Verstehen Sie Spaß?!

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Der schlesische Journalist und Schriftsteller Otto Julius Bierbaum hat schon im 19. Jahrhundert erkannt, dass auch bei Witzen die Geschmäcker verschieden sind. Und das lange vor Mario Barth und Oliver Pocher. Er soll mit seinem geflügelten Wort recht behalten. Ein gefaketes Lachen ist immer noch besser als peinliches Schweigen. Aber wovon hängt es eigentlich ab, was wir als lustig empfinden? Gibt es Dinge, über die jeder lachen kann? Und wo hört der Spaß endgültig auf?

Jubel. Trubel. Heiterkeit.

Laut dem Duden beschreibt das Wort Humor die Fähigkeit oder auch die Bereitschaft, „auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren“. Bei dieser Definition klingt es fast wie ein Talent, eine besondere Begabung, wenn man über alles lachen kann. Das ist es in gewisser Hinsicht auch, denn nicht bei jedem ist der Sinn für Humor gleich ausgeprägt. Vielen fällt es schwer, den eigenen Schwächen und Alltagsproblemen frohen Mutes entgegenzutreten.

Im antiken Griechenland glaubte man diese Unterschiede in der Wahrnehmung mit der sogenannten Säftelehre erklären zu können. So wie die Welt damals in vier Elemente eingeteilt wurde, besaß der Mensch in der damaligen Theorie vier Körpersäfte. Ihre Zusammensetzung bestimmte das Temperament. Waren sie im Gleichgewicht, hatte die Person einen gesunden „Umor“, das lateinische Wort für Saft. Zugegeben, es ist eine merkwürdige Vorstellung, dass ein guter Charakter aus einer genauen Mischung von Flüssigkeiten entsteht. Aber ein Fünkchen Wahrheit steckt doch darin. Man spricht nicht umsonst manchmal vom „Gefühlscocktail“, wenn mehrere Emotionen auf uns einprasseln. Die Moral der Geschichte ist doch, dass man bestimmte Angelegenheiten weder zu pessimistisch, noch zu optimistisch angehen sollte. Weder zu aggressiv, noch zu passiv. Das kennzeichnet den Humor also als die Einstellung des Menschen zu seiner Umwelt und zu sich selbst.

Witz komm raus, du bist umzingelt.

Humor ist eine Möglichkeit, sich das Leben einfacher zu machen. Strapazen und Hindernisse einfach wegzulächeln, anstatt sich darüber aufzuregen oder zu verzweifeln. Allerdings lassen sich längst nicht alle Probleme durch simples Grinsen in Luft auflösen. Mit manchen Dingen wie Krankheit oder Tod muss man sich zwangsweise auseinandersetzen. Natürlich kann man versuchen, selbst die traurigste Situation positiv zu sehen, es ist auf Dauer aber nicht gesund, Leid einfach zu verdrängen. Dr. Sascha Topolinski, Junior-Professor für Psychologie an der Universität Köln, forscht seit Jahren auf dem Gebiet der Sozialen Wahrnehmung und bestätigt: „Viele Menschen wollen sich mit kontroversen oder schwierigen Themen nicht auseinandersetzen. Aus Angst oder Ekel zum Beispiel. Für sie sind dann Witze über diese Themen nicht komisch.“ Diese Personen reagieren in der Regel besonders sensibel.

Dass man einen Witz nicht richtig versteht, könnte aber auch daran liegen, dass man sich nicht mit der Materie auskennt. Scherze unter Wissenschaftlern, die einen fachlichen Zusammenhang haben, sind für den Durchschnittsbürger nicht lustig. „Chuck Norris kann Strg+Alt+Entf mit einer Hand drücken.“ Darüber lacht nur jemand, der den Aufbau einer Tastatur kennt. Es hängt von vielen Faktoren ab, ob wir eine Sache als witzig empfinden. „Die Sensibilität einer Person und eben auch die Intelligenz, das Bescheidwissen über ein Thema, spielen eine Rolle.“, sagt Topolinski. „Auch das Timing eines Witzes beeinflusst, ob gelacht wird oder nicht.“ Im Oktober letzten Jahres zum Beispiel schickte die Fluggesellschaft US Airways einen Passagier nach der Landung postwendend nach Hause zurück, nachdem er scherzhaft behauptet hatte, er habe Ebola. Zu dieser Zeit wurden in den USA jedoch die ersten Todesfälle verzeichnet und die Seuche mit strengen Richtlinien bekämpft. Gerade im Luftverkehr, wo ein Infizierter Tausende Menschen anstecken könnte, war der Zeitpunkt für den kleinen Spaß denkbar schlecht. Merke: Man sollte einen Witz immer dem Publikum anpassen.

The Queen is not amused.

Kühl und reserviert, bloß keine Miene verziehen. Privat kennt sicher jeder jemanden, der zum Lachen in den Keller geht. Der eben keinen Spaß versteht. Aber es muss doch auch mal möglich sein, Vorurteile zu bedienen oder sich über eine bestimmte Person lustig zu machen. Laut Dr. Topolinski liegt gerade hier „der Reiz des Verbotenen“. Es erleichtert und entspannt uns, ab und zu auch über ernste Themen oder fiktive Stereotypen zu lachen. Das funktioniert natürlich nur in Maßen und auch nur, solange man keinen beleidigt. Das Schlagwort, um das es dabei geht, ist die Politische Korrektheit. Diskriminierende Handlungen und eben auch Witze über Minderheiten gelten in unserer Gesellschaft als intolerant. Eine Art ungeschriebenener Kodex, der oft zu Unrecht als Zensur oder Einschränkung der Redefreiheit verurteilt wird. Denn fest steht, dass Scherze über religiöse oder kulturelle Minderheiten eine gewisse Aggression beinhalten, sei es auch ungewollt. „Unbetroffene fühlen sich überlegen. Wer betroffen ist, kann über viele Witze oft nicht lachen und fühlt sich beleidigt oder ausgegrenzt.“, fasst Topolinski die Problematik zusammen. Dennoch sollte seiner Meinung nach auch Schwarzer Humor in Ordnung sein, vorausgesetzt der Scherzkeks verfolgt keine böswilligen Absichten.

Im Großen und Ganzen gibt es viele verschiedene Situationen, in denen wir lachen. Sie alle haben aber etwas gemeinsam: Sie sind grotesk bzw. paradox. Eine Pointe ist laut Topolinski immer eine unerwartete Wendung, die uns überrascht und so zum Lachen bringt. „Um etwas wirklich komisch zu finden, muss man diese Doppeldeutigkeit verstehen.“, sagt er. „Deswegen sind auch vorhersehbare Pointen nicht lustig.“

Die beste Medizin.

Aber genug der schnöden Theorie. Gehet dahin und lachet. Übrigens sind die positiven Auswirkungen des Lachens erstaunlich. In der psychologischen Fachliteratur ist die Rede von Blutdrucksenkung, Steigerung der Abwehrkräfte und Stressreduktion. Außerdem soll es Kreativität und Spontanität anregen und ist so eine Art Selbsttherapie. Ihr wisst, was zu tun ist.