Offensiv-Schlacht auf dem Hardtberg

Foto: Sebastian Derix

Dass es in der Basketballbundesliga keine einfachen Spiele gibt, bewies am Sonntagabend die Begegnung der Telekom Baskets Bonn und Phoenix Hagen. Anders als der 95:85-Endstand (27:28, 24:25, 23:15, 21:17) vermuten lässt, war die Partie lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit seiner schnellen, offensiv-betonten Spielweise behauptete der Tabellenletzte Hagen sich über weite Strecken souverän gegen den Tabellen-Sechsten aus Bonn. Vor allem ein beherzt aufspielender Filip Barovic (24 Punkte, 7 Rebounds) sorgte am Ende für den Bonner Sieg. Ryan Thompson knickte Mitte des letzten Viertels um und musste vorzeitig vom Feld. Im nächsten Spiel am Dienstag soll er allerdings einsatzbereit sein.

Ein Punktestand, den man in der Basketballbundesliga nicht alle Tage zu sehen bekommt: -4:10. Seine fünf bisherigen Spiele hatte Phoenix Hagen verloren, was die zehn Punkte auf der rechten Seite erklärte. An dem negativen Kontostand auf der linken Seite war allerdings nicht spielerischer Misserfolg, sondern die Insolvenz des Vereins Schuld. Schon seit letzter Saison kämpfte Hagen mit finanziellen Schwierigkeiten. Ein „unhaltbarer“ Sanierungsplan zur Rettung sei nicht aufgegangen, so Hagens Geschäftsführer Patrick Seidel im Interview mit Telekom Basketball. In der Folge wurde am Mittwoch „Plan-Insolvenz“ angemeldet – zur Strafe zog die BBL vier Punkte ab. Seidel selbst ist erst seit September im Amt, was genau in Hagen schief gelaufen sei, wisse deswegen nur der ehemalige Vorstand.

Foto: Sebastian Derix

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Insol-was?

Doch Hagen ließ sich dadurch nicht verunsichern. Die mitgereisten Fans waren „on fire“, protestierten mit umgedrehten Bannern und Sprechchören vor dem Spiel offen gegen die ihrer Meinung nach für die Krise Verantwortlichen. Von Trauer war auch bei den Hagener Spielern keine Spur zu erkennen. Trotz Insolvenz und drei verletzter Akteure spielte der Tabellenletzte frei und respektlos auf. Die Baskets mussten ihrerseits auf Yorman Polas Bartolo verzichten, der sich im Training einen Finger ausgekugelt hatte. In der Starting Five wurde er von Florian Koch ersetzt.

Trent Plaisted, einer der Top Rebounder der Liga und wahrscheinlich Hagens bester Mann, zeigte in der dritten Spielminute, warum er diesen Titel verdient: Von „coast to coast“ dribbelte er über das Feld und ließ dabei die Bonner Defense links liegen, um sicher einen Korbleger zu verwandeln (5:7). Bonn schlief in der Verteidigung, boxte unter dem Korb nicht aus und gestattet Hagen so viele zweite Wurfchancen. Der gelungenen Offensive war es zu verdanken, dass Hagen sich nicht absetzen konnte: Ein Korb mit Foul und anschließendem Bonus-Freiwurf wusste Neuzugang Ojars Silinš zu verwandeln (10:9, 4. Minute), einen Dreier streute Center Johannes Richter ein (23:19, 8. Minute).

Angriff hui, Verteidigung pfui

Aber auch Hagen konnte sowohl unterm Korb, als auch von jenseits der Dreierlinie punkten. Zu Beginn des zweiten Viertels doppelte Hagen die Bonner Spieler und setzte sie somit massiv unter Druck. Thompson hatte irgendwann genug von der Zaghaftigkeit seines Teams, dribbelt die gesamte Hagener Verteidigung aus und stopfte den Ball zum 31:32 durch das Netz (13. Minute). Immer wieder war es Thompson, der in dieser Phase die Verantwortung übernahm und für Punkte sorgte. Bonns Verteidigung wirkte immer noch wenig souverän: Immer wieder ergattern die Hagener den Offensiv-Rebound und sorgten im Anschluss für einfache Punkte. Gut für Bonn: Auch Hagen wusste nicht so Recht, wie Bonn gestoppt werden konnte. Gegen Ende des Viertels wechselte die Führung fast in jedem Angriff. Nach einem Offensiv-Feuerwerk lag Hagen zur Pause knapp vorne (51:53).

Offensiv ging es zu Beginn der zweiten Hälfte eindrucksvoll weiter: Ein Dunk von Julian Gamble, ein Dunk nach Steal und Fast Break von Thompson, ein Nahdistanzwurf von Barovic, nachdem dieser den Ball in letzter Sekunde vom auf den Korb zufliegenden Thompson erhielt, zwei Dreier in Folge von Konsti Klein (69:63, 27. Minute).

Foto: Sebastian Derix

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Barovic schießt den Vogel ab

Doch im letzten Viertel schien es, als hätten beide Vereine ihr Pulver ein wenig verschossen. Viele Würfe fanden plötzlich nicht mehr ihr Ziel, das Spiel wirkte zerfahren. Dafür legten die Baskets endlich in der Verteidigung eine Schippe drauf und das mit Erfolg: Ein Korbleger von Klein markierte die erste zweistellige Führung des Spiels (81:71, 34. Minute). Ausschlaggebend für Hagens Niederlage war schließlich der Moment, in dem zwei Minuten vor Schluss Leistungsträger Owen Klassen (17 Punkte, 8 Rebounds) mit fünf Fouls vom Feld musste. Barovic ließ nun nichts mehr anbrennen und zeigte mit drei Dunkings in Folge, wer der Herr im Haus war.

Coach Predrag Krunic nach dem Spiel: „Meine Jungs haben vor allem in der zweiten Halbzeit gut gekämpft. Da war auch die Verteidigung besser, als noch am Anfang. Hagen hat trotz der schwierigen Situation ein starkes Spiel geliefert. Für uns war das heute ein wichtiger Sieg vor einem wieder tollen Publikum. Aber wir haben keine Zeit zu feiern, denn am Dienstag geht es schon im Europe Cup weiter. Die Verletzung von Ryan Thompson ist wohl nicht so schlimm. Ich denke, dass er am Dienstag spielen kann. Auch bei Yorman Polas Bartolo sieht es für Dienstag nicht so schlecht aus.“

Die Europe Cup-Partie gegen die Södertalje Kings startet am Dienstag (25.10.) um 19:30 Uhr. Das nächste Liga-Spiel ist das Auswärtsspiel gegen Science City Jena am kommenden Sonntag (30.10., 15:30 Uhr).

Katharina Weber
Ehemalige Chefredakteurin Nachrichten und Wort, Moderatorin, Campusradio-Methusalem und Baskets-Enthusiastin.

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