This is no Rocket Science

Von Laura Dresch

Foto: Laura Dresch / bonnFM

Die Bundeskunsthalle zeigt im Rahmen der Reihe „Late Art“ Nachwuchswissenschaftler, die ihre Promotionsthemen im Stile des Poetry Slams vortragen.

Der Poetry Slam ist spätestens seit Julia Engelmanns Interpretation von „One Day“ vom Grundschüler bis zur Großmutter jedem bekannt und wird durchweg als angenehme Unterhaltungsalternative zu Mario Barth und Konsorten geschätzt. Einen selbst geschrieben Text möglichst mitreißend vorzutragen und dabei einen ebenso witzigen wie intellektuellen Eindruck zu hinterlassen, ist die Aufgabe der sogenannten Slammer.

Medizin für Jedermann

Die Weiterentwicklung des Spiels, bei dem stets durch Applausstärke ein Gewinner ermittelt wird, ist der Science Slam. Die teilnehmenden Slammer erzählen in ihren Beiträgen nicht vom letzten Wochenende und Prüfungsstress, sondern erläutern ihr wissenschaftliches Fachgebiet dem Laien. Da sie dies im selben Tonfall und mit einfachem Vokabular machen, kommt selbst bei den trockensten Themen Spannung und Witz auf die Bühne. Einen umjubelten Kickstart hat die Nachwuchsärztin Giulia Enders mit ihren urkomischen Slams für unser aller Smalltalk Repertoire nach dem zweiten Bier hingelegt. Diese kamen so gut an, dass sie schnurstracks das Thema ihrer Dissertation in ein leicht verständliches Sachbuch packte und mit dem Bestseller „Darm mit Charme“ jedem ein fundiertes Wissen über unsere Verdauung vermittelte.

Bundeskunsthalle zeigt Science Slam mit Weltraumthemen

Der Science Slam hat zahlreiche Fans – was auch in der Bundeskunsthalle unter Beweis gestellt wurde. Diese zeigte im Rahmen ihrer Reihe „Late Art“ fünf junge Wissenschaftler, die ihre Dissertationsthemen in je 8 Minuten vortrugen und durchweg mit witzigen Minishows überzeugen konnten. Die aktuelle Ausstellung „Outer Space. Faszination Weltraum“ fungiert als Themenvorgabe. Vorgetragen wurden also Erkenntnisse über Physik, Raumfahrt und Außerirdische. Die Wissenschaftler kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen, was eine enorme Vielfältigkeit der Betrachtung auf „die Welt da oben“ zur Folge hatte. Der Abend wurde eingeleitet von dem Bonner Professor Herbert Dreiner, der einen Kurzvortrag über dunkle Materie hielt.

Elvis lebt!

Der Psychologe Sebastian Bartoschek stellte vollkommen abgedrehte Verschwörungstheorien – wie beispielsweise der uns allen bekannte Mythos, dass Elvis lebt – vor. Aber auch unbekannte und bei weitem aberwitzigere Thesen wurden von ihm ausgeführt und auf die Schippe genommen. Der amerikanische Clan der Bush Familie sei beispielsweise in Wahrheit reptiloid. In den Körpern von George und Spross George W. sitzen demnach Außerirdische, die ihren Körper lenken.

Der Weltraum ersetzt die Alpen

Die Gewinnerin des Abends – Medienwissenschaftlerin Maren Conrad – hielt einen großartigen Vortrag, in dem sie erklärte, warum wir mit Weltraum Robinsonade Filmen von den Amerikanern zugespamt werden. Ihre These ist, dass sie keine Heimatfilme mit Blumen, Kühen und Schwarzwaldromantik haben. Also greifen sie auf ihre Vorreiterrolle in der Weltraumerforschung zurück und nehmen diesen „Ort“ als Hintergrund für eine Neuinterpretation des Heimatfilms. Als Lohn für diesen mitreißenden und witzigen Beitrag bekam sie goldene Boxhandschuhe als Slammerin des Abends und tosenden Applaus.

Mit neuem großartigem unnützen Wissen ausgestattet freue ich mich schon auf den nächsten Science Slam! Dieser findet am 28. April im Pantheon statt.

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