WG: Qual der Wahl. Nur für wen?

Von Rebecca Theinert

Auf der Suche nach der perfekten Wohnung macht jeder ganz individuelle Erfahrungen. Bis man sie dann endlich gefunden hat, kann ziemlich viel Zeit verstreichen. Doch wie schwer ist die Wohnungssuche in Bonn tatsächlich?

So funktioniert’s

Im Studentenleben befindet sich der ein oder andere bestimmt einmal oder sogar mehrere Male in der Lage, nicht genau zu wissen, wo sich ein passendes Zimmer finden lässt, das nicht nur den eigenen Ansprüchen entspricht, sondern auch für den studentischen Geldbeutel bezahlbar ist. Für diesen Fall gibt es eine Vielzahl an Internetseiten, mit denen beispielsweise auch auf Facebook fleißig geworben wird. Sobald der erste Schritt des „Likens“ einer solchen Seite betätigt wurde, ist der darauf folgende Ansturm von Angebote nur noch einen Klick entfernt – und zugegeben, einige Angebote erwecken einen vielversprechenden ersten Eindruck. Hochmotiviert kann die scheinbar nicht mehr endende Tipperei nun beginnen, wobei jedoch einige Regeln nicht unbeachtet gelassen werden sollten. Denn sich selbst will man natürlich von einer besonders vorteilhaften Seite zeigen und trotzdem bringt es nichts, sich zu sehr zu verstellen. Eine Balance muss her, denn es soll schließlich passen – besonders wenn es sich um eine Bewerbung für eine WG handelt. Faustregel Nummer eins: Immer freundlich schreiben und über die Beschreibungen der einzelnen WGs auch auf sich selbst eingehen. Dabei punktet, wer sich selbst am aufgeschlossensten und sympathischsten präsentiert. Wenn dann in den nächsten Tagen eine Einladung zur WG-Besichtigung im E-Mail Postfach liegt, ist ein nächster wichtiger Schritt gemeistert.

Das Casting

Bei WG-Castings spielt nicht nur eine Riesenportion an Glück eine große Rolle, sondern auch das rigorose Auswahlverfahren derjenigen, die die Qual der Wahl haben: Die potenziellen neuen Mitbewohner. Mit ein wenig Übung, die man ab etwa fünf und mehr Castings bereits zur Genüge hat, wird einem allerdings bewusst, wie willkürlich eine solche Auswahl oft vonstatten geht. Denn so unfair es dem Suchenden auch vorkommen mag, die Sucher finden oft auch nicht die Person, die sie sich in ihrer bereits existierenden WG wünschen. Es besteht sowohl auf Seiten der Aussucher, als auch auf Seiten der Suchenden das Interesse eine für alle Parteien möglichst passende Auswahl zu treffen. Doch nicht selten kommen auf ein einziges Zimmer bereits weit über 30 Bewerber, die aufgrund der hohen Anzahl nur teilweise zu einem persönlichen Kennenlernen und einer gleichzeitig stattfindenden Vorauswahl eingeladen werden. Wer sich nach einer Absage oder sogar keiner Rückmeldung frustriert fühlt, ist bestimmt nicht alleine. Aber Verzweifeln bringt in diesem Falle nichts, denn da hilft nur: Kopf hoch und weiter suchen.

Bonn – klein aber fein. Und teuer.

Mit einem bestimmten Budget im Kopf sollte jeder eine gewisse Vorauswahl treffen, wodurch sehr große Abweichungen gleich ausgeschlossen und außerdem unnötige Wohnungsbesichtigungen vermieden werden können. Die Preise in der ehemaligen Bundeshauptstadt sind offenkundig vergleichbar mit denen einer Großstadt – und das ist erschreckend. Zwar gibt es in Bonn einige sehr schöne Fleckchen zum Wohnen, nicht selten bringen diese allerdings einen sehr hoch angelegten Preis mit sich. Es kann also durchaus vorkommen, dass ohne zusätzlichen Nebenjob das ein oder andere WG-Zimmer praktisch unbezahlbar ist. Obwohl es sich bei Wohngemeinschaften ursprünglich um die preisgünstigste Variante des Wohnens bei Studenten handelte, können sich also nur wenige ein oft sogar sehr kleines Zimmer in relativ zentraler Lage leisten.

Absage. Absage. Keine Rückmeldung – Zusage?

Die Antworten nach einem erfolgreich überstandenen WG-Casting-Marathon sind meist enttäuschend. Mit jeder Absage geht auch ein Stückchen Hoffnung verloren und die Eigenbereitschaft so manchen Kompromiss einzugehen steigt mit der verstrichenen Zeit, in der deutlich wird, dass das absolute Traumzimmer höchst unwahrscheinlich noch frei sein wird. Ob es nun die versiffte Wohnecke, die scheinbar selbstverständliche Unordnung oder die Mitbewohner sind – mindestens ein Kompromiss ist wohl kaum umgehbar.

Nach einer Zusage ist die Freude natürlich groß. Aber es ist trotzdem wichtig, sich vor Augen zu halten, dass nicht die erste Zusage auch die richtige ist. Nun liegt es daran, seinem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen und sich nicht von äußeren Einflüssen täuschen zu lassen. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden – und dabei zumindest auf ein Quäntchen Glück hoffen. Ein letzter Tipp für alle, die noch auf der Suche sind: Seid offenherzig, ehrlich und ihr selbst. Eure Suche wird ein Ende haben, sobald ihr euch mit eurem Fund zufrieden gebt.

Alle Bilder: Rebecca Theinert / bonnFM

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