„Niemand hat die Absicht, einen Techniker zu informieren“

Es gab ja schon einige seltsame Medienphänomene, die in kürzester Zeit viral durchs Netz gingen. Aber es geht ja bekanntlich immer noch abgedrehter: Der neuste Internet Star ist nämlich eine – ehemals defekte – Tür.

Wer kennt es nicht? Wenn in der Uni oder auf der Arbeit etwas kaputt geht, dauert es meist Ewigkeiten, bis es dann tatsächlich repariert wird. So geschehen am Philosophicum der Uni Mainz. Die Elektronik einer Automatik-Tür ging kaputt und die Studierenden wurden wochenlang mit einem Schild und der Aufschrift „Defekt – Techniker ist informiert“ vertröstet. Irgendwann kam jemand auf die Idee, einen weiteren Zettel mit den Worten „Techniker auch defekt“ dort anzubringen. Das war der Startschuss für eine Zettelflut mit ungeahnten Ausmaßen.

Zitate von Kennedy bis Klum

Kaum hing der erste Zettel, kamen immer mehr dazu. Auf den einzelnen Blättern waren sogenannte „Memes“ zu sehen. Das sind Bildausschnitte aus Filmen oder von Ereignissen, die in irgendeiner Form einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind. Sie sind mit den jeweils passenden Zitaten, in leicht abgewandelter Form, versehen. Es gibt beispielsweise ein Bild von John F. Kennedy in Berlin, als er den berühmten Satz: „Ich bin ein Berliner“ sagt – nur, dass es hier „Ich bin ein Techniker“ heißt. Der Satz „Ich habe heute leider kein Foto für dich“ aus Heidi Klums Model-Castingshow Germanys next Topmodel wurde kurzerhand in „Ich habe heute leider keinen Techniker für dich“ geändert. Bekannt sind solche Memes vor allem durch Online Plattformen wie 9gag.

Mit jedem weiteren Tag, der ohne Techniker und mit kaputter Tür verging, wuchs die Anzahl der Zettel. Irgendwann waren nicht mehr nur die komplette Tür, sondern auch Teile der Wand mit Memes beklebt. Allerdings nicht für lange Zeit, denn plötzlich war alles verschwunden – das Dekanat musste die Zettel aufgrund von Brandschutzmaßnahmen entfernen. Das war den Mainzer Studierenden wohl relativ egal, denn kurze Zeit später sah alles wieder aus wie vorher.

Kreativität zahlt sich aus

Doch was wäre diese schöne Geschichte ohne ein Happy End? Der Techniker ist schließlich doch noch aufgetaucht, die Tür wurde repariert und alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Nicht aber im Internet, dort werden die Mainzer noch immer für ihre Aktion gefeiert. Alle Twitter Meldungen, die etwas zur Diskussion beigetragen haben, wurden mit dem Hashtag #technikeristinformiert versehen. Die Tür hat sogar eine eigene Facebook-Seite mit dem Namen „Die virale Philo-Tür“ mit über 10.000 Fans. Dort findet man auch ein Video mit der feierlichen „Wiedereröffnung“ der Türe durch den Dekan. Denn auch das Dekanat des Philosophicums war fasziniert von so viel Kreativität. Deshalb sollen die Zettel nicht einfach achtlos entsorgt, sondern in einer Ausstellung noch einmal präsentiert werden. Man sollte der kaputten Elektronik der Tür also fast dankbar sein, denn ansonsten wäre uns dieses wirklich amüsante Spektakel vorenthalten worden.

Wer jetzt neugierig geworden ist: die ganze Aktion kann man hier bestaunen.

Moderatorin

Sendet jeden Montag von 16 bis 18 Uhr.

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