RADIOlogie: Infiziert

RADIOlogie: Infiziert

Wie funktioniert eine Impfung? Wie erforschen die Bonner Exzellenzcluster unser Immunsystem? Ist eine HIV-Übertragung strafbar? Was hilft wirklich gegen Erkältungen? Ist Ebola wirklich besiegt?

In jeder Ausgabe der RADIOlogie, der Wissenschaftssendung bei bonnFM, durchleuchten wir ein spannendes Thema. Hier haben wir für euch die Inhalte unserer Beiträge aufbereitet.

Lust auf mehr RADIOlogie? Hier findet ihr alle bisherigen Ausgaben.

Wirkung einer Impfung

Bei einer Impfung wird der Körper vor einer Infektionskrankheit, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann, geschützt. Man unterscheidet die aktive von der passiven Impfung. Bei der passiven Impfung werden Antikörper gegen den Erreger gegeben und man ist sofort geschützt. Bei der aktiven Impfung erhält man abgeschwächte oder abgetötete Erreger, gegen die der Körper selbst erst Antikörper herstellt. So lernt er schon vor einer Infektion, wie er die Krankheitserreger bekämpfen kann.

Woran forschen die Bonner Immunologen?

Das Exzellenzcluster ImmunoSensation wurde in diesem Jahr für weitere fünf Jahre verlängert. Deshalb stellen wir euch zwei Arbeitsgruppen vor.

Prof. Irmgard Förster leitet eine Arbeitsgruppe am LIMES-Institut und beschäftigt sich mit Umwelteinflüssen auf das Immunsystem. Dabei legen Sie ihren Schwerpunkt vor allem auf Barriererorgane, wie etwa die Haut und den Darm. Im Darm leben zahlreiche Bakterien, die das Mikrobiom bilden. Das Mikrobiom hat einige Funktionen, unter anderem das Immunsystem zu unterstützen, in dem der Befall von krank-machenden Bakterien, so genannten Pathogenen, erschwert wird, und es zu regulieren. Beeinflussen können wir das unter anderem durch unsere Ernährung. In grünem Gemüse finden sich Stoffe, die auf den Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AH-Rezeptor) wirken. Prof. Försters Arbeitsgruppe beschäftigt sich vorwiegend, damit wie der AH-Rezeptor vor dem Eindringen von Bakterien in die Darmschleimhaut schützt und hilft Entzündungsreaktionen abzumildern. In diesem Zusammenhang arbeiten sie auch an Salmonellen. Pathogenen, die Eier und Geflügel verunreinigen können. Salmonellen können sich entweder im gesamten Körper ausbreiten und Typhus auslösen oder auf den Darm beschränkt eine Gastroenteritis, also kurzzeitigen Durchfall und Erbrechen, auslösen. In diesem Rahmen versuchen sie in Zusammenarbeit mit Forschern aus Melbourne eine Impfung gegen Salmonellen zu entwickeln. Dies soll durch Bakterien, die die Darmschleimhaut nicht durchqueren können, gelingen.

Dr. Florian Schmidts Arbeitsgruppe am Institute for Innate Immunity beschäftigt sich mit den Reaktionen von Zellen auf Viren. Viren können sich nicht selbstständig vermehren, deswegen dringen sie in Zellen ein und nutzen deren Vorräte, um sich selbst zu vervielfältigen. Dabei zertören sie die Zelle und lösen Krankheiten aus. Deswegen ist eine erfolgreiche, frühst mögliche Bekämpfung von Viren enorm wichtig. Zellen besitzen dafür Inflammasomen, riesige Signalkomplexe die Viren entdecken und andere Zellen informieren, die die Gefahr dann bannen. An diesem Komplex forscht seine Arbeitsgruppe, um herauszufinden, wie genau sie sich zusammensetzen oder wie sie Entzündungen und Fieber auslösen. Dazu nutzen sie Nanobodies, ein vielversprechendes, neues Werkzeug. Nanobodies werden aus den Antikörpern von Lamas oder Alpakas entwickelt, die von Natur aus sehr viel kleiner sind als herkömmliche Antikörper. Mittlerweile wird auch der erste Nanobody genutzt, um eine Krankheit zu behandeln.

Strafbarkeit einer HIV-Infizierung

In Deutschland gibt es keine speziellen Straftatbestände, die diese Frage regeln. Eine Strafbarkeit kommt zunächst in Betracht wegen fahrlässiger Körperverletzung nach § 229. Sobald man von seiner Erkrankung weiß und trotzdem ungeschützten Sex hat, nimmt der BGH sogar vorsätzliches Handeln an. Damit ist dann an eine Strafbarkeit wegen gefährlicher Körperverletzung gemäß §§ 223 I, 224 I Nr 5 StGB zu denken. Die einfache Körperverletzung wird zur gefährlichen Körperverletzung qualifiziert, weil der Bundesgerichtshof wegen des oft tödlichen Verlaufs von AIDS in der Infizierung eine “das Leben gefährdende Behandlung” sieht. Einige Juristen nehmen sogar eine schwere gefährliche Körperverletzung im Sinne des § 226 I Nr. 3 an, da die Infizierung mit HIV das „Hervorrufen einer chronischen Gesundheitsschädigung“ sei.

HIV-Schutz durch PrEP

Die Abkürzung PrEP steht für “Prä-Expositions-Prophylaxe”. Dabei geht es um HIV-Prävention: man soll einen Schutz im Körper aufbauen, bevor man mit dem Virus infiziert wird. Dazu werden Wirkstoffe eingesetzt, die in die Zellen von Darm- oder Vaginalschleimhaut eindringen – und zwar jener Schleimhäute, die beim Sex in Kontakt kommen mit Körperflüssigkeiten und/oder Schleimhäuten des Partners. Haben sich die Wirkstoffe dann in diesen Schleimhäuten angereichert, kann das HI-Virus sich dort nicht mehr vermehren. Um wirksam geschützt zu sein, sollte man bei Analverkehr zwei Tage vor dem Sex mit der PrEP-Einnahme beginnen, bei Vaginalverkehr sogar sieben Tage vorher. Vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützt die PrEP jedoch nicht, man sollte also auch weiterhin ein Kondom benutzen.

Welche Hausmittel nutzen unsere Hörer und helfen sie wirklich?

Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit werden viele von Erkältungen geplagt. Sich warm anzuziehen steigert das Wohlbefinden und kann daher helfen, gesund zu werden. So Dr. Andreas Schlitzer vom Life and Medical Science Institut der Uni Bonn, der uns die Fragen beantwortet hat.

Er leitet dort eine Gruppe, die sich mit der Fragestellung befasst, warum bestimmte Zellen des Immunsystems bestimmte Funktionen haben und wie es durch deren Entwicklung festgelegt wird.

Auch Sport ist eine gute Idee, da er präventiv hilft und so das Immunsystem auf Trab hält, erklärt uns der Experte.

Präventiv kalt zu duschen gilt für einige auch als Hausmittel zur Abwehr von Erkältungen, allerdings wurde das noch nicht untersucht.

Wenn die Erkältung einmal im Anflug ist, dann schwören viele auf Ingwertee und Vitamin C. Laut Andreas Schlitzer hilft Ingwertee auch ihm, allerdings gibt es auch da bisher keine wissenschaftlichen Beweise für.

Durch zusätzliche Zufuhr von Vitamin C nimmt man oft zu viel davon auf, was der Körper nicht verarbeiten kann. Darauf kann man also auch verzichten.

Worauf man noch verzichten sollte, ist auf jeden Fall Alkohol, falls eine Erkältung im Anflug ist. Denn der fährt das Immunsystem herunter und kann die Erkältung also nur noch verschlimmern.

Ebola

Im Kongo ist erneut Ebola ausgebrochen. Ebola ist ein Virus, das von Tieren oder von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und bei Infizierten eine mitunter tödlich endende Fieber-Krankheit verursacht. Mit bereits über 250 Toten im Norden des Kongo handelt es sich um den größten Ausbruch der Geschichte des seit 1976 bekannten Virus. Nach der großen Ebola-Epidemie 2014-16 wurde zwar unter deutscher Mithilfe eine Impfung entwickelt, allerdings ist diese nur vorübergehend aus humanitären Gründen zugelassen, da klinische Studien noch ausstehen. Daher wird der Impfstoff bisher in unzureichenden Mengen produziert und es werden vorerst nur Menschen geimpft, die Kontakt zu einem Infizierten hatten. Bedingt durch die schlechte infrastrukturelle Lage und den Bürgerkrieg im Land, können nicht alle Kontakte ausfindig gemacht und geimpft werden. Außerdem wollen sich einige Menschen nicht impfen lassen, weil sie der Regierung nicht trauen und ihr sogar unterstellen, dass sie sich die Krankheit nur ausgedacht hat. Deshalb werden große Aufklärungskampangen über verschiedenste Medien betrieben. Die hygienische Situation soll durch vermehrtes Händewaschen und das Verbot von Totenritualen, bei denen der Verstorbene geküsst wird, oder sonstigem direkten Kontakt zu Infizierten verbessert werden. Dank Grenzkontrollen, bei denen unter anderem Fieber gemessen wird, konnte sich das Virus noch nicht in die angrenzenden Länder ausbreiten.

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