Die Entscheidung über das Bonner Studententicket

Viel Unruhe ging in den letzten Tagen durch die Bonner Studierendenschaft. Stimmt der AStA dem Vertragsangebot, das nicht länger die Fahrradmitnahme beinhaltet, zu oder lehnt er es ab und das Studiticket verliert im kommenden Semester seine Gültigkeit? Das große Thema Mittwochabend auf der Studierendenparlamentssitzung.

„Ab kommenden Semester gilt die Fahrradmitnahme für Studenten nur noch am Wochenende und Werktags ab 19 Uhr“ Damit fing alles an und damit endete am Mittwochabend auch alles. Diese Neuerung im Studententicket-Tarif wurde von den Verkehrsbetrieben bereits Ende letzten Jahres beschlossen, durch Aufsichtsräte und Gremien bestätigt und zuletzt dann auch genehmigt. Zu stark ausgelastet seien die Fahrzeuge. Nicht nur der AStA Bonn, auch die Kollegen in Köln waren wenig begeistert und so läuft auch immer noch eine Pedition, die einen Ausbau der Fahrradmitnahmemöglichkeiten fordert und gegen eine Einschränkung ist.
Als Mitte August dann die Vertragsvorlage in der Nassestraße einging, entschied der AStA Bonn sich vorerst dagegen, zu unterschreiben und bat den VRS um ein neues Vertragsangebot, das die Fahrradmitnahme enthalten sollte. Der VRS lehnte ab. Ganz nach dem Motto: Nehmt das Studiticket entweder so oder gar nicht.

Warum zeigt sich der VRS so stur?

Dass es dem AStA hier um die Preissteigerung von 1,70 € oder um das sogenannte Prinzip geht, ist natürlich nicht wirklich die Wahrheit. Es geht hier vor allem um die Studenten, die auf die Kombination von Fahrrad und ÖPNV angewiesen sind. Frustrierend, dass der VRS wenig kompromissbereit wirkt und ärgerlich für den AStA, dem natürlich keine Wahl bleibt.

Eine Art Aussprache fand somit am Mittwochabend auf der Sitzung des Bonner Studierendenparlaments statt. Anja Wenmakers, Bereichsleiterin der SWB und Holger Klein, der Pressesprecher des VRS, waren anwesend. Freiwillig und einfach des Dialogs wegen. So startete der Abend mit einem großen Frage-Antwort Spiel zwischen Studierendenparlament und Verkehrsbetrieben.

Warum nicht nur dann die Mitnahme verweigern, wenn der Bus zu voll ist?

Laut Pressesprecher Klein hat sich die Fahrradmitnahme in den letzten Jahren stark verändert. Eine individuelle Entscheidung seitens des Fahrers, ob das Fahrrad jetzt noch reinpasst oder nicht, sei nicht immer möglich und koste vor allem Zeit. Immer wieder käme es zu Beschwerden und wie schon vormals erklärt, wurde diese Entscheidung letztendlich aus Fairnessgründen gegenüber anderen Fahrgästen getroffen.

Müsste man bei einer steigenden Nachfrage nicht eher in eine Erweiterung des Nahverkehrs investieren, anstatt Fahrgästen Leistungen zu kürzen?
Natürlich könnte man auch das Netz ausbauen, aber auf Nachfrage sofort mit Projekten und neuen Bussen zu reagieren, ist nicht möglich. So etwas braucht Zeit, Projektplanung, Gremien und Gelder.

Als wichtigster Punkt in der Diskussion natürlich: Der Venusberg. Die Neuregelung trifft vor allem die Studenten hart, die ihr Rad hoch zur Uniklinik mitnehmen müssen. Wer da einmal selber mit dem Rad hochgefahren ist, weiß, wie fit man danach noch für den Rest des Tages ist und vor allem wie trocken. Wie es sich mit dem sogenannten Fahrradbus, der Linie 632 halten wird, ist ebenfalls noch nicht ganz geklärt, berichtet Wenmakers von der SWB. Überlegungen, beispielsweise zu einer Schnellbuslinie, gab es bereits. Schwierig sei dabei aber zum Beispiel die Entscheidung, welche Haltestellen dann angefahren werden sollten und welche nicht. Es gibt immer Menschen, die sich benachteiligt fühlen. Es geht nicht nur um die Studenten und Mitarbeiter auf dem Venusberg, auch um Anwohner und die Fahrer selbst.
Wenmakers verteidigte aber auch den Nahverkehr in Bonn, der laut eines bundesweiten ÖPNV-Vergleichs in den oberen Reihen liegt. Und wenn man den Vergleich zieht:
Der normale Bürger zahlt beim VRS für das SchönesJahrTicket NRW stolze 2.860 Euro, welches unter den gleichen Konditionen läuft, wie das Studiticket, für das wir jährlich rund 350 Euro zahlen. Fahrräder sind da auch nicht drin. Und der Nachtbus übrigens auch nicht.

Vertragsunterzeichnung bis auf zwei Enthaltungen einstimmig beschlossen

Das Studierendenparlament zeigte sich dankbar für die Möglichkeit des direkten Dialogs, auch wenn letztlich ein bitterer Beigeschmack bleibt, weil das Fahrrad immer noch draußen bleiben muss. Aber wie der AStA-Vorsitzende Simon Merkt richtig hinzufügt: „Besser eingeschränktes VRS-Ticket, als gar keins.“ Wenmakers und Klein betonten mehrmals, dass ihnen der Nahverkehr am Herzen liege und sie sich wünschten, es allen Recht machen zu können. Weil die Entscheidung aber schon letztes Jahr im Herbst gefallen sei, könne man jetzt auf die Schnelle natürlich wenig ändern. Auch deshalb wünschen sich beide, bei Anliegen früher in den Dialog zu kommen.

Das betonte auch Anja Wenmakers nochmals im anschließenden Gespräch mit uns. Man sollte nicht immer nur von dem ausgehen, was man hört.
Wenn man aufeinander zugeht, dann findet man Erklärungen, Antworten und manchmal dann auch Lösungen.
Der ÖPNV sei aber auch ein lebendes Produkt, das sich ständig weiter entwickelt, neue Verkehrslinien kommen vielleicht wieder hinzu, Kapazitäten verteilen sich durch neue Wohngebiete wieder um und dann können sich Regelungen wie die Fahrradmitnahme auch wieder ändern. Und solche Entscheidungen sollten am liebsten mit den Kunden zusammen getroffen werden.

Was kann man als Student schon dagegen tun?

Einwirkungsmöglichkeit haben Studenten genau wie jeder andere auch. Sei es über Anträge im Bürgerausschuss oder Planungsausschuss des SWB, durch das Kundenforum oder auch durch die Kommunalpolitiker, die in den Aufsichtsräten und Gremien solche Regelungen entscheiden. Anja Wenmakers würde ein extra Kundenforum für Studenten anbieten, wenn der Bedarf da ist. Ab Montag ist Frau Wenmakers Geschäftsführerin der SWB.

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