Rektor gesucht!

Von Thomas Frerix und Florian Engels

Foto: Sebastian Derix

Mitte Juli war bekannt geworden, dass Prof. Dr. Jürgen Fohrmann nach sechs Jahren als Rektor der Universität Bonn für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung steht. bonnFM sprach mit ihm über die Gründe, seine Nachfolge und seine Pläne.

bonnFM: Herr Fohrmann, Sie haben sich dazu entschieden, nicht für eine zweite Amtszeit als Rektor an der Uni Bonn zu kandidieren. Was waren die Gründe dafür?

Fohrmann: Erst einmal weil ich älter werde. Der eigentliche Grund ist aber, dass ich in die Wissenschaft zurückkehren möchte. Als Rektor ist man durchaus beschäftigt – wissenschaftliche Aktivitäten nebenher sind da nicht möglich.

bonnFM: Wann genau sind Sie zu diesem Entschluss gekommen?

Fohrmann: Das überlegt man nicht von heute auf morgen. Ich habe mich Ende März entschieden, nicht wieder zu kandidieren. Da nehme ich immer eine kleine Auszeit. Es war auch keine einfache Entscheidung, denn das Amt macht mir ja sehr viel Spaß, vieles hätte für eine zweite Amtszeit gesprochen. Es war aber am Ende eine ganz lebenspraktische Entscheidung.

bonnFM: Würden Sie denn sagen, dass man als Rektor gar kein Wissenschaftler mehr ist?

Fohrmann: Sagen wir so, ich bin ein wissenschaftlicher Rektor. Man ist zwar noch Wissenschaftler, aber man arbeitet nicht als Wissenschaftler, das ist ganz klar.

bonnFM: Ihr Lehrstuhl im Fachbereich Neuere deutsche Literatur und allgemeine Literaturwissenschaft wird momentan vertreten. Würden Sie diesen Lehrstuhl dann wieder einnehmen wollen?

Fohrmann: Ja, das ist im Augenblick die Planung. Ich werde allerdings erst eine kleine Auszeit nehmen, da ich nicht sofort wieder anfangen kann. Man muss ja erst wieder Dinge aggregieren. Aber dann würde ich das gerne wieder machen.

bonnFM: Was heißt das für die Mitarbeiter des Lehrstuhls? Würden Sie die dann alle übernehmen oder sind personelle Änderungen geplant?

Fohrmann: Nein, das sind ja immer noch meine Mitarbeiter. Um Verträge und Hilfskräfte hat sich in der letzten Zeit mein Vertreter Herr Prof. Dr. Norbert Gabriel gekümmert, allerdings immer in Absprache mit mir. Da wird sich also wohl erst einmal nichts ändern.

bonnFM: Wollen Sie dann an Projekten weiterforschen, die Sie vor dem Rektorat begonnen haben?

Fohrmann: Ja, ich will mein Buch zu Ende führen über Feindschaft und Kultur. Das ist eine trianguläre Auseinandersetzung zwischen Carl Schmitt, Sigmund Freud und der griechischen Tragödie. Mehr verrate ich im Augenblick nicht (schmunzelt). Das ist ein Thema. Ein anderes Thema wäre, an den kommunikations- und medienwissenschaftlichen Fragestellungen anzusetzen. Zum Beispiel die Kommunikation der Auszeichnung über Ruhm und Triumph und solche Geschichten. Ich unterrichte auch wirklich gerne. Das werde ich auch gerne wieder machen.

bonnFM: Was werden Sie an ihrem Amt als Rektor am meisten vermissen, wenn Sie wieder in der Wissenschaft tätig sind?

Fohrmann: Ich kann gar nicht sagen, was mir am meisten fehlen wird. Was mir nicht fehlen wird, sind ganz langweilige Gremiensitzungen. Davon gibt es nämlich auch ein paar.

bonnFM: In welchem Zustand hinterlassen Sie Ihrer Meinung nach die Universität?

Fohrmann: Ich glaube, dass die Universität Bonn in einem ganz guten Zustand ist. Finanziell wird es schwieriger, das muss man deutlich sagen. Die Grundfinanzierung der Universitäten reicht nicht mehr aus. Wir kommen da in eine wirkliche Schieflage hinein. Das gilt aber für alle Rektorate in Deutschland, vielleicht nicht für die TU München, aber in Nordrhein-Westfalen gilt es für alle. Ich glaube, dass wir einiges auf den Weg gebracht haben, zum Beispiel die neue Lehrerausbildung, die unter meinem Rektorat entstanden ist.

bonnFM: Sind Sie nicht auch froh, dass sie zukünftig als „normaler“ Professor weniger im Rampenlicht stehen werden als als Rektor?

Fohrmann: Ja, ich kann dann vielleicht wieder über die Straße gehen, ohne dass alle gucken (lacht). Es ist nicht immer nur schön, im Rampenlicht zu stehen. Ich bin auch jemand, der das nicht unbedingt braucht.

bonnFM: Wenn Sie jetzt fünf Jahre zurückblicken: Hätten Sie das Rektorenamt noch einmal angenommen?

Fohrmann: Klare Antwort: Ja! Ich habe vieles dazugelernt, zum Beispiel wie Kommunalpolitik funktioniert. Das war mir vorher nicht so klar. Ich würde es jederzeit wieder machen, aber immer mit dieser klaren Begrenzung zu sagen: „OK, ich mache das jetzt sechs Jahre und dann widme ich mich wieder anderen Dingen.“

bonnFM: Herr Fohrmann, letzte Frage: Haben Sie Wünsche oder Ratschläge für Ihren Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin?

Fohrmann: Ich bin ja oft gefragt worden welche Eigenschaften man als Rektor braucht. Als absolute Grundbedingung für ein solches Amt braucht man einen gesunden Menschenverstand und das wünsche ich mir für meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin. Ich hoffe, dass die gemeinsame Vernunft von Hochschulrat und Senat in der Findungskommission dazu führt, eine solche Persönlichkeit auszusuchen. Das wäre mein Wunsch.

bonnFM: Herr Fohrmann, vielen Dank für das Gespräch.


Für die Neubesetzung des Rektors hat die Universität Bonn inzwischen eine Kommission unter der Leitung des Hochschulratsvorsitzenden, Prof. Dr. Dieter Engels, eingerichtet. Bewerber für das Amt stellen dieser Kommission bis zum 8. September 2014 ihre Konzepte für die Leitung der Universität Bonn vor. Die abschließende Wahl eines Kandidaten erfolgt über einen Mehrheitsbeschluss im Hochschulrat der Universität.

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