Theaterbühne trifft Leinwand

Von Adrian Ladenberger

Vom 7. bis 9. November 2014 wurde die Studiobühne Köln zum Schauplatz des 1. Theatralfilm-Festivals. Hauptaugenmerk lag hier auf dem „theatralen Film“, einem eher selten anzutreffenden Genre, das in letzter Zeit vermehrt von Filmregisseuren aufgenommen wird und das nun in einem eigenen Festival gewürdigt werden soll.

Seit der Entstehungszeit des Kinos haben Theater und Film eine gemeinsame Geschichte, beeinflussen sich gegenseitig oder versuchen sich voneinander zu distanzieren. Dass sie sich dabei im Grunde doch stets relativ ähnlich sind, fällt dabei oft in den Hintergrund. Genau hier setzt der „theatrale Film“ an, indem er die Verbindung von Theater und Film ermöglicht. Laut Veranstalter ist ein „Theatralfilm“ ein Film, „der nicht bloß dramatisch Texte verfilmt oder Theateraufführungen abfilmt, sondern strukturelle Elemente des Theaters aufgreift und in den Film transferiert“. Diese Elemente bilden gleichzeitig den strukturellen Rahmen des Festivals und heißen: „RAUM / ZEIT / SPIEL“. Jeder Tag stand unter dem Zeichen eines dieser Elemente und zeigte einen Film, der sich speziell eines dieser Systeme annimmt und es exemplarisch in einen Film übersetzt.

Abgerundet wurde das Programm durch verschiedene Vorträge und Podiumsdiskussionen, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzten welche Verschränkungen zwischen Theater und Film existieren, sowie einen Workshop über die „performative Kamera“ bei dem Besucher einmal selbst in kleinen szenischen Übungen kennenlernen durften inwiefern die Anwesenheit von Kameras auf der Bühne das Theatergeschehen beeinflusst. Ebenso gab es eine Auswahl an Kurzfilmen zu sehen, welche sich ebenfalls spezifisch mit dem Phänomen „Theatralfilm“ auseinandersetzten.

Eine Plattform, die inspiriert

Das Theatralfilm-Festival stand natürlich ganz in Zeichen des theatralen Films, besonders die gezeigten Langfilme u.a. Lars von Triers „Dogville“ (siehe Foto) nahmen eine zentrale Stellung in den drei Tagen ein. Hauptveranstalterin des Festivals ist die Videokünstlerin und Filmstudentin Hannah Dörr, deren Interesse an sowohl Theater als auch Film schnell eine Verbindung dieser beiden Medien suchte. Die Beschäftigung mit Theatralfilmen lag also auf der Hand und da es in Deutschland noch kein vergleichbares Medium gibt, das dieses Filmformat angemessen würdigt, sollte ein Festival dafür her. Doch ein solches lässt sich natürlich nicht einfach aus dem Boden stampfen, insgesamt anderthalb Jahre Programmgestaltung, Organisations- und Öffentlichkeitsarbeit stecken in dem Projekt, das jetzt in Köln seine Premiere feierte. Und dass sich der Aufwand gelohnt hat, davon ist Hannah Dörr überzeugt: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Festival. Es gab sehr, sehr schönes Feedback und viele Leute fühlten sich sehr inspiriert von den Reden, den Filmen, den Podiumsdiskussionen und dem Workshop. Viele wollen jetzt in ähnliche Richtungen gehen, viele kamen auch zu mir und sagten: ‚So eine Plattform suche ich seit Jahren, ich pendle immer zwischen Film und Theater.“

Der Festivalstart konnte sich also bereits sehen lassen, aber wie siehts aus mit der Zukunft? „Ich glaube wichtig ist, dass man das Festival wirklich über Jahre etablieren muss. Es ist kein Pop-phänomen, was ‚einschlägt‘ und sofort wieder verschwindet, ich glaube, dass man da etwas längerfristiger denken muss.“ Der Grundstein steht ja schon einmal, der theatrale Film hat nun ein Medium gefunden auf dem er sich präsentieren kann. Und wenn es nach den Besuchern geht, dann steht einer zweiten Auflage des Festivals auch nichts im Weg.

Alle Bilder: Horst Baumann / Theatralfilm-Festival

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