Verstaubte Fehlkäufe loswerden und gleichzeitig Geld verdienen? Ein Selbstversuch

Trödelmärkte sind keine neue Erfindung. Seit einigen Jahren gibt es jedoch ein neues Konzept, zugeschnitten auf die wahrscheinlich größte Besuchergruppe dieser Märkte: Mädchen und Frauen. Für die gibt es nun sogenannte Mädelsflohmärkte – von Frauen für Frauen. Im Beueler Brückenforum findet dieser schon seit geraumer Zeit mit großem Erfolg statt. bonnFM hat einmal mitgemacht. Es folgt ein Selbstversuch.

Schon die Anmeldung zwei Wochen vorher gestaltet sich als schwierig: Laut Webseite ist die Plattform ab 16h geöffnet. Da der Andrang groß sein wird, sitze ich also um Punkt 15:55 vor meinem Laptop und aktualisiere im Minutentakt die Startseite. Um kurz nach 16h ist die Anmeldung dann freigeschaltet und die Daten eingetippt. Nur noch ein Klick und dann…. Oh, Server überlastet. Drei weitere Versuche folgen und es klappt immer noch nichts. Stattdessen wird auf eine Hotline verwiesen. Versucht man die jedoch anzurufen, landet man bloß in der Warteschleife. Etwas frustrierend. Nach 17 weiteren Versuchen, auf der Internetseite und über die Hotline, gebe ich genervt auf. Doch ca. 20 Minuten später trudelt plötzlich eine Email mit der Bestätigung unserer Anmeldung ein. Anscheinend hat’s doch geklappt. Blöd ist nur, dass man die Tische nur einzeln reservieren kann. Da wir zu dritt sind, müssen wir also schauen, dass wir auch drei Tische nebeneinander bekommen.

Viel Warterei mindert die Vorfreude

Am Tag des Mädelsflohmarkts dürfen wir als Verkäuferinnen ab 13h aufbauen, da wir aber sicher gehen wollen, dass wir auch tatsächlich unsere Tische nebeneinander kriegen, fahren wir also schon gegen 11:30 los. Wir sind jedoch nicht die Einzigen mit dieser Idee: Um kurz vor 12 am Brückenforum angekommen, staut sich bereits eine ansehnliche Menschenansammlung vor dem Eingang. Jetzt heißt es erstmal warten. In der Zwischenzeit kommen immer mehr Mädchen und Frauen, zum Teil mit männlicher Begleitung (nur zum Koffer- und Kisten tragen selbstverständlich!), mit immer mehr Kleidung, Schmuck, Dekorationsgegenständen und anderem Krimskrams. Bis um 13h endlich der Einlass beginnt, hat sich die Schlange mehrmals gewunden und endet erst bei der Straße. Immer mehr Passanten schlendern mit einem halb verwunderten, halb grinsenden Gesicht vorbei. Ich wäre zu diesem Zeitpunkt auch lieber auf dem Weg ins warme Zuhause gewesen als 1,5h in der Kälte zu stehen. Aber was macht man nicht alles, um ein paar nicht genutzte Teile loszuwerden und dabei noch ein bisschen Geld zu verdienen. Der Einlass verläuft dann zum Glück auch relativ zügig, erst danach beginnt der stressige und anstrengende Teil des Aufbauens. Wir stürmen erst einmal mit allen Frauen zusammen rein, um uns die besten Tische zu schnappen, um später dann alle Sachen zu holen. Chaos und Zickenkrieg ist vorprogrammiert. Als wir unsere drei Tische ergattert haben, entbrennt ein paar Meter weiter auch schon der erste Streit um einen (nicht) freigehaltenen Tisch.

Volle Gänge, laute Musik und viel Gefeilsche

Ab 15h merken wir, dass die Pforten geöffnet sind. Bei einem kleinen Abstecher in die untere Etage konnte man bereits sehen, dass sich auch bei dem Einlass für die Besucher eine ganz schön lange Schlange gebildet hatte. Nach und nach strömen immer mehr Leute in den oberen Saal des Brückenforums und schon nach kurzer Zeit ist es so voll, dass sich die Käuferinnen durch die Gänge schlängeln müssen, ohne kaum voranzukommen. Die Musik, die bis dato eher etwas zu laut aufgedreht war, kann man nun wegen der vielen verschiedenen Stimmen kaum mehr verstehen. Anfangs sind die Besucher noch etwas zurückhaltend und schauen sich erstmal um, aber sobald sie sich einmal einen Überblick verschafft haben, geht das Handeln los. Etwa drei Stunden lang wird gehandelt, gefeilscht, beraten, anprobiert und umentschieden. Am besten gehen natürlich gut erhaltene Kleidungsstücke, teure Markenparfums und Schuhe weg, doch auch viele kleinere Schmuckstücke und einfachere Oberteile wechseln die Besitzerinnen. Dekoartikel und Abendkleider haben es hingegen schwerer. Generell wirkt es so, als hätten sich viele Besucherinnen eine eigene Grenze gesetzt. Dinge, die etwas mehr Geld kosten sollen, werden eher zweimal überdacht als ein T-Shirt für ein paar Euro.

Fazit:

Trotz der etwas nervigen Anmeldungsprozedur und der langen Wartezeit hat es Spaß gemacht, am Mädelsflohmarkt teilzunehmen, sich mit netten Besucherinnen (und potentiellen Käuferinnen) zu unterhalten, Tipps zu geben, zu handeln oder aber auch mal dem verzweifelten Freund/Mann ein paar Süßigkeiten zur Entschädigung zu schenken. Wir alle drei haben viel verkauft, diejenige mit Parfums und teuren Kleidungsstücken hat natürlich mehr eingenommen als diejenige mit viel Kleinkram, doch wir alle waren insgesamt zufrieden.

Für alle Interessierten: Der nächste Mädelsflohmarkt im Brückenforum findet am 5.3.2017 statt, die Standgebühr beträgt 11€. Wer zusätzlich eine Kleiderstange mitbringt, muss weitere 4€ zahlen. Die Buchung erfolgt etwa zwei Wochen vorher über ein Ticketportal.