Regionalwahlen in Frankreich: Front National vorerst stärkste politische Kraft

Marine Le Pen ist mit ihrer rechtspopulistischen Partei Front National (FN) im ersten von zwei Wahldurchgängen mit 27,96 Prozent der Stimmen stärkste politische Kraft Frankreichs geworden. Seitdem Marine Le Pen 2011 Parteivorsitzende ist, geht es bergauf mit dem Front National. Noch vor fünf Jahren – unter der Führung von Jean-Marie Le Pen, dem Vater Marine Le Pens und Gründer der Partei – erhielt der Front National bei den Regionalwahlen 2010 11,4 Prozent der Stimmen – eindeutig weniger als dieses Jahr.

Entteufelungsstrategie von Marine Le Pen

Seitdem Marine Le Pen die Spitze des Front National bildet, gibt sich die Partei anders als bisher: „Entteufelung“ ist hier das Zauberwort, das in diesem Kontext oft gebraucht wird. Vor ein paar Monaten hat Marine Le Pen offiziell mit ihrem Vater gebrochen, der sich in der Öffentlichkeit gerne antisemitisch äußert. Er wurde von der Partei suspendiert. Dieser Schritt sowie scheinbar gemäßigtere Reden und ein verjüngtes Spitzenpersonal geben dem Front National einen „bürgerlichen“, akzeptableren Anstrich. Nicht nur rechtsradikal gesinnte Bürger wählen den Front National, die Spanne der Wählerschaft ist heute breit gefächert. In Frankreich muss man sich nicht mehr schämen, den Front National zu wählen. So konnte die Partei in Frankreich mit knapp 25 Prozent bei der Europawahl 2014 gewinnen.

Einteilung in Gut und Böse

Marine Le Pen gibt gerne vor, was gut ist und was böse, wer Feind und wer Freund ist. Schwarz-weiß wird hier ganz groß gedacht. Ihre Feinde sind die aktuelle französische Regierung, der islamische Fundamentalismus und natürlich die Immigranten. Sie ist für einen Austritt aus der Euro-Zone und aus der NATO und wünscht sich sehnlichst den Franc zurück. Die Angst nach den Attentaten in Paris weiß Marine Le Pen zu nutzen, indem sie für die Kontrolle der nationalen Grenzen und für Schutz- und Verteidigungskapazitäten wirbt.

Stichwahlrunde am 13. Dezember

Aber noch hat Frankreich die Möglichkeit umzuschwenken, denn entscheidend wird die Stichwahlrunde am 13. Dezember 2015 sein. Marine Le Pen zeigt sich schon heute siegesgewiss und schielt mit gierigen Augen auf ihr großes Ziel, in zwei Jahren Frankreichs Präsidentin zu werden.

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