Wenn der Regisseur im Kinosaal neben dir sitzt…

Berlinale Palast 
Bild: Franziska Venjakob / bonnFM

…und nach dem Film für Fragen und Antworten bereit steht, die Hauptdarstellerin auf die gleiche Toilette wie man selber geht, und Blitzlichtgewitter vor den Kinos zu sehen ist – dann ist es wieder Zeit für die Berlinale. Dieses Jahr fanden die 67. Internationalen Filmfestspiele Berlins statt. bonnFM war vor Ort und ist sieben Tage lang untergetaucht in die magische Filmwelt von roten Teppichen und Goldenen Bären.

Ein guter Start in Berlin

Ein ganz besonderes Gefühl erreicht einen, wenn man die Treppen hoch auf den Potsdamer Platz geht. Man ist noch nicht oben, da spürt man schon die riesigen Gebäude vor einem. Eins von ihnen ist das Sony Center. In diesem habe ich in dieser Woche viel Zeit verbracht. Denn hier wurden so einige gute Filme gezeigt. Unter anderen schauten wir hier unseren ersten Film Ciao Ciao, der in einer Provinz namens Yunnan spielt. In einer wunderschönen Idylle, die Song Chuan in seinem Film zeigt, kommt eine Frau zurück aus der Großstadt und wird von unterschiedlichen Problemen ihrer Heimat konfrontiert. Von Geldnöten, Alkoholsucht und mangelndem Respekt gegenüber Frauen, gibt der Film eine ehrliche Sicht, die den Zuschauer mitreißt.

Berlinale Werbung Bild: Franziska Venjakob / bonnFM

Berlinale Werbung
Bild: Franziska Venjakob / bonnFM

Die absoluten Filmhighlights

Ein ganz anderer Film, der sogar für noch mehr Begeisterung sorgte, war Pieles, ein Film über deformierte Menschen. Mit bewusst artifiziellen Bildern entstehen um verschiedene Charaktere Geschichten, die einerseits Mitleid erzeugen, durch Benachteiligung und soziale Ausgrenzung. Andererseits werden auch schöne Szenen gezeigt, die das Leben der Personen lebenswert machen und ihre innere Schönheit zum Ausdruck bringen. Die bildliche- und symbolhafte Darstellung sowie die musikalische Untermalung machen aus diesem Film ein Kunstwerk, das einmalig ist.

Regisseur Eduardo Casanova (Mitte) steht nach dem Film für Fragen bereit Bild: Franziska Venjakob / bonnFM

Regisseur Eduardo Casanova (Mitte) steht nach dem Film für Fragen bereit
Bild: Franziska Venjakob / bonnFM

Ein weiterer ganz anderer Film, der es durch seinen Minimalismus bezüglich den Kameraaufnahmen und geringen Technikaufwand geschafft hat, mit einer schönen Romanze zu überzeugen, ist der Film Call me by your Name von Luca Guadagnino, den wir nach der Vorführung noch persönlich sprechen konnten. Einen passenderen Titel hätte man nicht wählen können. Die Ehre des Geliebten, der lieber bei dem Namen seiner Liebe genannt werden will, zeigt, wie intim die Beziehung zwischen dem Jungen Elios und dem aus Amerika kommenden Assistent seines Vaters Oliver ist. Eine ganz andere Liebesgeschichte, die nicht nur aus Kitsch und schnulzigen Dialogen besteht, vielmehr echt und glaubwürdig erscheint.
Von einem Film mit wunderschönen Bildern, komme ich zu einem schwarzweiß Film, der durch seine inhaltliche Nachricht überzeugte. Tahqiq fel djenne von Merzak Allouache, ist ein Film über die Paradiesvorstellung im Islam. Gezeigt werden erschreckende Filmaufnahmen über Prediger, die Versprechungen an junge Männer schildern, um diese in Algerien für den Dschihad anzuwerben und Interviewaufnahmen, wie diese Aufnahmen bei den Menschen ankommen. Mit einem breiten Feld an unterschiedlichen Befragten, von Intellektuellen und Experten über naive junge Männer, gibt der Film viele spannende Einblicke.

Preisverleihung Goldener Ehrenbär Bild: Franziska Venjakob / bonnFM

Preisverleihung Goldener Ehrenbär Bild: Franziska Venjakob / bonnFM

Eleganz auf dem Roten Teppich

Jährlich wird auf der Berlinale der Goldene Ehrenbär verliehen. Auf dem Weg dahin läuft man durch eine Straße, die nicht schöner beleuchtet sein könnte. Am Ende der Straße folgt der schönste Ort während der Filmfestspiele, der Berlinale Palast mit seinem hell erleuchteten roten Teppich, Paparazzi und langen Limousinen. Hier fand die Preisverleihung der Kostümdesignerin und mehrfacher Gewinnerin des Academy Awards Milena Canonero statt. Als Besucher konnte man ebenfalls über den roten Teppich hoch in den Palast. Nach einigen kurzen Reden und der Übergabe des Goldenen Bärs, wurde der Film The Shining gezeigt. Ein Horrorfilm aus dem Jahre 1980, bei dem die Arbeit Gewinnerin zur Geltung kam. In dem Film geht es um eine Familie, die in ein Hotel einzieht und sich den Winter über darum kümmern soll. Die Kälte wird für die Familie nicht das größte Problem, der Vater wird von einem Fluch besessen und für die Familie zur Gefahr.

Kinosessel Bild: Franziska Venjakob /bonnFM

Kinosessel
Bild: Franziska Venjakob /bonnFM

Ein Museumsbesuch der Extraklasse

Dank einer netten Kollegin unserer Dozentin, die uns im Filmhaus Berlin willkommen hieß und uns eine erkenntnisreiche Führung in der Ausstellung zur Science Fiktion gab, hatten wir die Möglichkeit, hinter dem Filmkulissen zu schauen. Von Modellen der Alien bis hin zu Kostümen und Originalskizzen gab es einiges zu sehen.
Das waren die absolut besonderen Momente der Berlinale.

Für die Kinoverrückten unter euch liste ich nun noch die Kinofilme auf, die wir sonst noch gesehen haben: Discreet (Travis Mathews), Anni Hall (Woody Allen), Casting ( Nicolas Wackerbarth), Freak Show ( Trudie Styler), Berlin Syndrome (Cate Shortland), Amelie rennt (Tobias Wiemann), Emo the Musical (Neil Triffet), The Shining (Stanley Kubrick), Piata Lod (Iveta Grófová), Drôles d’oiseaux (Elise Girard).

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