone abrufen und kontrollieren kann.

Als Kuchen lecker, auf der Haut schmerzhaft: der Bienenstich

Der Stich einer Biene ist immer eine Abwehrreaktion. Eine Biene sticht also nur, wenn sie sich akut bedroht fühlt. Solange man die Biene nicht provoziert, sollte man vor Stichen also einigermaßen sicher sein. Wird man doch gestochen, gilt es den Stachel so schnell wie möglich aus der Haut zu entfernen, damit möglichst wenig Bienengift in die Haut gelangt. Grundsätzlich ist das Bienengift aber kaum schädlich, bei gesunden Menschen sind die einzige Folge Schwellungen an der Einstichstelle. Laut Uni-Imker Dete Papendieck wird man übrigens auch als Imker mit jahrelanger Erfahrung manchmal noch gestochen und auch die Schmerzen seien noch dieselben wie beim ersten Stich, lediglich die Schwellungsreaktion sei mit den Jahren immer geringer geworden. Der Biene tut der Stich übrigens mindestens so weh wie dem Menschen: beim Stich wird nämlich der hintere Nervenknoten der Biene abgerissen und hinterlässt somit eine große Wunde in ihrem Hinterleib. In der Regel verstirbt die Biene an dieser für sie sehr schwerwiegenden Verletzung, kann also tatsächlich nur ein einziges Mal in ihrem Leben stechen.

Was ist eine Biene?

Die Biene. Was für ein Tier ist das überhaupt? Wir haben uns mit dem Bienenexperten Dr. André Hamm, der an der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bonn lehrt, getroffen, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Er hat uns erklärt, dass es sich bei Bienen um die Insektengruppe der Hautflügler handelt. Der Begriff Biene wird in der Umgangssprache meist auf die westliche Honigbiene reduziert, was so gar nicht richtig ist, da zum Beispiel auch Hummeln zur Gruppe der Bienen zählen. Bienen gehören zu den Tallienwespen, das heißt, sie haben eine Einschnürung zwischen Brustsegment und Hinterleib, welcher beweglich ist. Ein weiteres Merkmal ist das Haarkleid, das für den Pollentransport der Bienen nützlich ist. Außerdem ernähren sich Bienen weitestgehend vegetarisch.

Da Honigbienen staatenbildende Tiere sind, ist Kommunikation im Staat enorm wichtig. Sie kommunizieren über verschiedene Tänze, in denen sich die Bienen mitteilen, wie weit eine sogenannte „Trachtquelle“, eine Futterquelle, vom Bienenstock entfernt ist und welche Qualität diese hat.

Bienen fördern – nur was für Experten?

Bezahlbare, hochqualitative Lebensmittel sind uns allen wichtig. Diese wären wesentlich teurer, müssten die Pflanzen von Hand bestäubt werden. Und das ist die wahrscheinlichste Alternative ohne Bienen.

Damit dies wahr wird, können alle etwas beitragen. Dr. Andreé Hamm ist Bienenforscher an der Universität Bonn und hat einige Tipps parat. Die gute Nachricht zuerst: Wer einen Garten hat, kann sich zuerst einmal zurücklehnen. Denn: Strukturvielfalt ist der Schlüssel zur Artenvielfalt. Keine Pflanzenschutzmittel einsetzen, weniger mähen und geschnittenes, totes Holz einfach mal in einer Ecke liegen lassen. All das wird Golfrasenliebhaber nicht erfreuen, Bienen aber schon.

In Totholz können sie nisten, in ungemähten Flächen (z.B. in Randbereichen) wachsen wieder Klee und Gänseblümchen – ergiebige Futterspender für summende Insekten.

Wer ein bisschen mehr Aufwand betreiben möchte, kann einfache Nisthilfen bauen: Löcher verschiedenen Durchmessers (3 – 9 mm) in Hartholz bohren, aufhängen, fertig. Oder man kauft fertige “Bienenhotels”. Für besonders Engagierte und Lernwillige kann auch “urban hiving” interessant sein. Der Begriff bezeichnet Imkern in der Stadt, meist mit wenigen Völkern. Jedoch sollte man sich einen erfahrenen Imker als Mentor suchen oder sich gut einlesen. Keiner möchte Krankheiten verbreiten oder gar, dass die Bienen wegen schlechten Managements sterben. Für den Anfang reicht aber auch ein Topf Lavendel oder Thymian auf der Fensterbank.

Summende Forschung an der Uni Bonn

Am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn forscht und lehrt Dr. Andreé Hamm. Viele seiner Forschungsprojekte drehen sich um Insekten, insbesondere Bienen.

So wird unter anderem quantifiziert, inwiefern Erträge und Qualität landwirtschaftlich genutzter Pflanzen durch Bienen beeinflusst werden. So kommt es bei Obstkulturen und Tomaten zu dramatischen Ernteeinbußen, wenn Bienen die Blüten nicht besuchen konnten.

Insbesondere Arznei- und Gewürzpflanzen sind aufgrund ihrer ätherischen Öle und dem daraus resultierenden intensiven Geruch attraktiv für Bienen. Darunter zählen Lavendel, Rosmarin oder Minze. Auf dem Versuchsgut Campus Klein-Altendorf der Universität wird diese Pflanzengruppe besonders intensiv untersucht. So können diese als blühende Ergänzung zu den üblichen Ackerpflanzen als Nahrungsquellen für Bienen dienen.

Auch die Klimaerwärmung ist ein wichtiger Faktor in der Bonner Bienenforschung. Gibt es mehr warme Tage über das Jahr, blüht beispielsweise Fenchel noch im Oktober – und Bienen verlegen ihre Winterruhe nach hinten. Jetzt soll untersucht werden, wie sich das auf die Ökosysteme auswirkt.

Wie schlecht geht es den Bienen wirklich?

In den Medien wird häufig über das Bienensterben berichtet, wie schlimm die Lage jedoch wirklich ist, wird oft nicht ganz klar. Um hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen, waren wir zu Gast bei Andreas Krüss im Bundesamt für Naturschutz in Bonn. Er ist dort Leiter der Abteilung Ökologie und Schutz von Fauna und Flora, weshalb er sich besonders gut mit Wildbienen auskennt. So konnte er uns anhand der Roten Listen erklären, dass in Deutschland von den 561 Arten der Wildbienen ganze 45% in ihrem Bestand gefährdet sind. Doch mit dieser erschreckenden Zahl ist Deutschland leider nicht alleine: Auch in vielen anderen europäischen Ländern, sowie in Nordamerika, ist die Lage kritisch. Das Problem ist hier vor allem, dass der Rückgang der Bienen oft unterschätzte Auswirkungen auf unser Umfeld hat – sowohl für die Lebensmittelproduktion als auch für die Vielfalt in der Natur, wie beispielsweise die Bestände der Wildpflanzen. Um diesem Worst-Case-Szenario entgegenzuwirken und die Insektenvielfalt zu erhalten, ist es daher besonders wichtig, bereits frühzeitig aktiv zu werden. Hierbei sollte schon der Einzelne damit anfangen, etwas für die Bienen zu tun, denn wenn jeder ein bisschen tut, ist den Bienen auch schon geholfen.

Bienen und Klimawandel

Insektenbestände sind meistens sehr präzise auf die Temperatur ihrer Lebensräume angepasst. Mit dem Klimawandel im vollen Gange verändern sich damit auch die Bedingungen für Bienen. Kurzfristig betrachtet könnten sie aber sogar profitieren: Sie fühlen sich in wärmeren Umgebungen sehr wohl. Auf Dauer würde die höhere Temperatur aber wohl eher nicht helfen, so Herr Dr. Krüss in unserem Interview. Die Hummeln hingegen sind eher an kalte Temperaturen angepasst. So könnte es sein, dass die menschgemachte Klimabeheizung sie dazu zwingt, in kältere Regionen auszuwandern – falls sie diesen regionalen Übergang denn überstehen.

Unsere „Geheimwaffe“ gegen den Klimawandel – die erneuerbaren Energien – bringen ebenfalls Probleme mit sich, erklärte uns Herr Dr. Krüss. So bringe die Intensivierung der Landwirtschaft für Biotreibstoffe zum Beispiel auch eine unvorteilhafte Veränderung der Lebensräume, insbesondere eine Verminderung von zu bestäubenden Pflanzen. Da ist es also besonders wichtig, was angebaut wird.

Gründe für das Bienensterben

Das Thema des Bienensterbens an sich ist mittlerweile ja gut bekannt: Aber woran liegt es denn jetzt eigentlich? Herr Dr. Krüss vom Bundesamt für Naturschutz hat uns erklärt, dass die wohl schwerwiegensten Gründe die Intensivierung der Landwirtschaft und der unvorsichtige Umgang mit Pestiziden sei. Durch dichte Feldkulturen verlieren Bienen ihre natürliche Umgebung und häufig auch die wichtige Möglichkeit zur Bestäubung. Dabei sind Insekten im Allgemeinen betroffen, die so in den Feldern nicht gut überleben können.

Auch bei den Pestiziden sei viel schief gegangen, erklärte uns Herr Dr. Krüss außerdem. Oft seien zu simple Testverfahren eingesetzt worden, Pestizide zu großflächig und immer wieder präventiv eingesetzt worden. Stattdessen sollten sie nur dann eingesetzt werden, wenn es auch wirklich nötig wird, denn natürlich haben die immer potenteren Stoffe schwere Auswirkungen auf Bienen- und Insektenbestände im Allgemeinen.