Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir

Das Internet ist schon eine feine Sache. Jeder kann in den zahlreichen Foren und sozialen Netzwerken seine Meinung frei äußern, ob andere es hören wollen oder nicht. Doch was ist, wenn durch einen einzigen, scheinbar harmlosen Post, das gesamte deutsche Bildungssystem in Frage gestellt wird?

Wenn die 17-jährige Schülerin Naina vorher gewusst hätte, was sie mit 140 Schriftzeichen alles auslösen kann, hätte sie ihren Twitter-Post vermutlich nie veröffentlicht. Sie wollte eigentlich nur mit einem Augenzwinkern darauf hinweisen, dass man in der Schule nicht immer die wirklich praktischen Dinge für‘s Alltagsleben lernt, als sie schreibt: „Ich bin fast 18 und hab’ keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Damit scheint sie einen Nerv getroffen zu haben, der Post ging durch die Decke.

Unglaubliche mediale Resonanz

Der Tweet wurde in kürzester Zeit über 27.000 Mal auf der Plattform favorisiert und 15.000 Mal geteilt. Außerdem hat sie schon zahlreiche Radio-Interviews geführt, war auf RTL zu sehen und besuchte Stefan Raab auf der TV-Total Couch. Der Rummel um ihre Person hat allerdings nicht nur positive Rückmeldungen zur Folge. Sie wurde im Netz auch beleidigt, beschimpft und angegriffen. Ein solches Statement hat es nämlich bereits mehrfach gegeben, nur wurde damit nie so viel Aufmerksamkeit erregt. Deshalb gönnen viele Menschen ihr den kurzzeitigen Ruhm nicht und beschimpfen die Schülerin nun in den sozialen Netzwerken. Jetzt hat sie angekündigt, ihren Twitter Account vorübergehend ruhen zu lassen. Zumindest bis der Hype um ihre Person wieder abgeflacht ist.

Lernen wir wirklich für das Leben?

Dass Naina offensichtlich nicht ganz unrecht hat, zeigen die vielen Diskussionen der vergangenen Wochen. In der Schule lernt man tatsächlich nicht wie man Steuererklärungen ausfüllt oder eine Wohnung mietet und was man dabei, auch versicherungstechnisch, alles beachten muss. Aber ist das Aufgabe der Schule? Das ist momentan ein großes Diskussionsthema. Auch PolitikerInnen wie die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka von der CDU haben schon Stellung zu dem Tweet genommen. Doch Naina betont mehrfach, dass sie nie das deutsche Bildungssystem anzweifeln wollte. Die Abiturientin sei sehr zufrieden mit ihren Schulfächern und den vermittelten Inhalten. Aber gerade im Bezug auf große Veränderungen im Leben, wie zum Beispiel das Beziehen der ersten eigenen Wohnung, wünsche sie sich mehr Unterstützung von der Schule. Man könnte ja zum Beispiel einzelne Kurse oder Infoveranstaltungen anbieten, in denen Schüler lernen, welche Versicherungen für eine eigene Wohnung oder WG sinnvoll sind oder was es mit dieser Steuer genau auf sich hat. Denn nicht jeder hat Eltern, die dabei unterstützen und informieren können.

Die mediale Aufmerksamkeit um Naina wird wohl bald wieder vorbei sein, aber ihre Kritik wird noch länger nachhallen und vielleicht hat die 17-jährige, ohne es zu beabsichtigen, einen Stein ins Rollen gebracht…

Moderatorin

Sendet jeden Montag von 16 bis 18 Uhr.