Now start a Band

Von Carina Spiess

Tilman Ringer, Samuel Breuer und Ijaz Ali, das sind drei Studenten aus Bonn und Umgebung. Und alle verbindet ein gemeinsames Hobby: das Singen und Songwriting. Am 09.01.2015 waren sie im Rahmen der „Drei Flocken Oper“ im Namenlos zu sehen. bonnFM hat sie vorher zum Interview getroffen und wollte wissen: Wie funktioniert das Schreiben von Songs? Woher nimmt man die Inspiration?

Bild: Carina Spiess / bonnFM

bonnFM: Kennt Ihr drei euch untereinander?

Samuel: Ja, wir haben so drei Konzerte miteinander gespielt.

Ijaz: Auch bei verschiedenen Festivalgelegenheiten, zum Beispiel bei “R(h)einspaziert” in Bad Honnef.

bonnFM: Ihr seid ja alle drei auch Studenten. Welche Priorität hat die Musik im Alltag bei Euch?

Samuel: Ich weiß schon ewig, dass ich Musik machen will, und mein Traum war auch immer, irgendwann nur noch Musik machen zu dürfen. Je länger ich das jetzt aber mache, desto mehr habe ich das Gefühl: Würde ich nur noch Musik machen, würden gar keine Lieder mehr entstehen. So habe ich ein „normales“ Leben, über das ich eben singen kann und wodurch sich andere Menschen überhaupt erst mit den Songs identifizieren können.

Ijaz: Ich habe auch immer gedacht, nur Musik zu machen wäre total cool, aber dann hätte man ja zu wenig Input für Output. Aber ich würde schon sagen, dass die Musik bei mir trotzdem die höchste Priorität hat.

bonnFM: Wenn Euch jemand anbieten würde, ein halbes Jahr mit auf Tour zu kommen und Ihr müsstet dafür die Uni aussetzen, was würdet Ihr sagen?

Tilman: Das kommt total auf die jeweilige Gelegenheit an. Man hat natürlich immer Lust, bei irgendwelchen Musikprojekten mitzumachen. Auch so eine Gelegenheit wie heute Abend trägt die eigene Musik schon ein bisschen weiter. Es wäre auf jeden Fall empfehlenswert, auch so eine längere Erfahrung mal mitzumachen.

Samuel: Ich muss jetzt aufgrund von fehlender geistiger Anwesenheit in der Uni praktisch das ganze Semester aufholen (lacht). Da hätte ich also auch einfach auf Tour gehen können.

bonnFM: Ihr schreibt eure Songs ja alle selber. Habt Ihr mal überlegt, auch Coversongs zu spielen? Kommen Cover nicht sogar leichter beim Publikum an als Selbstgeschriebenes?

Tilman: Das ist auf jeden Fall so. Ich habe auch damit angefangen, nur zu covern, und ich finde, das bringt einen erst mal in die Musikschiene rein. Alles, was man schon gehört und gespielt hat, prägt sich ein. Deine eigene Musik entwickelt sich. Und irgendwann ist es als Singer/Songwriter so, dass man selber etwas schaffen möchte. Dann verbessert man sich, man wird anspruchsvoller und will nicht mehr nur Cover spielen.

bonnFM: Wie leicht fällt Euch das Schreiben? Fliegen Euch die Songs einfach so zu oder müsst ihr Euch konzentriert hinsetzen?

Samuel: Seit ich angefangen habe auf Deutsch zu schreiben, laufe ich irgendwie durch den Alltag und kann die Dinge, die mich beschäftigen, in Text umwandeln. Dann habe ich plötzlich einen Satz vor Augen und finde dazu die nächste Zeile und die nächste… Wenn ich dann ein Grundgerüst habe, muss ich mich hinsetzen und es zu Ende schreiben. Das ist meistens der schwerste Teil, deswegen habe ich auch ca. 50 angefangene Songs. Tendenz steigend.

bonnFM: Wenn ich jetzt einen Song schreiben möchte, welche Tipps gebt Ihr mir?

Tilman: Es gibt da ein cooles T-Shirt. Auf dem Shirt ist seine Grifftabelle mit drei Akkorden und darunter steht “Now start a Band”. Ich finde das genial, so simpel ist es. Du fängst einfach an und bastelst irgendwas. Das Beste ist herauszufinden, was einen beeindruckt hat; egal ob gut oder schlecht, traurig, böse oder fröhlich. Und dann versuchst Du, genau das in Worte zu fassen. Einfach ausprobieren, wenn man sich reinhängt, wird es immer besser.

bonnFM: Findet Ihr erst die Melodie und dann den Text oder umgekehrt?

Ijaz: Bei mir kommt erst die Melodie. Ich führe erst mal ein paar Akkorde zusammen und summe etwas vor mich hin. Erst dann kommen die Texte. Das klappt auch immer sehr unterschiedlich, manchmal kommen die Worte wie ein Wasserfall aus mir heraus und es passt einfach alles, manchmal tue ich mich sehr schwer. Aber dann lasse ich mir auch Zeit und versuche nichts zu erzwingen.

Samuel: Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich schreibe viel und suche dann neue Melodien auf der Gitarre. Dann baue ich alles zusammen, das hat was von einem Puzzle. Manchmal passt auch eine Zeile, die ich vor einem halben Jahr geschrieben habe, auf die aktuelle Situation.

Tilman: Das hatte ich auch schon. Du schreibst irgendwas und denkst: Ja, das klingt ganz philosophisch clever (lacht). Und erst später findest Du dich dann in dem Text wieder, weil man doch viele Dinge im Hinterkopf hat und unbewusst durch Musik verarbeitet.

bonnFM: Zum Abschluss: Habt ihr eine Lieblingszeile aus einem eurer eigenen Songs?

Ijaz: Es gibt zumindest einen Song, den ich live am liebsten spiele. Der heißt „Hey Girl“ und kommt meistens gut an.

 Samuel: „Ich will die Dunkelheit mit Lampen lichten und nicht nur über Autos, Geld und Schlampen dichten. Meine roten Blutkörperchen tragen einen Notenhals und bei Gitarrensound vibriert sogar mein Ohrenschmalz.” Das ist aus einem Song, der einfach beschreibt, wer ich bin.

Tilman: Mein Zitat ist aus einem neuen Lied: „Don’t drown yourself in flashing memories, inspire love into a new beginning.“

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